Aschermittwoch 02.03.2022 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Lukas 18,31
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

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Liebe Gemeinde,
jedes Jahr aufs Neue denke ich bei diesem Wochenspruch: „Der ist doch irgendwie ein bisschen aus der Zeit gefallen!“ Immer braucht es ein Erklärungsvehikel, um diesen Wochenspruch zu verstehen, der am Anfang der Fasten- und Passionszeit steht.

Was hat diese Feststellung unseres Herrn mit der Fastenzeit, also unserer Vorbereitungszeit zu tun? Eigentlich gar nichts. Was hat diese Feststellung Jesu mit der Passionszeit, also mit seiner eigenen Leidenszeit zu tun? Schon etwas mehr.
Jesus stand am direkten Beginn des Weges, der ihn direkt ans Kreuz und in den Tod führte. Aber warum musste er dazu bergauf gehen? Das versteht man nur, wenn man weiß, dass Jerusalem eine Stadt ist, die auf einem bzw. mehreren Bergen liegt, und dass man aus allen Himmelsrichtungen kommend bergauf gehen oder fahren muss, um dorthin zu gelangen.
Wie gesagt: ich habe jedes Jahr den Eindruck, dass man zum Verstehen dieses Satzes ein Erklärungsvehikel braucht. Er erschließt sich nicht ohne Weiteres.
Ich kann mir vorstellen, dass es den Jüngern damals so ähnlich ging. Sie wussten zwar, dass man nach Jerusalem hinaufgehen muss. Aber es wird an mehreren Stellen in den Evangelien berichtet, dass sie offenbar nichts von den Leidensankündigungen verstanden, die ihnen ihr Herr machte. Dass Jesus auf dem Weg in den sicheren Tod war, das kam ihnen überhaupt nicht in den Sinn, das kam in ihren Gedanken nicht vor. Sie sahen nur den mühsamen Aufstieg zu Fuß durch die judäische Stein- und Felswüste hinauf in die hochgelegene Hauptstadt. Dazu kam die Ungewissheit darüber, wie es ihnen dort ergehen würde. Da war die Besatzungsmacht. Da waren die Pharisäer und Schriftgelehrten, mit denen sich Jesus schon angelegt hatte, da waren die Hohenpriester, die über die gesetzestreue Reinheit des Kultes am Tempel wachten. –
Das ist alles Geschichte.

Wenn ich an uns heute denke, und wie wir den Wochenspruch, diese Feststellung Jesu, hören oder wahrnehmen, stelle ich bei mir/bei uns Ähnliches fest. Es gibt nur einen kleinen Unterschied: Wir stehen nicht davor, mühsame Bergaufstiege zu Fuß machen zu müssen, sondern wir schauen in diesen Tagen in den Abgrund – in den Abgrund menschlichen Versagens, in den Abgrund des Krieges, in den Abgrund einer von Gott abgefallenen Menschheit. Wir leben in Ungewissheit darüber, was auf uns zukommt. Die Angst vor einem Krieg, über dessen Ausgang wir nichts wissen, zerrt an unseren Nerven. Wir müssen befürchten, von den teuflischen und gottfeindlichen Mächten in diesen Abgrund gezogen und gestürzt zu werden.

Was kann uns da noch helfen?
Vielleicht tut es doch der zunächst so erklärungsbedürftig erscheinende Wochenspruch!
Jesus stellt fest, dass es jetzt auf diesen unbequemen Weg geht, hinauf nach Jerusalem, in eine ungewisse und angstbesetzte Zukunft. Ja, das ist richtig. Aber er spricht weiter! Und das ist kein Vorschlag, der diskutiert werden könnte, oder den die Jünger und wir uns aussuchen könnten, sondern eine felsenfeste Gewissheit: „Es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“

Es bleibt also nicht bei der Ankündigung des unbequemen Weges, sondern Jesus hat schon das Ziel im Blick. Er weiß, warum er und seine Jünger und wir diesen Weg beschreiten müssen. Er weiß auch, dass dieser Weg nicht im Grauen, im Chaos und im Tod endet, sondern im ewigen Leben. Es ist bereits von den Propheten angekündigt worden, dass Gott den Retter für die verlorene Menschheit senden wird. Auch wenn die Propheten vielleicht selbst nicht verstanden haben, was sie da geweissagt haben.

Liebe Gemeinde, für mich ist dieser zweite Teil dieses Wochenspruchs zum rettenden und tröstenden Strohhalm geworden, und ich möchte euch das auch so weitergeben: „Es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“
Der Weg, auf den wir uns jetzt begeben, ja, begeben müssen, ist steinig und schwer und unbequem, traurig und schrecklich. Aber der Weg ist nicht das Ziel, sondern – um jetzt mal ganz fromm zu sprechen – die ewige Seligkeit bei Gott im Himmel. Dahin ist uns der Herr vorangegangen. Lasst uns ihm deshalb von heute an auf diesem Weg nachfolgen. Es wird alles vollendet werden!
Amen.