Letzter Sonntag nach Epiphanias 31.01.2021 von Gottfried Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über 2.Petr 1,16-21
Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
Um so fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem Wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.

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Liebe Gemeinde,
die Frage, ob das alles stimmt, was wir glauben, was Inhalt unseres Glaubens ist, die Frage, ob das alles wahr ist, was wir in der Heiligen Schrift lesen, kennt doch wohl jeder von uns. Wenn einen der Zweifel befällt und in die Ecke treibt, wenn einen die lauernde Frage bedrängt und unsicher macht, ob die eigene Überzeugung die richtige ist, dann ist unser Glaube angefochten, dann machen sich Zweifel und Unglauben breit. Manche sagen, Zweifel sei die andere Seite von Glauben wie zwei Seiten ein und derselben Medaille. Ich glaube, dass man Glauben damit nicht richtig beschreibt. Aber der Zweifel ist zumindest immer eine Bedrohung des Glaubens – mal schwächer, mal stärker. Diese Frage, die uns verunsichert, begleitet die Menschheit von Anfang an: „Sollte Gott gesagt haben …?“
Gegen diese Bedrohung unseres Glaubens richtet sich unser heutiger Predigttext aus dem zweiten Petrusbrief. Der Verfasser will gegen den Zweifel, der den Glauben seiner Gemeinde bedroht, anpredigen. Er will seiner Gemeinde Gewissheit verschaffen. Er tut das mit drei Argumenten:

1) Durch die Berufung auf die eigene Zeugenschaft.
2) Durch die Berufung auf das prophetische Wort.
3) Durch die Berufung auf den Heiligen Geist.

1) Der Verfasser will Gewissheit schaffen durch die Berufung auf die eigene Zeugenschaft. Er erinnert sich und seine Leserinnen und Leser daran, dass er Zeuge, Augen- und Ohrenzeuge eines ganz besonderen Geschehens ist, nämlich der Verklärung Christi. Da hat er die Herrlichkeit des Herrn gesehen – wenigstens ansatzweise. Da hat er die Stimme Gottes gehört, die den anwesenden Jüngern gesagt hat, wer der Verklärte ist und was sie tun sollen. Da hat er die alttestamentlichen Propheten Mose und Elia an der Seite des Herrn gesehen. Dadurch sind ihm die großen Zusammenhänge der Heilsgeschichte klargemacht worden. Damit ist ihm die Einheit von Altem und Neuem Testament vor Augen geführt bekommen. Der von den Propheten angekündigte Retter ist sein Herr Jesus Christus.

2) Deshalb unser zweiter Predigtabschnitt: Der Verfasser will uns Gewissheit verschaffen durch die Berufung auf das prophetische Wort.
Weil er in diesem Moment der Verklärung Christi damals auf dem Berg begriffen hatte, wie die Dinge zusammenhängen, weil er begriffen hatte, dass er Zeuge einer ganz großen Erklärung geworden war, deswegen ist ihm das – wie er es nennt – prophetische Wort ganz sicher und gewiss. Die Zweifel, die er selbst vielleicht auch manchmal gehegt hat, die sind bei ihm durch dieses Erlebnis ausgeräumt worden. Das prophetische Wort ist einerseits das, was bis dahin bekannt und vorhanden und aufgeschrieben war: die Thora und die anderen alttestamentlichen Schriften, die tatsächlich prophetischen Charakter tragen. Sie weisen auf Ereignisse in der Zukunft hin. Das prophetische Wort ist andererseits aber auch das Wort Christi, das er und seine Freunde vom Herrn selbst gehört haben: das Evangelium. Er hat es selbst gehört und nun sozusagen die Bestätigung, den Beweis, bekommen, dass Jesus tatsächlich der Sohn Gottes ist.
Das prophetische Wort ist auch das, was er, Petrus, selbst aussprechen wird, wenn er anfängt, das Evangelium zu verkündigen.

3) Zum Schluss führt er noch ein drittes Argument an, dass Gewissheit bei uns schaffen soll: Die Berufung auf den Heiligen Geist.
Vielleicht hat Petrus sich selber auch die Frage gestellt, ob das alles stimmt und wahr ist, was da in den Schriften steht und wovon Jesus geredet hat.
Bei der Verklärung Christi, deren Zeuge er ist, hat er Gewissheit darüber geschenkt bekommen, dass der Heilige Geist die Weissagungen der Propheten „erzeugt“ hat.
Bei uns gibt es ja die Redewendung, wenn etwas sonnenklar ist: „Da muss ich kein Prophet sein, um das zu wissen.“ Oder es gibt auch den anderen, etwas augenzwinkernden Satz: „Ich betätige mich mal als Prophet!“ Und dann kommt irgendeine Vermutung darüber, was geschehen könnte. Aber wir wissen, das hat mit echter Prophetie nichts zu tun.
Echte Weissagungen entspringen direkt bei Gott. Sie sind keine menschliche Erfindung. Sondern wenn Menschen im Auftrag Gottes geredet haben, dann waren sie vom Heiligen Geist getrieben, der Heilige Geist hat durch sie geredet.

Liebe Gemeinde, dieser letzte Gedanke ist eine Verbindung von diesem alten Predigttext zu uns, in unsere Gegenwart. Getrieben vom Heiligen Geist reden Menschen im Auftrag Gottes. Das dürfen wir auch heute von Gott erwarten. Er selbst ist es, der uns unseres Glaubens immer wieder gewiss macht. Er räumt die Zweifel aus. Er hilft gegen Anfechtungen, Trägheit und Unglauben. Nichts anderes hilft dagegen, als auf Gottes Wort zu hören.
Und dann werden wir zwei wunderbare Dinge erleben: Wir werden Gewissheit unseres Glaubens erlangen und wir werden Zeugen von Gottes Weissagungen werden, die bis in die Gegenwart und Zukunft, ja, bis in die Ewigkeit reichen.
Amen.