1. Sonntag nach Epiphanias 12.01.2020 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Mt 3,13-17
[Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu. Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.]

Liebe Gemeinde,
wer Stimmen hört, der ist abergläubisch oder ist nicht mehr ganz richtig im Kopf – so jedenfalls ist die landläufige Meinung. Ob es tatsächlich zu einem Krankheitsbild gehört oder einfach eine Alterserscheinung ist, dass man einerseits Stimmen hört, die andere nicht hören, und andererseits Vieles nicht mehr richtig hört, lassen wir mal dahingestellt sein.
In der Geschichte von der Taufe Jesu wird davon berichtet, dass eine Stimme vom Himmel herab etwas gesprochen hat. Das muss für die, die es miterlebt bzw. mitgehört haben, höchst seltsam gewesen sein! Sie hörten eine Stimme, aber sie sahen den Sprecher nicht. Sie hatten etwas gesehen und beobachtet, und plötzlich geschieht etwas, was auf dieses Geschehen Bezug nimmt, was sie aber nicht sehen können: die Stimme, die aus dem Himmel sprach.
Überhaupt ist diese Geschichte höchst seltsam: Jesus kommt ungefähr 30 Jahre nach seiner Geburt aus Galiläa zu Johannes an den Jordan. Dort will er sich taufen lassen – so wie seine Zeitgenossen, die die Bußpredigt des Johannes gehört hatten. Johannes der Täufer, der in diesem Moment vielleicht der Einzige ist, der wirklich weiß, wen er da vor sich hat, versteht die Welt nicht mehr. Der, dessen einzigartige Mission er vorbereitet hat, kommt zu ihm und unterwirft sich demselben Bußritual wie alle anderen auch. Seltsam ist auch, warum Jesus es Johannes auf dessen Frage hin nicht erklärt. Stattdessen redet er schwer verständliche Worte vom Erfüllen der Gerechtigkeit. Und dann – wie schon gesagt – dieses eigenartige Erlebnis mit der Stimme aus dem Himmel.

Aber diese Geschichte hat einen sehr gewichtigen Inhalt. Und den will ich in drei Gedanken ansprechen:
1) Jesus ist wahrer Mensch.
2) Jesus ist wahrer Gott.
3) Gott bestätigt das Weihnachtsgeschehen.

1) Jesus ist wahrer Mensch.
In Jesus Christus vereinen sich menschliche und göttliche Natur. Das ist ein dogmatischer, abstrakter Glaubenssatz. Wir bekennen ihn. Wir glauben ihn. Aber in der Regel bleibt er abstrakt, unverständlich, fremd. Was das wirklich bedeutet, kann man wohl nur schwer erklären und noch schwerer verstehen.
Die Geschichte von der Taufe Jesu will uns helfen, dieses Geheimnis unseres Gottes ein bisschen besser zu verstehen.
Der Herr kam mit seinen Jüngern an den Jordan zu Johannes dem Täufer, genauso wie viele andere in dieser Zeit auch. Er ist sich nicht zu schade, in die braune Brühe des Jordan zu treten und sich von Johannes untertauchen zu lassen. Das Jordanwasser ist an dieser Stelle nicht mehr klar wie an der Quelle, weil es schon eine ganze Strecke geflossen ist und jede Menge Sand und Erde aus Palästina mit sich führt. Und dabei ist es aber kein breiter Strom wie der Rhein oder die Elbe, sondern eher ein kümmerliches Flüsschen – im Sommer und Herbst noch mehr als sonst.
Jesus begibt sich mitten unter die Menschen, die dort alle hingekommen sind und macht dasselbe, was sie alle machen: Er lässt sich von Johannes taufen. Es ist keine christliche Taufe wie wir sie kennen, sondern eher eine Symbolhandlung. Diejenigen, die auf die Predigt des Johannes gehört haben, wollen ihre Sünden abwaschen und von ihren bösen Wegen umkehren.
Spätestens hier fängt es an zu knirschen, denn Johannes weiß, wer Jesus ist. Und wir wissen genauso wie Johannes, wer Jesus ist, nämlich der Sohn Gottes, der ohne Sünde ist. Er hat es eigentlich gar nicht nötig, an dieser Symbolhandlung im braunen Wasser des Jordan teilzunehmen. Aber er tut es, weil er ein Mensch ist wie du und ich.

