4. Advent_22.12.2019 von H.-J. Voigt

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

Predigt über 1. Korinther 1, 18-22
18 Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich.19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern das Ja war in ihm. 20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. 21 Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat 22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Einleitung: Die Einladung
1. Vom Zaudern – Ja und Nein in unseren Entscheidungen V 18
2. Vom Handeln – Gott erfüllt seine Verheißungen V 19-20
3. Bei uns angekommen – verbindlich zugesagt V 21-22
Schluss

Liebe Gemeinde!
Anfang dieses Jahres erhielt ich eine Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands zu einer Konferenz von Bischöfen. Ich zaudere, die Einladung anzunehmen. In mir ist ein Ja und ein Nein. Soll ich kommen? Wieviel Arbeit bleibt zu Hause liegen? Es vergehen Tage des Zauderns. Was geht da eigentlich in mir vor bei solch einer Entscheidung? Eitelkeit spielt eine Rolle: Ich bin wichtig! Sie haben mich eingeladen! Da kann ich sie doch nicht enttäuschen! Befürchtungen und Ängste auf der anderen Seite: Wen werde ich enttäuschen, wenn ich wieder eine Woche nicht da bin? Wieviel Arbeit bleibt liegen? Ich bin dieses Jahr nicht in Riga gewesen.
Gewiss kennst du solche Situationen auch: Ja und Nein, soll ich oder soll ich nicht. Wem helfe ich und wen enttäusche ich? Ja und Nein zum Beispiel beim Weihnachtseinkauf: Ich nehme den Gegenstand aus dem Regal und lege ihn in den Einkaufskorb. Dann denke ich: „Viel zu teuer! Ich werde für verrückt erklärt, wenn ich kaufe?“ Ich lege den Gegenstand zurück. Dann denke ich: „Du verpasst eine einmalige Gelegenheit!“ und ich stehe wieder vor dem Regal.

1. Vom Zaudern – Ja und Nein in unseren Entscheidungen (V 18):
Dem Apostel Paulus wird in der Gemeinde Korinth vorgeworfen, ein Zauderer zu sein. Er hatte den Gemeindegliedern in seinem ersten Brief seine Reisepläne erläutert: „Bei euch aber werde ich, wenn möglich, eine Weile bleiben oder auch den Winter zubringen, damit ihr mich dann dahin geleitet, wohin ich ziehen werde.“ (1Kor 16,6). Der Apostel musste aber seine Reisepläne ändern und schließlich wurde auch aus den geänderten Reiseplänen nichts. Nun waren die Gemeindeglieder in Korinth sauer. Sie dachten etwa so: „Wenn er seine Versprechen nicht halten kann, vielleicht ist ja auch seine Verkündigung, das Evangelium von Jesus Christus, nicht wahr?“ Ach, wie ich mit dem Apostel Paulus fühlen kann. Da kommt etwas dazwischen, so dass man seine Zusage nicht halten kann und gleich wird die Grundsatzfrage gestellt. Paulus wehrt sich: „Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich.“ Damit will St. Paulus ausdrücken, dass trotz geänderter Reisepläne doch unbedingt auf die Treue Gottes Verlass ist.

