Aschermittwoch_06.03.2019 von G. Heyn

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

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PPredigt über Mt 26,6-9
Als nun Jesus in Bethanien war im Hause Simons des Aussätzigen, trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit kostbarem Salböl und goss es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß. Als das die Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: „Wozu diese Vergeudung? Es hätte teuer verkauft werden und das Geld den Armen gegeben werden können.“

Liebe Gemeinde,
in diesem Jahr wollen wir in unseren Passionsandachten „scheinbar unwichtige Gegenstände genauer unter die Lupe“ nehmen, von denen in der Passionsgeschichte unseres Herrn und Heilands berichtet wird bzw. die darin vorkommen.

Zu diesen scheinbar unwichtigen Gegenständen gehört die Glasampulle mit dem kostbaren Salböl, mit welchem die Frau Jesus das Haupt salbt. In allen vier Evangelien wird diese Begebenheit berichtet. Und aus dem Gesamtzusammenhang geht hervor, dass die Frau den kompletten Inhalt des kleinen Glasgefäßes zum Salben verwendet. Normalerweise verwendet man nur eine kleine Menge, etwa das, was man mit einem Finger aufnehmen kann. Das Salböl war damals und ist auch heute etwas Kostbares, weil es aus besonderen Bestandteilen hergestellt wird, die selten und teuer sind. Zu Recht hatten damals also diejenigen, die das miterlebt hatten – die Jünger, an anderer Stelle ist auch von den Pharisäern die Rede – , darin eine Verschwendung gesehen.

Ich will heute ein paar kurze Gedanken weitergeben, die mit diesem scheinbar unbedeutenden Gegenstand zusammenhängen und die uns heute, am Aschermittwoch, am Beginn der diesjährigen Fasten- und Passionszeit hilfreich sein können.
Warum wird diese kleine Glasampulle erwähnt? Warum wird die Salbung in Bethanien erwähnt?
Es gibt mehrere Antworten darauf. Die Frau hat die kleine Glasflasche, in der das Salböl gewesen ist, zerbrochen – so wird im Markusevangelium berichtet.

Die Salbung in Bethanien ist ein Hinweis auf das später stattfindende Begräbnis Jesu des Leichnams Jesu, nachdem er vom Kreuz abgenommen wurde. Es ist also eine weitere Leidensankündigung, Ankündigung seines Todes. Ob die Jünger das richtig verstanden haben in diesem Moment? Wir wissen es nicht.
Die kleine zerbrochene Glasflasche ist ein Hinweis auf das Zerbrechen des Leibes Jesu im Tod am Kreuz. Dass einer, nämlich der Sohn Gottes, sein Leben hingeben musste, damit es für die gesamte Menschheit zum Heil wird, das ist vergleichbar mit dem Zerbrechen der Flasche, damit das gesamte Öl auf das Haupt Jesu fließen konnte.
Die kleine Glasflasche mit dem Salböl im Hause Simons des Aussätzigen ist ein Hinweis darauf, dass Jesus die Arznei ist, das Medikament, die Medizin, das Heilmittel für unsere Krankheiten, für unsere Gebrechen, für unser Aussätzigsein, für unsere Sünde, die uns zu Aussätzigen macht, solche die von Gott getrennt sind. Jesus heilt diesen Aussatz, so wie er Simon geheilt hat, so wie dieses Salböl zeichenhaft die Heilung, die durch Jesus geschieht, deutlich macht.
Die kleine zerbrochene Glasflasche kann auch ein  Hinweis darauf sein, dass etwas Altes, Hergebrachtes zerbrochen und zerstört werden muss, damit etwas Neues hervorkommen kann: So wie der irdische Leib Jesu zerbrochen werden musste, damit er zum neuen Leben auferstehen konnte, so muss unser Leib zerbrochen werden, sterben, damit wir zum neuen Leben bei Gott auferstehen können.
Am Anfang der diesjährigen Fastenzeit sollen und wollen wir uns in das Leiden Jesu vertiefen und uns unter das Kreuz Christi beugen, um zu begreifen und zu verstehen, warum Gott diesen Weg für uns gegangen ist.
Damit das gelingt, muss in uns etwas zerbrochen werden, nämlich der immer wieder aufkeimende Gedanke, dass wir selbst dazu irgendetwas beitragen könnten, um bei Gott gut dastehen zu können.

Liebe Gemeinde, die kleine zerbrochene Glasflasche bei der Salbung von Bethanien mag ein unbedeutendes Detail der Passionsgeschichte unseres Herrn sein. Die Geschichte würde auch ohne sie „funktionieren“. Aber das Schöne ist, dass es bei Gott auch auf die kleinen, unbedeutenden Details ankommt. Umso mehr achtet Gott auf jeden einzelnen von uns: seine geliebten Kinder. Für uns ist er den Weg hinauf nach Jerusalem gegangen. Deshalb lasst uns ihn auf diesem Weg auch in diesem Jahr begleiten.
Amen.