Kantate 02.05.2021 von Gottfried Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

- Video zu diesem Sonntag-

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Predigt über Lukas 19,37-40
Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Liebe Gemeinde,
wer von den Älteren unter uns kennt das nicht: Da sitzen wir zusammen in der Kirche und feiern Gottesdienst, Gottes Wort wird vorgelesen, es wird laut in der Predigt, der Herr selbst kommt zu uns im heiligen Abendmahl, er begibt sich nahe an den Abhang zu uns Menschen … und dann „stört“ ein kleines Kind mit seinen unartikulierten Lauten, quakt und kräht und zappelt auf oder unter der Bank oder auf dem Schoß der Mutter … und alle denken: Muss dieses Kind jetzt schreien und stören? Wir wollen doch in Ruhe Gottesdienst feiern! Der armen Mutter ist das Ganze reichlich peinlich, aber sie ist im Moment nicht in der Lage, das Kind „ruhigzustellen“. Der Pastor versucht mit seiner Stimme das Geschrei zu übertönen, aber unsere Andacht „leidet“!

Ganz ehrlich? Sowas kenne ich. Und es hat mich früher auch immer gestört. Aber irgendwann, als ich Pastor wurde, habe ich mir gesagt: „Was für ein Quatsch, mir durch meine grollenden Gedanken den Segen des Gottesdienstes vermiesen zu lassen!“ Da hat der Teufel doch schon gewonnen!
Seitdem zitiere ich mir in solchen Situationen innerlich ganz bewusst Matthäus 21 Vers 16, wo Jesus nicht ganz wörtlich aus Psalm 8 zitiert: „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob zubereitet.“
Und dann lasse ich mich mit der Freude und Heiterkeit des Heiligen Geistes erfüllen, damit nicht die bösen Gedanken mein Herz besetzen.

Eine ähnliche Situation muss es gewesen sein, als Jesus am Palmsonntag in Jerusalem eingezogen ist, und seine Jünger ziemlich unvermittelt und für die frommen Pharisäer völlig unpassend plötzlich anfingen, Gott zu loben. „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ Sie sollen endlich still sein!
Aber Jesus antwortet mit diesem berühmten Satz: „Wenn diese schweigen werden, werden die Steine schreien.“
Als Jugendlicher hat mich dieser Satz besonders beeindruckt, weil wir im Konfirmandenunterricht und im Jugendkreis darüber gesprochen hatten, dass es Situationen in unserem Leben geben kann und geben wird, in denen wir gefragt sind, unseren Glauben zu bekennen, uns zu unserem Herrn zu bekennen. Wir alle wussten, wie schwer das sein kann, was das für Mut von uns verlangt. Und wahrscheinlich hatte sich jeder bei Gedanken ertappt, die ihn an Situationen erinnerten, in denen wir zu feige gewesen waren, uns als Christen zu outen.
Ich habe es irgendwie als tröstlich empfunden und zugleich als Beweis der Macht unseres Gottes, dass er auch stumme Steine zum Reden bringen könnten, falls wir schweigen sollten.
Darüber besteht bei mir allerdings kein Zweifel, dass Gott das tun könnte. Normalerweise sind Steine stumme Zeugen der Geschichte. Aber Gott ist ihr Schöpfer. Er könnte sie auch zum Reden bringen. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Und das wäre dann keine fantasy-Geschichte oder ein Grimmsches Märchen.
Späterhin ist mir dieser Satz immer wieder bei Menschen begegnet, denen ihr Christsein wichtig ist. Sie haben ihn wie einen unsichtbaren Schutzanzug mit sich herumgetragen. Und vielleicht kann diese Aussage unseres Herrn auch so etwas sein wie ein Schutzschild oder eine Rüstung.
Aber ich habe mich bei der Predigtarbeit gefragt, was wäre daran das Besondere? Was wäre der Effekt, den ich heute in der Predigt zum Knallen bringen müsste, wenn ich Euch davon erzähle, dass Gott auch Steine zum Reden bringen könnte!?
Wie gesagt: Ich bin davon überzeugt. Und ihr seid es vielleicht auch. Sprechende Steine wären nur ein weiteres Wunder in der langen Reihe von wunderbaren Taten, die unser Gott vollbracht hat. Wir könnten und wir dürfen sie alle bestaunen und ihm dafür danken. Keine Frage!
Und dann?

Ich glaube, es geht heute um noch etwas viel Besseres! Das eigentliche Wunder ist nicht die Möglichkeit, dass Gott Steine zum Reden bringen kann. Das eigentliche Wunder ist, dass Gott immer wieder Menschen dazu bringt, ihn zu loben mit lauter Stimme, mit Worten, mit Musik, mit Instrumenten und eben auch mit dem Quaken und Krähen und Schreien noch unmündiger Kinder.
Dieses Geschrei ist nichts, was wir uns nun, bitteschön, vornehmen müssen und pflichtschuldigst abarbeiten müssen, weil wir Christen sind. Nein!

Gott macht das in uns, dass uns der Mund aufgetan wird, und wir ihn loben.
Von den Jüngern damals heißt es, dass sie einfach so anfingen, „mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten“.

Liebe Gemeinde, diese drei Gedanken möchte ich euch heute mit auf den Weg geben:
1) Gott könnte Steine zum Reden bringen. Ohne Zweifel.
2) Aber viel wichtiger ist zweitens: Lasst uns auf seine wunderbaren Taten und Werke sehen. Mach deine Augen auf und entdecke die Taten Gottes in deinem Leben und im Leben anderer!
3) Gott ist es, der uns zum Reden bringt. Er bringt uns dazu, ihn mit Freuden zu loben mit lauter Stimme.
Amen.