2. Sonntag nach Epiphanias 19.01.2020 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Jer 14,1-9
Dies ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte über die große Dürre: Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt empor.
Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter. Selbst die Hirschkühe, die auf dem Felde werfen, verlassen die Jungen, weil kein Gras wächst. Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst.
Ach, Herr, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben. Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Liebe Gemeinde,
vermutlich haben wir alle in den letzten Wochen die erschreckenden Bilder von den Buschbränden in Australien gesehen und die scheinbar nicht enden wollenden Schreckensnachrichten über getötete Tiere und Menschen, verbrannte Ortschaften, Wälder und Felder gehört. Diese Brände haben ein größeres Ausmaß als in allen Jahren zuvor, seit Nachrichten darüber gesammelt werden. Die Befürchtung ist, dass diese Brände letztlich durch menschliches Verhalten, genauer, durch menschliches Fehlverhalten verursacht wurden. Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die diese Vermutung aussprechen, dass diese Brände eine Folge des durch Menschen verursachten Klimawandels seien.
Allerdings, Australien ist weit. Und wenn man keine persönlichen Beziehungen dorthin hat, dann sind die Bilder doch eher ein grausiges Schauspiel, das wir uns bei einem kühlen Bier zum Abendessen ansehen.

Vielleicht kommen uns die Worte des Propheten Jeremia deutlich näher, wenn wir an die langen Dürreperioden in den vergangenen beiden Sommern hier in unserem Land denken. Das war schon beängstigend! Der Regen blieb wochenlang aus. Die Wasservorräte in den Speichern gingen zur Neige. Das Getreide auf den Feldern vertrocknete, große Bäume in ehemals schattigen Wäldern starben ab, selbst die großen Flüsse trockneten soweit aus, dass der Schiffsverkehr unmöglich wurde und man zu Fuß hätte durchlaufen können.
Was der Prophet Jeremia hier schreibt, ist durchaus nicht aus der Luft gegriffen! Es ist allerdings auch nicht so ganz neu, so als würde die Erfahrung der Dürre und der Wasserknappheit erstmals auf der Welt vorkommen.
Ich will gern die Worte des Propheten mit euch zusammen genauer anschauen. Da fällt auf, dass es eine Überschrift gibt und zwei Teile oder Abschnitte.

Die Überschrift lautet: „Dies ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte über die große Dürre.“ Ich finde diese Überschrift wichtig, weil man jetzt ja erwarten könnte, dass Gott durch seinen Propheten etwas über die große Dürre sagen lässt. Es kommt auch etwas; aber es ist anders als erwartet. Es ist keine Erklärung der Dürre oder die Zusage von Hilfe und Rettung oder etwa auch die Ansage einer Strafe. Nein, es ist eine bloße Zustandsbeschreibung, beinahe so wie wenn wir vor dem Fernseher sitzen und uns über die Feuer in Australien oder das Wetter berichten lassen. Gott sagt dem Jeremia, was der ohnehin schon weiß und selber sieht, nämlich dass das Land unter extremer Trockenheit leidet und zwar Menschen, Tiere und die Erde selbst.

Auf diesen ersten Abschnitt folgt ein zweites Textstück, das sich deutlich von dem ersten abhebt. Da redet offenbar Gott nicht mehr, sondern da reden Menschen. Und sie reden Gott an: „Ach, Herr, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen!“
In diesem zweiten Textabschnitt steckt alles drin, was der Prophet Jeremia uns heute im Auftrag Gottes zu sagen hat. Es sind drei Gedanken, und die will ich kurz ansprechen:
1) Da ist erstens die Sündenerkenntnis. Die Menschen, die dort reden, begreifen angesichts der großen Dürre, dass das offenbar auf ihr Konto geht. Die große Dürre ist eine Folge ihrer Sünden. Und das bringen sie vor Gott zur Sprache. Sie haben eingesehen, dass sie von sich nicht mehr ablenken können, sondern die lebensbedrohlichen Zustände selbstverschuldet sind. Da kann am Ende nur noch Gott helfen. Alle menschliche Hilfe ist vergebens, ist nutzlos, ist hilflos. „Unsere Sünden verklagen uns bei Gott. Unser Ungehorsam gegenüber Gott und seinen Geboten ist groß. Ach, Herr, hilf doch, um deines Namens willen!“
Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der Sünde von uns Menschen und unserem Wohlergehen, mehr noch: zwischen Sünde und Leben, zwischen Sünde und Überleben! Unser Handeln hat Folgen. Es bleibt nicht folgenlos!
Gott bestraft die Sünde, indem er uns spüren lässt, wie viel wir zu unserem Leben beitragen können, nämlich gar nichts.
Eigentlich muss man noch anders formulieren: Die Sünde, der Mensch, der Sünde tut, bestraft sich selbst, weil er seine Lebensgrundlagen zerstört. Und dann kommt es zu einer solchen Zustandsbeschreibung wie wir sie im ersten Teil unseres Predigttextes haben.

2) Der zweite Gedanke des zweiten Textteils: Da ist die Anerkenntnis, dass Gott der einzig wahre Helfer ist. „Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer!“ „Hilf uns, um deines Namens willen!“ Seit dem Neuen Testament kennen wir den Namen, um dessentwillen wir Gott um Hilfe anflehen: Jesus! Retter!
Zur Sündenerkenntnis gehört dann auch das Eingeständnis, dass wir uns nicht selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen können. Gott muss uns helfen. Er muss uns retten! Weil er der Trost Israels, der Retter und Nothelfer ist!
Um im Bild zu bleiben: Er muss es regnen lassen. Wir können keinen Regen machen. Nur er kann machen, dass seine von ihm geschaffene Erde wieder fruchtbar und grün wird.

3) Und noch der dritte Gedanke des zweiten Textteils: Am Ende steht da die flehentliche Bitte zu Gott, dass er uns helfen und erretten möge! Wir sind doch seine Kinder. Wir tragen seinen Namen. Er kann uns doch nicht elend umkommen lassen!
Von Martin Luther ist ein Diktum überliefert, dass man Gott mit seinen Gebetsanliegen in den Ohren liegen müsse, heißt, dass wir nicht nachlassen sollen, ihn zu bitten und zu betteln und anzuflehen, damit er uns hilft.
Dass schon allein das sehr anstrengend sein kann, wissen die meisten von uns wahrscheinlich schon. Wie oft sind wir beim Beten müde geworden! Wie oft sprechen wir ein bekanntes Gebet gedankenlos mit, weil es Kraft kostet, jedesmal mit ganzem Herzen und Verstand dabei zu sein!
Wer wirklich in Lebensgefahr des Leibes und der Seele ist, der wird hoffentlich nicht aufhören, Gott in den Ohren zu liegen!

Liebe Gemeinde, kehren wir noch einmal zur eingangs genannten Überschrift zurück: Da hieß es: „Dies ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte über die große Dürre.“
Wenn Du jetzt eben gedacht hast: „Es liegt alles daran, dass ich Gott um Hilfe anflehen muss. Und was ist, wenn mir das nicht gelingt? Wenn ich das nicht schaffe?“ Dann ist das vielleicht eine Entlastung: Diese Überschrift steht über dem ganzen Predigttext! Auch die Worte des zweiten Textteils, die wir miteinander angeschaut haben, sind am Ende Gottes Worte. Er legt uns die richtigen Worte in den Mund, mit denen wir ihn bitten sollen.
Er kann aus Wasser Wein machen und genauso kann er es regnen lassen und genauso wird er dich aus deiner Not retten.
Amen.