Epiphanias_06.01.2020 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Epheser 3,1-7
Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – ihr habt ja gehört von dem Auftrag der Gnade Gottes, die mir für euch gegeben wurde: Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich zuvor aufs Kürzeste geschrieben habe. Daran könnt ihr, wenn ihr’s lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbar ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben wurde.

Liebe Gemeinde,
in der begehrten DDR-Zeitschrift „Wochenpost“, die sich durch ihr Format, ihren Umfang und ihren Inhalt vom Rest der sozialistischen Einheitsmedien abhob und deshalb oft nur mit „Vitamin B“, sprich mit „Beziehungen“ oder als „Bückware“ zu haben war, konnte man im Anzeigenteil auch immer Erbengesuche lesen. Da wurden von verstorbenen Menschen die zugehörigen und rechtmäßigen Erben gesucht. Und manch einer der Leserinnen und Leser hat gehofft, dass er als bislang nichtsahnender Erbe gesucht wird und vielleicht auf diese Weise zu einem ganz ansehnlichen Erbe kommen würde.
(In Klammern: In diesem Zusammenhang habe ich von meinen Eltern gelernt, dass man ein Erbe auch ausschlagen kann.)
Ob es das überhaupt jemals gegeben hat, weiß ich nicht. Im Nachhinein könnte ich mir sogar vorstellen, dass das gestellte Fallen der Staatssicherheit waren, um Menschen in ihre Fänge zu locken. Aber egal!
Manch einer hofft vielleicht auch darauf oder wünscht es sich insgeheim: „Ach, wenn ich plötzlich, auf einmal einen Batzen Geld oder ein kleines Häuschen oder so etwas erben würde, von dem ich vorher nichts geahnt habe! Wie schön wäre das!“
Ums Erben geht es auch heute am Epiphaniasfest und wie man von seinem Erbe erfährt. Lasst uns das in drei Gedanken miteinander bedenken:

1) Die unbekannten Erben Gottes.
2) Die Benachrichtigung der Erben.
3) Die Kosten der Erbschaft.

1) Die unbekannten Erben Gottes. Gott hatte – um in dem eingangs gezeichneten Bild zu bleiben – durch den Apostel Paulus in Ephesus und in Kleinasien, einem Teil der heutigen Türkei, inserieren lassen, dass er Erben sucht. Das ist jedenfalls der Kern dessen, was der Apostel Paulus den Menschen, zu denen er gereist ist, sagen will, ja, sagen muss. Er macht seine Missionsreisen nicht zum Spaß, sondern weil er von seinem Herrn Jesus Christus dazu den Befehl erhalten hat. Er bezeichnet sich selbst als Gefangenen Jesu Christi für die Heiden. Ob er in diesem Moment tatsächlich im Gefängnis gesessen hat, ist hier nicht klar zu erkennen. Er ist gefangen von und für Jesus Christus, von ihm und für ihn eingenommen.
Er ist unterwegs, um bisher ungeahnte Erben Gottes zu suchen und ausfindig zu machen. Sein Testament hat er ja schon gemacht. Wir sprechen heute vom Alten und vom Neuen Testament. Es ist das Vermächtnis, dass Gott für uns aufgeschrieben hat, an das wir uns halten sollen.
Seit die Weisen aus dem Morgenland in Bethlehem gewesen waren und den neugeborenen König angebetet hatten, wächst bei uns die Erkenntnis, dass Gott seinen Sohn zur Rettung für alle Menschen in der ganzen Welt gesandt hat. Seine Erben sind mehr als nur das Volk Israel. Das steht in seinem Testament!
Dass das nicht bei allen Erben auf Begeisterung stößt, dass es so viele Miterben gibt, ist begreiflich. Vielleicht ist diese Eifersucht auch ein Grund für die Streitigkeiten zwischen den Christen und die leider immer noch bestehende Trennung zwischen Juden und Christen. Je mehr Erben es gibt, umso geringer wird der Anteil, den jeder Einzelne erbt. So ist das für gewöhnlich.
Bei Gott ist es anders. Da erbt jeder das ganze Erbe! Das gilt auch für alle bis heute noch unbekannten und von ihrem Erbe nichts ahnenden neuen Erben, die noch hinzukommen werden.
2) Die Benachrichtigung der Erben. Gott inseriert nicht nur in der Wochenpost oder in der LuKi, sondern er ist sehr breit aufgestellt bei seiner Erbensuche. Die, die zuerst den Auftrag zur Benachrichtigung der ungeahnten Erben haben, sind die Apostel und Propheten. Es bleibt nicht bei einer stummen Zeitungsannonce, die man lesen, überlesen oder ganz überblättern kann, sondern Gott setzt auf persönliche Ansprache. Er hat ein Heer von Vertretern angeheuert, das in seinem Namen auf Erbensuche ist.
Um etwas ernsthafter zu reden: Die Diener Gottes, die zum heiligen Predigtamt ordiniert sind und die in der Nachfolge seiner heiligen Apostel stehen, die haben in besonderer Weise den Auftrag, Gottes Suche in alle Welt hinauszuposaunen. Es ist keine persönliche Marotte oder Eitelkeit von ihnen, sondern sie handeln in Gottes Auftrag und unter seinem allerhöchsten Schutz!