2. Vom Handeln – Gott erfüllt seine Verheißungen (V 19-20):
Liebe Gemeinde, der Liedermacher Reinhard Mey, dessen Lieder ich immer wieder gern höre, hat das Lied von Doktor Berenthal geschrieben, das beginnt so: „Weißt du noch, wie wir als Kinder in dem alten Bunker rumgegeistert sind?
Weil es verboten war und unheimlich und gruslig in dem dunklen Labyrinth. | Und weißt du, wie ich mir die Stirn an einem Eisenträger aufgeschlagen hab, | Dass ich zu Boden ging und erst mal eine Weile keinen Ton mehr von mir gab.
Und ich kauerte versteinert auf den kalten Treppenstufen
Und du bist ins Dorf gerannt, um Doktor Berenthal zu rufen.
Scharf und stechend kam der Schmerz, ich fing an, wie am Spieß zu schrein, | Um mich wurde alles rot und ich blutete wie ein Schwein |
Und dann kamst du keuchen wieder und sahst mich und all das Blut:
„Hey, Doktor Berenthal kommt und alles ist gut!“
„Doktor Berenthal kommt und alles ist gut!“ – das ist eine Adventsgeschichte. Da kommt einer zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort.
Wir Christen singen in diesen Tagen: „Jesus Christus kommt und alles ist gut!“ Paulus schreibt der Gemeinde in Korinth: „Denn auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre.“ Gott zögert nicht, seine „Reisepläne“, die er von langer Hand geplant hat, umzusetzen. Da ist kein Zaudern und kein Zögern „Jesus Christus kommt und alles ist gut!“ Jahrhunderte voraus lässt Gott die Propheten ankündigen: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben…“ und „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel“ und „Du Bethlehem Efrata…“ und Bileam kündigt an: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt; ich schaue ihn, aber nicht von nahem. Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen…“ Das ist nur eine kleine Auswahl der von langer Hand Jahrhunderte zuvor gemachen Reisepläne Gottes, um uns aus den „Bunkern“ unserer Zeit, in denen wir uns die Stirnen blutig schlagen, herauszuholen. „Hey, Jesus Christus kommt und alles ist gut!“ Denn: „in Jesus Christus das Ja.
3. Bei uns angekommen – verbindlich zugesagt (V 21-22):
Liebe Gemeinde, die Frage stellt sich nun für uns, wie diese Hilfe in unserem Leben ankommt. Paulus schreibt: „Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.“ Das sind Worte, die in der Taufliturgie der ersten Christengemeinden vorkamen „gesalbt“ und „versiegelt“. Reinhard Mey singt in seinem Lied weiter: „Ich seh noch heute, wie die große vertraute Gestalt am Bunkereingang steht, | Wie sie vor mir auf der Treppe kniet und meine Stirn mit sieben Stichen näht. | Ich weiß noch, wie das Jod in meiner Wunde brannte und ich weiß noch wie es roch…. [Er]Brachte mich zu meinen Eltern mit dem schaurigen Verband, | Besänftigte ihr Entsetzen und er dämpfte ihre Wut. | Doktor Berenthal kommt und alles ist gut.“ In Christus sind wir „gesalbt“ mit dem „Jod“, das alle Sünde wegnimmt. In Christus sind wir „versiegelt“, so zu sagen mit sieben Stichen auf unsere Wunden, damit alles heilen kann. „Jesus Christus kommt und alles ist gut!
Dazu steht Gott. So wie er seine Reisepläne in Christus erfüllt hat, so hat er sein Heil auch in dein mein Leben verbindlich und rechtskräftig gegeben – in deiner Taufe.
In diesen Tagen gehen wieder viele daran, ihre nächste Sommerurlaubsreise zu buchen. Das läuft normalerweise so ab, dass man eine Anzahlung macht und damit wird der Vertrag rechtskräftig. Es ist erstaunlich, dass es solche Regelungen auch schon in der Antike gab. St. Paulus verwendet hier solch einen Begriff: ἀρραβών ist der Fachbegriff für die Anzahlung, die den Vertrag unwiderruflich macht. „Unterpfand“ übersetzt Luther. Der Heilige Geist ist ἀρραβών, das Unterpfand, die Anzahlung,

Schluss: Was wird nun aus dem Zaudern und aller Unentschlossenheit aus dem ewigen Ja und Nein in meinem und deinem Leben?  
Ein christlicher Unternehmensführer rät folgendes: Klugheit statt Unentschlossenheit – eine Liste mit Gründen dafür und dagegen hilft, die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Tapferkeit statt Zaudern: entscheide mutig im Wissen, dass wir in allem was wir tun niemals vollkommen sein werden.
Demut statt Eitelkeit: Du musst nicht die Welt retten und es allen Menschen recht machen. Das hat ein anderer getan.
Jesus Christus kommt und alles ist gut!

Amen.