Ewigkeitssonntag_24.11.2019 von G. Heyn

Die Predigt      :
Der Gottesdienst :

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Predigt über Mt 25,1-13
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Das Himmelreich gleicht zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und für euch nicht genug sein; geht aber zu den Händlern und kauft für euch selbst. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Liebe Gemeinde,
eine Hochzeit ist etwas ganz Besonderes. Sie wird lange und intensiv vorbereitet. Das Brautpaar ist Wochen und Monate vorher damit beschäftigt, die einzelnen Bestandteile, den Ablauf und die verschiedenen Stationen dieses Festes minutiös zu planen. Bei manchen ist das wirklich ein Riesenspektakel.
Zuweilen kann man auch Kritik daran hören, wie aufwendig Hochzeiten heute gefeiert werden. Aber das war früher nicht anders. Sicher spielte damals wie heute der Geldbeutel eine entscheidende Rolle. Und mancher Brautvater hat mehr als den Preis für einen Kleinwagen investiert. Das ist keine große Kunst.
Man kann sich auch fragen, warum manche Menschen ihre Hochzeit zu solch einem – Neudeutsch gesprochen – Event machen, wo sie doch keine Mühe damit haben, auch ein zweites, drittes, viertes Mal zu heiraten – je nachdem wie’s passt!?
Warum wir heutzutage vielleicht den Eindruck haben, dass Hochzeiten oft eine Spur zu übertrieben gefeiert werden, mag daran liegen, dass man sich täglich mit Hochzeitsshows unterschiedlicher Qualität im Fernsehen berieseln lassen kann. Dafür, dass die Zahl der Eheschließungen stetig zurückgeht, hat diese Art von Sendungen eine erstaunliche Konjunktur.
Aber es bleibt dabei: Eine Hochzeit ist etwas ganz Besonderes.
Das wusste auch der Herr Christus, und deshalb verwendet er eine Hochzeit als Bild oder Vergleich dafür, was er den Jüngern und was er uns sagen will: „Das Himmelreich gleicht zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.“
Das Himmelreich ist etwas so Besonderes wie wenn zwei Menschen heiraten. Es ist etwas Einmaliges. Und eine Hochzeit ist in der Regel auch etwas Öffentliches. Es geht darum, dass alle es hören und mitkriegen. Insofern ist der öffentlichkeitswirksame Rummel und Aufwand durchaus zu verstehen.

Aber so schön eine Hochzeit auch ist und wie schöne Vorstellungen, Wünsche und Erinnerungen der Vergleich Jesu einer Hochzeit mit dem Himmelreich auch bei uns auslösen mag: Hier in unserem Predigttext, bei Matthäus wird eher ein unschönes Bild gemalt. Nicht nur, dass sie alle einschliefen, weil sie solange auf das Fest warten mussten. Nein, sie waren auch nicht alle richtig vorbereitet. Fünf der zehn Jungfrauen hatten nicht genug Öl für ihre Lampen mitgenommen. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass es lange dauern könnte, bis der Bräutigam kommt. Und dann kam das Schlimmste: Weil sie ihre Vorräte auffüllen mussten, kamen sie zu spät und wurden nicht mehr eingelassen. Der Bräutigam selbst sogar hatte ihnen mitgeteilt, dass er sie nicht einmal kennt!
An genau dieser Stelle bricht der Vergleich abrupt ab. Aber man kann sich vielleicht vorstellen, wie es den fünf ausgeschlossenen Jungfrauen gegangen sein muss. Es wird hier nicht berichtet, aber ich stelle mir die Fassungslosigkeit und das Entsetzen vor, das Nicht-Wahrhaben-Wollen und das Erschrecken darüber, dass sie einen entscheidenden Fehler gemacht haben. Wie konnten sie nur so töricht sein und nicht richtig vorbereitet sein! Diese Hochzeit sollte das größte Erlebnis ihres Lebens werden!