Ich finde es erstaunlich, dass der Apostel Paulus schon die Propheten dazuzählt, obwohl doch der Missionsbefehl Jesu erst im Neuen Testament ausgesprochen wird. Es scheint also ein lang angelegter Plan Gottes zu sein, an wen er sein Erbe alles verteilt. Die Heiden – und damit sind, wenn ich es richtig verstehe, alle diejenigen gemeint, die nicht zum Volk Israel gehören – die Heiden zählen bei Gott von Anfang an mit.
Deshalb sendet Gott seit beinahe dreitausend Jahren seine Boten aus, um der Menschheit seinen Erbplan, sein Evangelium verkündigen zu lassen.

3) Und noch ein dritter Gedanke: Die Kosten der Erbschaft. Dabei denke ich in zwei Richtungen: Da ist zum einen die Erbensuche. So ein Unternehmen kostet ein Vermögen! Gott setzt sein ganzes Vermögen ein, um seine Erben ausfindig zu machen. Er opfert das Leben seines geliebten einzigen Sohnes Jesus Christus.
Das ist zum anderen das, was die Erben eventuell aufwenden müssen, um ihr Erbe anzutreten. Es gibt ja Erbfälle, in denen sind solche saftigen Gebühren fällig, dass man sich lieber überlegt, das Erbe auszuschlagen. Oder man erbt einen Haufen Schulden. So ein Erbe ist auch nicht gerade erstrebenswert.
Bei Gott ist das anders. Da kann uns so etwas nicht passieren. Weder erben wir Schulden noch fallen Gebühren an. Denn Gott gibt sein Erbe aus lauter Gnade und Barmherzigkeit. Das ist so genial einfach, dass viele irgendwo einen Haken wittern, weil sie so etwas noch nie erlebt haben und weil es so absolut unwahrscheinlich ist, dass ich von irgendwem zum Erben eines schönen Vermögens eingesetzt worden bin und von meinem Glück noch nichts weiß.
Gott hat alle Kosten übernommen und schenkt uns aus freien Stücken sein einmaliges und unteilbares und wunderbares Erbe: das ewige Leben.

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, wie die Epheser damals diese Botschaft des Apostels Paulus aufgenommen haben. Jedenfalls sind sie Erben des dreieinigen Gottes geworden. Sie sind uns zu Vorbildern im Annehmen dieses Erbes geworden. Aber sie haben uns nichts davon weggenommen. Auch wir kommen in den Genuss des vollen Erbes Gottes: Wir gehören mit zum Leib Christi und uns gilt seine Verheißung in gleicher Weise wie den Ephesern und allen anderen Menschen.
Amen.