4. Advent 19.12.2021 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

- Video zu diesem Sonntag -

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Predigt über Lukas 1,39-56
Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.
Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

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Liebe Gemeinde,
4. Advent. Vier Kerzen erhellen heute die Dunkelheit. Wir sind jetzt wenige Tage vor dem großen Fest. In einer Woche ist Weihnachten! Und auch wenn es im Moment ziemlich anstrengend ist: In knapp zwei Wochen werden die Tage langsam wieder länger und heller. Dann geht es wieder aufwärts. „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.“
Liebe Gemeinde, der 4. Sonntag im Advent ist nicht nur von der Vorfreude geprägt, sondern auch von der Erzählung wie Maria und Elisabeth, die beiden schwangeren Frauen, sich damals begegnet sind. Maria war die Jüngere und war wahrscheinlich auch diejenige, die noch nicht so weit war mit ihrer Schwangerschaft. Sie hatte sich auf die Reise gemacht, um ihre Verwandte, Elisabeth, zu besuchen.

Von diesem Besuch, von dieser Begegnung sind zwei Lobgesänge dieser beiden Frauen überliefert, die in den christlichen Kirchen hohe Bedeutung als Gebete bekommen haben: das Ave Maria, das zusammengesetzt ist aus dem Gruß des Erzengels Gabriel an Maria und aus dem Gruß der Elisabeth an Maria, und das Magnificat, das quasi die Antwort Marias an Elisabeth ist.
Mich hat bei der Predigtvorbereitung der Gedanke beschäftigt, dass Elisabeth und Maria ganz nah an der Stelle sind, wo der Umschwung von Altem zum Neuen Testament „passiert“. Vom Sohn der Elisabeth kann man sagen, dass er so etwas wie das Scharnier zwischen Altem und Neuem Testament ist: Johannes der Täufer. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes und gleichzeitig der Vorläufer des Neuen. Ich habe mich gefragt, ob das auch von den beiden Frauen gesagt werden kann. Sind sie an einer Scharnierstelle? Auf welcher Seite stehen sie? Kann man sie evtl. auch als Prophetinnen bezeichnen?
Beim genaueren Hinsehen wird dann deutlich, dass sie keine Prophetinnen sind. Das sind sie deshalb nicht, weil sie den Herrn und Heiland nicht in prophetischer Schau voraussagen. Es ist anders. Sie sind die ersten Zeuginnen des Neuen Bundes. Sie sind die ersten Zeuginnen des Herrn Jesus! Oder wenn ich etwas provokant sagen sollte: Sie sind die erste Jüngerinnen Jesu! Denn in ihren Lobgesängen sprechen sie keine prophetischen Visionen aus, sondern aus ihren poetischen Worten geht die Überzeugung hervor, dass der Herr da ist, dass er angekommen ist. Auch wenn das in diesem Moment noch eine Vorzeitigkeit ist und etwas sperrig ist, weil Johannes und Jesus noch nicht geboren waren zum Zeitpunkt ihrer Begegnung. Aber sie bezeugen mit ihren Worten den Herrn, der der Sohn Gottes ist, der in die Welt gekommen ist, um die Welt und die Menschen zu erlösen.
Deshalb sind die von ihnen überlieferten Lobgesänge auch so bedeutsam und haben den Stellenwert in den Kirchen, den sie haben!

Beim Lesen der Worte des Magnificat könnte man tatsächlich zuerst an eine Prophetie denken, weil das darin Gesagte ja scheinbar alles noch in der Zukunft liegt. Aber die Mutter Maria selbst belehrt uns eines Besseren, indem sie sagt: „Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.“
Der Herr handelt jetzt! Er erinnert sich jetzt daran, barmherzig zu sein! Er hilft seinem Volk jetzt!
Angekündigt hatte er das lange genug, seit den Zeiten des Erzvaters Abraham. Aber jetzt macht er es wahr!

Liebe Gemeinde, das sollt ihr heute an diesem 4. Advent mitnehmen: Die Vorfreude auf das Fest steigt. Hoffentlich auch bei euch. Hoffentlich muss sich niemand vor diesen Tagen fürchten. Der Herr hilft. Er hat uns nicht vergessen! Er will, dass es auch in deinem Herzen hell wird. Und er handelt schon jetzt! Die Zeit der Ankündigungen und Prophetien ist vorbei. Er ist schon auf der Bahn! Liebe Gemeinde, freue dich über Gott, deinen Heiland!
Amen.