Pfingstsonntag_09.06.2019 von G. Heyn

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

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Predigt über Joh 14,23-27
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich zu euch gesagt habe. Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Liebe Gemeinde,
in meinem Notfallseelsorge-Rucksack, den ich auf dem Rücken habe, wenn ich mit der Feuerwehr zu einem Einsatz fahre, ist auch ein Teddy drin. Er ist ungefähr 30 cm groß, hat zwei große Knopfaugen und ein ganz wunderschön weiches Fell. Die Deutsche Teddystiftung macht es möglich, dass wir solche Teddys zur Verfügung haben und im Ernstfall herausholen können – in der Regel dann, wenn ich am Einsatzort ein Kind antreffe, dass getröstet werden muss, wenn ein Kind etwas zum Festhalten, zum Kuscheln, zum Drücken, zum Liebhaben braucht, weil die Mama nicht da ist oder ihr Kind nicht trösten kann. Dann kommt dieser Teddy zum Einsatz: zum Trösten. Er ist manchmal der passende Tröster in der Not. Er schweigt – vielleicht genauso wie das Kind –, und er kann Trost spenden durch seine bloße Anwesenheit.
Der Herr Christus spricht heute auch von einem Tröster. Er nennt ihn den Heiligen Geist. Er sagt von diesem Heiligen Geist, dass ihn der himmlische Vater senden wird zum Trost für die Menschen. Seit der Himmelfahrt Jesu sind wir nun ganz und gar darauf angewiesen, an einen Gott zu glauben, den wir nicht sehen, und auf unseren Herrn zu vertrauen, der nicht mehr als Mensch auf unserer Erde lebt.
Jesus redet vom Tröster, vom Heiligen Geist. Allerdings sagt er in diesem Zusammenhang sehr merkwürdige Sachen zu seinen Jüngern. Und die will ich kurz, in drei Gedanken ansprechen.
1) Da ist zuerst diese kategorische Aussage: „Wer mich liebt, der wird…“
2) Und dann kommt ein Hinweis auf die Zukunft.
3) Und als drittes die Zusage des göttlichen Friedens.

1) Unser erster Gedanke: diese kategorische Aussage: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht.“
Das klingt ziemlich hart, finde ich, schroff und sehr entschieden. Es gibt nur entweder – oder. Und es klingt vor allem nach sehr berechnender Liebe: Wenn du mich liebhast, dann habe ich dich auch lieb.
Aber Gott hat nicht nur die Menschen lieb, die sein Wort halten und ihn liebhaben. Denn: Wen könnte er dann wirklich lieben? Wir wissen doch, wie oft wir ihn vergessen, wie oft wir gegen seine Gebote verstoßen, wir oft wir zuerst an uns denken und uns selbst am liebsten haben!
Ich befürchte, da sind wir auf schwierigem Gelände. Ehrlicherweise müssten wir uns und Gott gegenüber eingestehen, dass unsere Liebe zu ihm immer nur eine gebrochene Liebe ist, eine die immer wieder gekittet werden muss, eine, die allzu oft auf unserer Seite kaputtgeht.
Gott sei Dank, macht Gott seine Liebe zu uns nicht davon abhängig, wie sehr wir ihn lieben, treu und bedingungslos und unerschütterlich. Sondern er liebt uns auch dann, wenn wir schwach werden und vergessen, ihn liebzuhaben.
Der kategorische Satz ist keine gegenseitige Liebesaufrechnung, sondern eine Feststellung.
Und weil zu dieser Feststellung eben die Erkenntnis gehört, dass wir immer in der Gefahr stehen, da zu scheitern, kommt jetzt der zweite Gedanke der Predigt:

2) Der Hinweis auf die Zukunft. Solange Jesus bei seinen Jüngern gegenwärtig war, solange er in Menschengestalt bei ihnen war, hat er sie das Wort Gottes gelehrt und ihnen immer wieder geholfen, dem Wort Gottes gemäß zu leben. Jetzt ist er nicht mehr unter uns auf dieser Erde. Dafür sendet er den Heiligen Geist, den Tröster. Und er sendet ihn immer erneut: zu jedem Pfingstfest, bei jeder Taufe, bei jeder Konfirmation, bei jeder Abendmahlsfeier.
Der Heilige Geist hat die Aufgabe, uns über den „Verlust“ unseres Herrn Jesus Christus hinwegzutrösten. Und er hat die Aufgabe, uns alles zu lehren, was wir als Christen über unseren Gott und unseren Glauben wissen müssen. In geheimnisvoller Weise erfüllt der Heilige Geist unsere Herzen und pflanzt den Glauben in uns, dieses feste Vertrauen darauf, dass wir keinem Hirngespinst nachlaufen, sondern dass unser Gott lebt und herrscht und die Macht hat über alles, und dass wir in seiner Hand geborgen sind.

3) Das führt uns noch zu unserm dritten Gedanken: die Zusage des göttlichen Friedens. Man könnte jetzt eine Umfrage starten und fragen: Wie würdest du es beschreiben, dass du in Gottes Händen geborgen bist, dass du dich bei ihm zuhause und geborgen fühlst, dass du den Trost des Heiligen Geistes in deinem Herzen spürst!? Ich vermute, unsere Antworten würden sehr unterschiedlich ausfallen, und gleichzeitig würden sich wahrscheinlich viele Antworten ähneln: Ich meine das Stichwort „Frieden“. Ich habe das jedenfalls schon von vielen Menschen gehört, dass sie das von ihrem Erleben der Gegenwart Gottes berichten: „Ich bin im Frieden – im Frieden mit Gott, im Frieden mit meinen Mitmenschen, im Frieden mit mir selbst.“ Oder: „Ich habe den Frieden Gottes gespürt. Er hat mich berührt und zufrieden gemacht, auch wenn ich vielleicht gerade in ganz unzufriedenen oder friedlosen Verhältnissen war oder bin.“ Und manch einer, der diesen Frieden Gottes noch nicht hat, der wünscht ihn sich aber sehnlichst! Dann lasst euch heute sagen: Unser Herr und Heiland Jesus Christus beschenkt euch mit seinem Frieden. Er lässt uns im Frieden. Er will Frieden für uns. Er macht Frieden mit uns. Er schenkt Frieden, wo wir keinen Frieden zustandekriegen.
Das gehört nämlich auch zu Pfingsten, dass wir uns den Frieden Gottes schenken lassen und über die Friedlosigkeit unseres Lebens und unserer Welt nicht zu sehr erschrecken und deswegen vielleicht sogar vom Glauben abfallen. Der Friede Gottes ist ein ganz anderer Frieden als weltlicher Frieden, etwa ein Friedensschluss, der mit Waffengewalt erzwungen worden ist. Der Friede Gottes beschenkt uns ganz außerordentlich reich mit Trost, und zwar mit dem einen Trost, der wirklich tröstet.

Liebe Gemeinde, in meinem Notfallseelsorge-Rucksack ist auch ein Teddy drin. Er kommt zum Einsatz, wenn ein Kind getröstet werden muss.
Der Heilige Geist, der Tröster, den der Vater uns senden wird und auch heute wieder zu senden wird, ist so etwas wie dieser Teddy in meinem Rucksack. Aber er ist viel mehr als ein Stoff-Teddy. Er ist der lebendige Gott selbst, der zu uns kommt und uns in die Arme nimmt, wenn wir Trost brauchen.
Amen.