2) Unser zweiter Gedanke: Jesus ist wahrer Gott.
Johannes hat es damals sofort gesehen und erkannt, wer da zu ihm gekommen ist. Deshalb unterbricht er seine Taufhandlung und will die Rollen tauschen. Jesus soll ihn taufen. Er versteht nicht, warum Jesus darauf besteht, an seiner, an der Taufe des Johannes teilzunehmen.
Aber Jesus sagt seinen Satz in göttlicher Autorität: „Lass es jetzt geschehen!“ Er schneidet dem Johannes weitere Fragen ab. Er gebietet es ihm einfach und Johannes gehorcht. Jesus begründet sein göttliches Gebot mit dem geheimnisvollen Hinweis auf das Erfüllen der Gerechtigkeit: „Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“
Was ist damit gemeint? Hat Johannes verstanden, was Jesus ihm damit sagen wollte? Haben wir es verstanden? Können wir das überhaupt verstehen?
Ob ich diesen Satz verstehen kann, ob wir ihn in seiner ganzen Tragweite verstehen können, weiß ich nicht.
Jesus redet davon, dass es ihm und Johannes gebührt, heißt also: dass es ihre Aufgabe ist, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Wer hat ihnen diese Aufgabe gegeben? Welche und wessen Gerechtigkeit ist gemeint?
Aus dem Gesamtzusammenhang muss man sagen, dass der Auftrag von Gott kommt und dass es um Gottes Gerechtigkeit geht. Jesus Christus ist auf die Welt gekommen, um hier Gottes Gerechtigkeit durchzusetzen, sie der Gerechtigkeit der Welt entgegenzusetzen, um den Willen, den Heilswillen seines Vaters zu erfüllen.
Die Gerechtigkeit Gottes ist sein guter und gnädiger Will für uns Menschen. Es ist auch sein Mitleiden und sein Erbarmen für uns Menschen. Die Gerechtigkeit Gottes hat das Ziel, uns Menschen ins ewige Leben, zurück zu Gott zu holen.
Jesus erfüllt den Willen seines himmlischen Vaters. Und er tut dies, indem er Mensch wurde, obwohl er zugleich Gott ist.

3) Und noch ein dritter Gedanke: Gott bestätigt das Weihnachtsgeschehen.
Jetzt geht es um die eigenartige Stimme, die bei der Taufe Jesu aus dem Himmel sprach.
Das, was wir eben im zweiten Gedanken miteinander überlegt haben, ist alles ganz schön und gut und dogmatisch vielleicht sogar einigermaßen richtig. Aber es wäre sinnlos gewesen, wenn Gott uns nicht erklärt und gesagt hätte, was sein Wille für uns ist und wie er ihn umsetzen will.
Die Stimme, die bei der Taufe Jesu aus dem Himmel gesprochen hat, ist natürlich die Stimme Gottes gewesen. Er hat für alle, die es gehört haben, erklärt, wer der ist, der dort gerade im Jordan getauft wurde.
Nach dem Jesus ungefähr dreißig Jahre zuvor in Bethlehem geboren worden war, und den Hirten und den Weisen aus dem Morgenland bekannt gemacht worden war, erklärt Gott selbst jetzt endlich, wer das zu Weihnachten geborene Kind ist. Bis dahin hatten sich die Menschen auf Weissagungen, Engel und den Stern verlassen müssen. Jetzt endlich hatte Gott selbst
gesprochen und erklärt, wer Jesus ist, nämlich der Christus, der so lang erwartete Messias.

Liebe Gemeinde, das dürfen wir heute aus diesem Gottesdienst mitnehmen, nicht nur, dass die Taufe Jesu sozusagen das Urbild für unsere heute geübte Taufe ist, sondern dass unser Gott spricht und wir keinen stummen Götzen anbeten, dass unser Gott uns erklärt und bestätigt und bekräftigt, was er für uns getan hat und noch tut, und dass wir ihn verstehen können, so wie Johannes und die Jünger ihn damals verstanden haben, als die Stimme aus dem Himmel sprach: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“
Amen.