Pfingstsonntag 31.05.2020 von H.-J. Voigt

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Johannes 20, 19-23
Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!  Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.  Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.  Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!  Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Gliederung

1. Verschlossene Türen – Schuld verschließt
2. Der Auferstandene tritt ein – innerlich frei werden
3. Die Bevollmächtigung der Jünger – was ein Richter kann
Schluss: Der Heilige Geist schenkt Wahrheit

 

Einleitung: Liebe Gemeinde, zu diesem bekannten Predigtwort, dass eigentlich für den Pfingstmontag vorgesehen ist, möchte ich eine Parallelgeschichte erzählen.

1. Verschlossene Türen
Die Gardienen waren zugezogen, die Luft im Wohnzimmer abgestanden. Obwohl draußen die Sonne schien, wirkte alles im Zimmer düster. Frau Marlene Mildenberger saß am Tisch, die Kaffeetasse vor sich. Die Beerdigung ihres Mannes lag jetzt gerade 14 Tage zurück und noch immer kann sie es nicht fassen. Wieder und wieder entsteht das Bild vor ihrem geistigen Auge, wie die tonnenschweren Röhren vom LKW rutschen und ihren Mann erschlagen. Obwohl sie nicht dabei war, steht alles genau vor ihr. Die Worte des Polzisten, der ihre die Nachricht brachte, kann sie nicht vergessen: „Der Fahrer des LKW ist verantwortlich für die Sicherung des Transportgutes.“ Wer ist dieser Fahrer? Vergeben kann ich ihm das nie!, denkt sie und Wut und Zorn steigen immer wieder in ihr hoch. Nachts schläft sie deshalb schlecht.

Aus unserem Predigtwort: „Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden…“ 
Ich frage mich: Welche schlechten Gefühle verschließen die Türen meines Herzens? Wovor fürchte ich mich? Was kann ich nicht vergeben? Was macht diese fürchterliche Corona-Krise mit meiner Familie, mit meiner Gemeinde?

2. Der Auferstandene tritt ein
Es klingelt. Frau Mildenberger schreckt aus ihren düsteren Gedanken auf. Wer kommt denn jetzt? Bevor sie zur Tür geht, reißt sie hektisch die Gardienen auf und öffnet das Fenster. Sie spürt einen regelrechten Schwall an Licht und Luft, plötzlich die Sonne auf ihrem Gesicht. Dann öffnet sie die Tür und ist überrascht, ihre Chor-Freundin Karin zu sehen – beide haben lange im Alt nebeneinander gesungen. „Wollt nur mal kurz nach dir sehen. Passt es?“ „Ja, ja, komm rein! Ich stelle dir eine Tasse dazu und der Kaffee reicht für uns beide.“ Im Flur sagt die Freundin: „Die Pfingstrosen hat mein Mann für dich im Garten gepflückt. Hast du eine Vase? – Zuletzt haben wir uns auf der Beerdigung gesehen.“ Frau Mildenberger entgegnet: „Ach, ihr wart auch da? Es war alles so unwirklich für mich. Wie konnte das passieren? Dieser LKW-Fahrer, wie kann der mit dieser Schuld weiterleben?“ Karin entgegnet: „Du, das weißt du nicht, wie es ihm geht. Und es ist ja auch noch nicht geklärt, warum die Ladung ins Rutschen gekommen ist.“
Eine Kaffeekanne, zwei Stunden später, nach zaghaften Worten über Vergebung und die Auferstehungshoffnung verabschieden sich die Frauen. „Es hat mir so gutgetan, dass du gekommen bist, Karin!“

Aus unserem Predigtwort: „… kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!  Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
Jesus Christus tritt durch die verschlossenen Türen unserer Herzen. Der Auferstandene nimmt alle Furcht, vor Einsamkeit, vor Corona vor Veränderung. Friede sei mit euch!

3. Die Bevollmächtigung der Jünger
Den Tag der Gerichtsverhandlung hatte sie gefürchtet und zugleich herbeigesehnt. Heute war es so weit. Sie trug schwarz. Sollten sie doch sehen, wie es ihr geht! Sie hatte sich gewundert, wieso nur ein Verhandlungstag angesetzt war. Plötzlich war sie hellwach, als der Angeklagte leise, aber klar zu reden begann, wie ihm das Geschehen leidtue, dass er um Verzeihung bitte, soweit dies überhaupt möglich sei. Dann aber kam die überraschende Wendung als das Gutachten eines Sachverständigen verlesen wurde. Frau Mildenberger hört von „…zwei Materialfehlern im Trägersystem des Aufliegers…. so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto… Die Schuld könne man allenfalls beim Hersteller suchen… tragischer Unfall.“  Dann irgendwann später ergeht das Urteil des vorsitzenden Richters: „Im Namen des Volkes… Freispruch!“
Der Angeklagte verlässt den Gerichtssaal als freier Mann. Im Hinausgehen bleibt er bei Frau Mildenberger stehen und sagt: „Wenn Sie einverstanden sind, komme ich sie mal besuchen.“ Sie nickt und sieht ein Lächeln auf den Lippen des fremden Mannes.

Aus unserem Predigtabschnitt: „Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.  Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!  Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“
Den Freispruch kann nur ein Richter verkündigen, der eingesetzt ist, im Namen des Volkes zu sprechen. Jesus Christus setzt seine Apostel ein, den Freispruch Gottes zu verkünden und diese pflanzen diesen Dienst fort in der Ordination bis in unsere Tage. Dazu teilt Jesus den Aposteln den Heiligen Geist in besonderer Weise mit. Und so darf ich dir als ordinierter Diener Christi zusprechen: Im Namen, nicht des Volkes, sondern Jesu Christi: Freispruch! Freispruch für alle Schuld der vergangenen Woche! Freispruch für alle Last, die du trägst.

Schluss: In deiner Konfirmation wurde auch dir der Heilige Geist neu zugesprochen: „Nimm hin den Heiligen Geist…“, hieß es damals.  Der Heilige Geist wirkt deshalb in deinem Leben Erkenntnis und Wahrheit. Er wirkt heute,

O, komm du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.
Amen.