Neujahr 01.01.2019 von G. Heyn

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

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Predigt über Jos 1,1-9
Nachdem Mose, der Knecht des Herrn, gestorben war, sprach der Herr zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener: Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten gebe. Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe. Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein. Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe. Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, auf dass du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst. Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten. Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Liebe Gemeinde,
natürlich hätte ich an die Predigt von Pastor Otto von gestern Abend anknüpfen können und heute eine Predigt über die Jahreslosung für das Jahr 2019 halten können. Wir haben heute morgen bei einem Gottesdienst in der Feuerwache 1 am Weidendamm von Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann etwas über diesen Satz gehört, der uns durch das Jahr 2019 begleiten soll: „Suche Frieden und jage ihm nach!“
Ich habe mich anders entschieden und will unter uns den Abschnitt aus dem Buch Josua zur Sprache bringen, den ich eben vorgelesen habe.
Da geht es um das Erbe, das Josua antreten soll nach dem Tod des Mose. Josua soll zu Ende bringen, was Mose in Gottes Auftrag begonnen hatte. Er soll das Volk Israel in ein neues, noch unbekanntes Land, in eine neue Zeit führen.
Uns geht es vermutlich am Anfang eines neuen Jahres so ähnlich wie dem Josua und dem Volk Gottes damals: Wir wissen nicht, was vor uns liegt. Wir wissen nicht, was uns erwartet, was von uns verlangt oder abverlangt wird. Wir wissen nicht, wie sich unser Leben gestalten wird. Man kann sich absichern, man kann gewisse Dinge planen und berechnen. Man kann Manches vielleicht vorhersehen. Aber was dann tatsächlich kommt, und welchen Herausforderungen wir uns zu stellen haben, das liegt noch im Dunkel vor uns. Und das ist ja vielleicht auch ganz gut so. Denn wie wäre es, wenn wir alles schon wüssten, was auf uns zukommt? Bei den schönen Dingen könnte man sich vielleicht schon drauf freuen. Aber wie ist das mit den unschönen, traurigen, schrecklichen und furchtbaren Sachen? Wie würden, wie müssten wir uns verhalten, wenn wir das alles schon wüssten?

Wie gesagt, das verbindet uns mit Josua und dem Volk Israel damals. Und das ist wohl auch der Vergleichspunkt, warum uns diese Erbgeschichte des Josua heute zur Predigt aufgetragen ist.
Es ist ja bis hin zum letzten Vers, den ich vorgelesen habe, wörtliche Rede Gottes. Josua braucht nur zuzuhören. Denn Gott hat ihm Entscheidendes zu sagen. Und das sagt er dreimal: „Sei getrost und unverzagt!“
Gott weiß um die Gemütsverfassung des Josua angesichts der vor ihm liegenden Aufgaben und der Verantwortung, die er jetzt gerade von Mose geerbt hat. Und deshalb spricht er ihm Trost und Mut zu.

Und auch wenn wir nicht Josua sind, dürfen wir uns den Trost und den Mut Gottes für das neue Jahr zusprechen lassen. Lasst uns diese dreimalige Aufforderung nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Denn Gott ergänzt sie jedesmal mit einer speziellen Aussage.

1) Beim ersten Mal heißt es: „Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe.“ Die Aufgabe der Landverteilung ist speziell und allein an Josua gerichtet. Das betrifft uns nicht. Aber im letzten Teil des Satzes erinnert Gott den Josua und sich selbst und auch uns daran, dass er uns ein Versprechen gegeben hat: den Israeliten damals das Land Kanaan; uns bei unserer heiligen Taufe, dass wir seine Kinder sein und bleiben werden – egal, was passiert. Und dieses Versprechen Gottes gilt! Darauf können wir uns verlassen!

2) Beim zweiten Mal heißt es: „Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat.“ Gott fordert Josua dazu auf, bei dem zu bleiben, was ihm Mose im Gesetz Gottes geboten hat; er fordert uns auf, bei dem zu bleiben, was er uns durch seine heiligen Apostel und Propheten hat sagen und verkündigen lassen. Dieses Beharren auf dem Wort Gottes ist eine Garantie für seinen Trost. Es wird uns helfen, alle unbekannten und unsicheren Wege auch im neuen Jahr sicher zu beschreiten.

3) Beim dritten Mal heißt es: „Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.“
Die Frage klingt beinahe ein bisschen befremdlich, weil sie mit erhobenem Zeigefinger gestellt zu sein scheint. So als könnte Josua inzwischen vergessen haben, was Gott ihm gerade eben schon zweimal zugesprochen hatte: „Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt?“
Ich glaube nicht, dass das mit erhobenem Zeigefinger gesagt ist, sondern Gott will Josua und uns noch einmal in seinem Trost bestärken, indem er nun nämlich fortsetzt, dass er selbst bei Josua ist; dass er selbst bei uns ist! Es ist nicht nur der Hinweis auf Gottes Zusagen und Versprechen. Es ist nicht nur der Hinweis auf das Festhalten an seinem Wort und an seinen Geboten, sondern er weist uns auf seine heilige Gegenwart und Nähe hin, mit der wir zu jeder Zeit unseres Lebens rechnen sollen und dürfen.
Wie sich Gottes Gegenwart für den Josua gezeigt hat, weiß ich nicht. Für uns wird sie sichtbar und spürbar und erlebbar, wenn er zu uns redet durch sein heiliges Wort – hier im Gottesdienst, oder wenn wir sonst sein Wort hören, lesen und unser tägliches Brot sein lassen. Gottes Gegenwart wird für uns auch sichtbar und wirkmächtig, wenn er uns als Gäste an seinen Tisch ruft, und wir seinen Leib und sein Blut empfangen.

Liebe Gemeinde, sei nur ganz getrost und unverzagt im Blick auf das neue Jahr 2019. Gott wird mit dir sein, wie er es versprochen hat. Suche seinen Frieden und jage ihm nach. Dann braucht dir vor dem Unbekannten und Ungewissen des neuen Jahres nicht bange zu sein. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht: „denn der Herr, dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.“
Amen.