20. Sonntag nach Trinitatis 17.10.2021 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Prediger Salomo 12,1-7
Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre nahen, da du wirst sagen: »Sie gefallen mir nicht«; ehe die Sonne und das Licht, der Mond und die Sterne finster werden und die Wolken wiederkommen nach dem Regen, - zur Zeit, wenn die Hüter des Hauses zittern und die Starken sich krümmen und müßig stehen die Müllerinnen, weil es so wenige geworden sind, wenn finster werden, die durch die Fenster sehen, wenn die Türen an der Gasse sich schließen, dass die Stimme der Mühle leise wird und sie sich hebt, wie wenn ein Vogel singt, und alle Töchter des Gesanges sich neigen; wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege, wenn der Mandelbaum blüht, und die Heuschrecke sich belädt, und die Kaper aufbricht; denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse; - ehe der silberne Strick zerreißt und die goldene Schale zerbricht und der Eimer zerschellt an der Quelle, und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt. Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

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Lieber Johannes, liebe Rebekka, liebe Gemeinde,
beim ersten Lesen dachte ich, das ist doch so gar nicht ein Predigttext für eine Konfirmation. Der Prediger Salomo zeichnet ein eher düsteres Bild. Er beschreibt in einer ganzen Reihe von – wie ich finde – sehr sprechenden Bildern wie das menschliche Leben im fortschreitenden Alter zunehmend mühsam und anstrengend wird. Ich vermute, dass die Älteren unter uns zumindest mit einem dieser Bilder auf Anhieb etwas anfangen können: Die Zeiten, „wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege“, kommen irgendwann. Und dann kann man das aus eigenem Erleben bestätigen.
Wie gesagt, da wird ein düsteres Bild gezeichnet. Je älter man wird, desto beschwerlicher kann das Leben werden. Die kindliche Unbekümmertheit und Unbeschwertheit gehen irgendwann verloren, und dann ist man mitten drin im sogenannten Ernst des Lebens.
Lieber Johannes, liebe Rebekka, ich weiß nicht, ob ihr das von den Erwachsenen schonmal gehört habt, wenn sie vom so genannten „Ernst des Lebens“ gesprochen haben. Meist kann man sich als Kind und Jugendlicher darunter nicht so viel vorstellen. Da will man ja viel lieber gern schnell groß sein!

Beim zweiten und dritten Lesen unseres Predigttextes
dachte ich dann so, vielleicht ist es doch nicht so ein ganz schlechter Text für eine Konfirmation. Denn immerhin werden wir ja angesprochen und aufgefordert, etwas zu tun, wenn und solange wir noch jung sind! Wir sind alle angesprochen, aber in besonderer Weise gilt das den Jüngeren unter uns: „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend!“

Diese Aufforderung ist eine ganz besondere. Und sie passt gut zu einer Konfirmation. Bei unserer kleinen Konfirmandenprüfung am 2. Oktober im Rahmen des letzten Unterrichts und am vergangenen Donnerstag, als wir uns hier in der Kirche auf die Konfirmation vorbereitet haben, da haben wir auch darüber gesprochen, was konfirmieren heißt. Konfirmieren heißt festmachen. Konfirmation heißt Befestigung, Befestigung im Glauben. Und zu dieser Befestigung im Glauben gehört auch, dass wir an unseren Schöpfer denken, dass wir uns an ihn erinnern, dass wir ihn zu einem festen Bestandteil unseres Lebens werden lassen.
Es ist ein ganz anderes Denken gemeint, als zum Beispiel an die Hausaufgaben zu denken. Wenn Mama fragt: „Hast du an die Hausaufgaben gedacht?“, dann kommt oft die Antwort „Ja!“ und im nächsten Moment sind sie schon wieder vergessen. Denn Hausaufgaben sind unangenehm und lästig. Die vergisst man lieber schnell wieder.
An Gott zu denken, ist keine lästige Hausaufgabe. Sondern an Gott zu denken, ist etwas, was uns hoffentlich bereits von Kindesbeinen an in Fleisch und Blut übergegangen ist. Je früher man das gelernt hat, desto selbstverständlicher ist es einem später im Leben. An Gott zu denken, ist keine lästige Hausaufgabe, sondern es ist die lebendige Verbindung zum Ursprung unseres Lebens. Und diese Verbindung ist von Dankbarkeit erfüllt. Denn Gott der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist es, der uns unser Leben geschenkt hat, auch euch, Johannes und Rebekka. Er möchte, dass ihr fröhlich aufwachst. Er möchte, dass ihr von Anfang an eine lebendige Verbindung zu ihm und das heißt einen festen Glauben an ihn habt. Er ist es letztendlich, der euch heute konfirmiert.

Denn – und das ist die Kehrseite dieser Aufforderung in unserem Predigttext – er, Gott, unser Schöpfer, denkt ständig und dauernd an uns, an euch! Er vergisst uns nicht, zu keiner Sekunde. Er hat größtes Interesse an uns. Für ihn sind wir seine geliebten Kinder seit unserer heiligen Taufe, die er gar nicht vergessen kann!
Das gilt auch und besonders und vor allem dann, wenn die bösen Tage und Jahre kommen, von denen du sagen wirst: »Sie gefallen mir nicht«.

Lieber Johannes, liebe Rebekka, liebe Gemeinde, lasst euch heute neu dazu einladen und auffordern, Gott euren Schöpfer nicht zu vergessen, denn er vergisst euch auch nicht!
Amen.