Reminiscere_17.03.2019 G. Heyn

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

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Predigt über Joh 3,14-21
Jesus sprach zu Nikodemus: Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Liebe Gemeinde,
im Schutz der Dunkelheit der Nacht musste sich Nikodemus zu Jesus schleichen, um mit ihm reden zu können. Er gehörte zur religiösen Führungselite des Volkes Israel. Seinen Besuch bei Jesus leitet er mit der Erklärung ein: Meister, wir wissen, dass du von Gott gesandt bist; denn nur jemand, der von Gott kommt, kann solche Zeichen tun wie du.
Es ist abenteuerlich das zu hören! Da kommt einer von der gegnerischen Seite und gesteht, dass sie bei den Pharisäern genau wissen, wen sie da vor sich haben, und dass es völlig widersinnig und falsch ist, gegen diesen Jesus von Nazareth zu sein. Aber sie können nicht aus ihrer Haut. Sie sind zu ihrer Rolle verdammt. Sie können es vor sich selbst nicht zulassen und sich nicht eingestehen, dass sie sich eigentlich dem höheren Willen Gottes beugen müssten!

Liebe Gemeinde, wie bekannt sind uns solche, tief in uns verborgenen Gefühlsregungen!? Der selbstgerechte Stolz des Frommen, der immer alles richtig gemacht hat und nun doch erkennen muss, wie sehr er auf die Hilfe und Gnade Gottes angewiesen ist?
Vielleicht sind das nicht unsere alltäglichen Gedanken!? Und vielleicht betrifft das auch nicht jeden von uns. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber wenn das Leben plötzlich in Gefahr gerät, wenn alles ins Rutschen kommt, wenn alle sicher geglaubten Sicherheiten ins Wanken geraten – Und das kann es geben in einem menschlichen Leben! – dann kann es sein, dass man an so einen Punkt kommt, wo man sich bei Nacht zu Jesus schleichen muss und eingestehen muss: Du bist ein Lehrer von Gott gesandt!

Und dann hält Jesus dem Nikodemus eine Predigt, die einzigartig ist! Die Klarheit und Schärfe, mit der er hier in wenigen Worten seinen Heilsplan für uns Menschen erklärt, ist geradezu bestechend! Worüber sich Theologen jahrhundertelang den Kopf zerbrochen haben und weswegen Konfessionen und Staaten in Krieg geraten sind, erklärt der Herr in großer Klarheit. Wenn ich es mit eigenen Worten wiedergeben sollte, dann würde ich fünf Punkte benennen:
1) Erstens: Jesus Christus musste ans Kreuz geschlagen werden nach dem Vorbild der ehernen Schlange, die Mose in der Wüste aufgerichtet hatte, damit die Israeliten, die diese eiserne Schlange ansahen, am Leben blieben. Denn wer an den Gekreuzigten glaubt, der hat das ewige Leben.
2) Zweitens: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er sein Liebstes, sein eigenes Kind hat töten lassen, – Er hat zugelassen, dass Menschen seinen Sohn töten! – damit die Welt, damit wir vom Tod gerettet werden und leben können!
3) Drittens: Wer nicht an Jesus Christus glaubt – und das verstehe ich hier so: Wer nicht an ihn glauben will! – der wird nicht gerettet. Der hat sich damit schon selbst das Todesurteil ausgesprochen. – Wenn man sich das mal in dieser Schärfe klarmacht: Das ist doch schrecklich!
4) Viertens: Das Gericht Gottes über die Welt, über uns ist ein seltsames: Gott, das Licht selbst, die ungeschaffene Sonne kommt zu uns, in unser Leben, in unsere Welt und will die Finsternis aus unseren Herzen vertreiben, und wir lieben die Finsternis mehr als das Licht! Wir sind beinahe wie Nikodemus: Wir gehören zur gegnerischen Seite. Wir wissen, dass es widersinnig und falsch ist, sich gegen das Licht, gegen Gott aufzulehnen. Aber wir können nicht aus unserer Haut.
5) Fünftens: Jesus Christus, der das Licht in unserer Welt und in unserem Leben ist, überwindet trotz unseres Widerstandes, unseres In-uns-selbst-Gefangenseins die bösen Werke der Finsternis und macht, dass wir zum Guten fähig werden. Wenn irgendwo irgendein Mensch etwas Gutes tut, dann ist das von Gott bewirkt.

Liebe Gemeinde, lasst euch heute neu vom göttlichen Licht unseres Herrn erleuchten – nicht nur äußerlich bescheinen, wie wenn man unter einer Straßenlaterne steht, sondern lasst das Licht Gottes in eure Herzen scheinen! Lasst euch von Gott verändern und in den Dienst nehmen! Damit wir am Ende zu ihm, ins Licht kommen.
Amen.