Reminiscere 08.03.2020 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Röm 5,1-5
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Liebe Gemeinde,
es gibt Sätze, die vergisst man sein Leben lang nicht wieder.  Meist sind sie kurz, prägnant, eingängig. Wenn so ein Satz bei uns hängengeblieben ist, dann haben entweder die Marketingstrategen und Werbefachleute richtig gut gearbeitet oder das Ereignis, das wir mit so einem Satz verbinden, war sehr prägend und bedeutsam.
Es gibt Sätze, die vergisst man sein Leben lang nicht mehr. – Von dem, was der Apostel Paulus in Briefen an seine Gemeinden geschrieben hat, würden wir das vermutlich nur bedingt sagen. Meist finden wir seine Ausführungen umständlich und schwer verstehbar. In vielen Fällen ist das auch so. Der Brief an die Römer, aus dem unser Predigttext stammt, gehört sicher mit dazu.
Unser Predigttext macht da allerdings, wie ich finde, eine sehr schöne Ausnahme. Er greift nämlich direkt eine Formulierung des Apostels aus dem ersten Korintherbrief auf: „nun aber bleiben Glaube, Liebe Hoffnung – diese drei; die Liebe ist aber die größte unter ihnen.“
Der Apostel Paulus redet von Glauben, Hoffnung und Liebe. Lasst uns darauf ganz kurz schauen!
Wie gut die Christen damals in Rom die Worte des Apostels verstanden haben, wissen wir nicht. Es ist unsicher, ob sie z.B. den 1. Korintherbrief schon kannten oder diese prägnante Formulierung des Apostels schon im Ohr hatten.
Wir haben sie jedenfalls im Ohr!

1) Stichwort: Glauben. „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“ Der Apostel Paulus macht hier eine grundsätzliche Feststellung. Und die ist es wert, unbedingt von uns gehört und wahrgenommen zu werden! Wir sind in Gottes Augen und vor Gott gerecht geworden – durch den Glauben! Das Eine ist der Glaube, der gerecht macht, der uns rechtfertigt, wie die theologische Sprache es formuliert. Das Andere ist die Feststellung, dass wir nichts für unser Gerechtwerden machen mussten und müssen. Und das Dritte ist die weitere Feststellung, dass wir schon gerecht sind! Es ist nicht erst ein Geschehen, das wir uns noch in der Zukunft irgendwie erwerben oder kaufen oder erarbeiten müssen. Nein, wir sind vor Gott gerecht und deshalb haben wir auch Frieden mit Gott!
Jetzt kann sich jeder selbst befragen: Hast Du Frieden mit Gott? Und wenn Du keinen Frieden mit Gott hast, wie ist es dann um deinen Glauben bestellt? Wir brauchen immer wieder die Stärkung unseres Glaubens durch Gott selbst, weil der Teufel versucht, unseren Glauben mit Unglauben und Zweifeln zu bekämpfen.
Denken wir an die Jahreslosung: Da schreit der Vater zu Jesus: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben.
Es ist der Herr selbst, der unseren Glauben stärkt und hilft, unseren Unglauben zu bekämpfen.

2) Stichwort Hoffnung. Weil wir mit Gott in Frieden leben, haben wir Hoffnung, und zwar eine Hoffnung, die nicht betrogen wird, die uns nicht irgendwas vorgaukelt und leere Versprechungen macht. Es ist eine Hoffnung, die nicht auf blauem Dunst beruht, sondern die gewachsen ist und ausgestattet mit einem reichen, unbezahlbaren Erfahrungsschatz. Du kannst in deinem Glaubensleben Erfahrungen mit Gott machen und wirst nicht enttäuscht werden!
Enttäuscht werden wir nur von Menschen. Bitte verwechselt das nicht miteinander. Manche sagen mir, dass sie von der Kirche und von Gott enttäuscht sind und deshalb ihren Glauben fahren lassen. Dabei sind sie von den Menschen enttäuscht.
Von Menschen enttäuscht zu werden ist eine sehr menschliche und weltliche Erfahrung. Leider.
Aber von Gott wirst Du niemals enttäuscht werden. Deshalb ist die Hoffnung auf Gott so, dass sie unseren Glauben am Leben erhält.

3) Stichwort: Liebe. Es gibt Leute, die wünschen sich oder behaupten es von sich, dass sie von Luft und Liebe leben. Wie schön! Ich will auch, denke ich dann manchmal. Aber im Ernst: Wir wissen, dass das nicht geht. Man kann nicht allein von Luft und Liebe leben. Bei unserem Glauben kommen die Hoffnung, die sich aus Gott und unserer Glaubenserfahrung speist, und die Liebe, mit der Christus einem jeden einzelnen von uns begegnet, zusammen.
Unsere Hoffnung ist nicht auf sich allein gestellt. Sie ist nicht allein auf ihre Erfahrungswerte angewiesen. Sondern Gott hat uns seinen Heiligen Geist geschenkt – in der Taufe, bei der Konfirmation, zu Pfingsten, bei jedem zugesprochenen Segen, wenn aus der heiligen Schrift vorgelesen wird, beim Empfang des heiligen Abendmahls und sicher auch sonst noch bei vielen Gelegenheiten. Der Heilige Geist wurde und wird in uns ausgegossen. Er fließt wie Wasser in die verborgensten Winkel unseres Herzens und Lebens und erfüllt sie mit der Liebe Gottes und stärkt dadurch unseren Glauben.

Liebe Gemeinde, es ist die Liebe Gottes zu uns seinen Geschöpfen, die ihn dazu gebracht hat, alles für unsere Rettung zu tun, damit es jetzt so ist, wie der Apostel Paulus am Anfang geschrieben hat: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“ Amen.