Spätestens hier merken wir, dass der Vergleich nicht alle Aspekte anspricht, oder wie wir manchmal auch sagen, dass er hinkt. Natürlich ist eine fremde Hochzeit für geladene Gäste und Brautjungfern nicht das größte Ereignis ihres Lebens. Und wieso warten eigentlich die Jungfrauen auf den Bräutigam? Normalerweise wartet doch der Bräutigam auf die Braut!? Und vor allem ist die ganze Zeit von der wichtigsten Person überhaupt nicht die Rede: von der Braut! Nach der würde man doch normalerweise zuerst fragen! Richtig: normalerweise.

Aber diese Hochzeit, von der hier und heute die Rede ist, ist eben keine normale Hochzeit. Jesus verwendet das Bild von der Hochzeit, genauer gesagt das Bild von den zehn Jungfrauen, damit wir verstehen, was er uns über das Himmelreich sagen will. Und da sind zwei Sachen, die wir aus diesem Vergleich mitnehmen sollen: vorbereitet sein und wachsam sein.

1) Es gibt viele Situationen im Leben, auf die kann man sich nicht vorbereiten, die muss man sozusagen aus dem Stand heraus bewältigen. Aber auf Manches kann man sich vorbereiten – wie auf eine Hochzeit zum Beispiel. Auf das Himmelreich, auf die Ewigkeit können wir uns auch vorbereiten – ein Leben lang. Gott schenkt uns die Zeit unseres Lebens, in der wir genug Öl für unsere Lampen kaufen können, damit wir vorbereitet sind, wenn er kommt. Denn wir wissen nicht, wann er kommt. Wir wissen nicht, wann unser Leben zu Ende ist. Wir können nicht kalkulieren, wann unser Ölvorrat ausreichend ist. Deshalb sollte er regelmäßig aufgefüllt werden. Der Gottesdienst ist der Ort, an dem du deinen geistlichen Ölvorrat auffüllen kannst. Deshalb ist es so wichtig, nicht nur alle Jubeljahre mal in die Kirche zu gehen, denn es besteht die Gefahr, dass dein Ölvorrat dann einen gefährlichen Tiefstand hat und du nicht vorbereitet bist.

2) Und noch das Andere: wachsam sein. Das ist vielleicht fast noch die schwerere Forderung unseres Herrn: wachsam zu sein. Permanent wach zu sein, das geht gar nicht. Jeder von uns braucht Zeiten der Ruhe und des Schlafes, um neue Kräfte zu sammeln.
Aber, ich glaube, das ist gar nicht gemeint, dass wir permanent wach sein sollen. Sondern der Herr fordert uns auf, wachsam zu sein! Das ist ein bisschen was anderes. Wachsam sein heißt, Augen und Ohren offenzuhalten und auf die Zeichen der Zeit zu achten. In unserem Fall bedeutet es, Augen und Ohren offenzuhalten und auf die Zeichen zu achten, die auf die Wiederkunft unseres Herrn hindeuten. Denn er hat gesagt, dass sich seine Ankunft ankündigt durch bestimmte Zeichen.
Die Wachsamkeit, die der Herr von uns fordert, ist ganz auf ihn ausgerichtet. Er meint keine Wachsamkeit, die den anderen neben uns überwacht und ausspioniert. Das denken ja auch manche, dass es Wachsamkeit wäre, wenn man den Nachbarn anzeigt, weil er wieder auf dem Fußweg geparkt hat.

Liebe Gemeinde, das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, das wir so gut kennen und das auch in der kirchlichen Kunst immer wieder dargestellt ist, weist uns auf das Himmelreich unseres Herrn, auf die Ewigkeit hin: Darauf müssen wir uns vorbereiten. Darauf sollen wir wachsam warten. Und: Es gibt ein Zuspät. Und weil das so ist, schärft der Herr uns diesen Satz ein: „Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“
Diese Aufforderung ist sehr streng, und man kann sie auch nicht irgendwie weichspülen. Aber wir können etwas dafür tun, um zu den klugen Jungfrauen zu gehören.
Dass wir überhaupt zu dieser Hochzeit eingeladen sind, das geht allein auf den Bräutigam, unseren Herrn und Heiland zurück.
Amen.