7. Sonntag_nach_Trinitatis_04.08.2019 von G. Heyn

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

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Predigt über Joh 6,30-35
Das Volk sprach zu Jesus: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das wahre Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Liebe Gemeinde,
wenn man Hunger hat, muss etwas essen, wenn man Durst hat, muss man etwas trinken. Das ist eine Binsenweisheit, die jeder von uns kennt.
Jesus redet hier in Johannes 6 in seiner sog. „Brotrede“ auch von Hunger und Durst. Seine Zuhörer damals haben vor allem nach Vorbildern und Vergleichen in der Geschichte Israels gesucht, um ihn zu verstehen. Wie geht es uns heute? Welche Parallelen suchen wir in unseren Gedanken, um den Herrn zu verstehen? Denn seine Aussagen sind ja durchaus mehrschichtig und sind durchaus auch doppeldeutig. Meint er nun tatsächlich das Gefühl, wenn uns der Magen knurrt und die Kehle brennt? Meint er Brot, das der Bäcker gebacken hat? Und was ist das Brot Gottes? Und warum genügt eigentlich das Brot, das er anpreist, um nicht nur den Hunger, sondern auch den Durst zu löschen?

Lasst uns in drei kurzen Überlegungen in diesen Abschnitt aus der „Brotrede“ Jesu eintauchen:
1) Da ist zuerst die Erinnerung der Zuhörer an die Wüstenwanderung.
2) Dann ist da als zweites die Bitte der Zuhörer.
3) Und 3. die Antwort des Herrn.

1) Da ist zuerst die Erinnerung der Zuhörer an die Wüstenwanderung.
Nicht lange vor dem Gespräch Jesu mit seinen Zuhörern über das Brot des Lebens, das heute unser Predigttext ist, hatte die Speisung der 5000 stattgefunden. Die Menschen waren beeindruckt von diesem Speisungswunder und hatten nun ein berechtigtes Interesse, in der Nähe dieses besonderen Mannes zu bleiben, der so etwas tun konnte. Deshalb hatten sie ihn gesucht und schließlich auch gefunden – auf der anderen Seite des Sees Genezareth. Inzwischen war ihnen so langsam auch die Erkenntnis gekommen, dass dieser Jesus, der das Speisungswunder vollbracht hatte, ein ganz besonderer sein müsste. Es kommt zu einem Dialog zwischen ihnen und Jesus, dessen letzten Rest wir am Anfang des Predigttextes gehört haben. Die Menschen wollen von Jesus ein Zeichen sehen, einen Beweis haben, er soll ein Werk tun, damit sie ihm glauben.
In diesem Zusammenhang erinnern sie sich und Jesus an die Wüstenwanderung des Volkes Israel, die hunderte Jahre zurückliegt. In dieser Zeit hatte Gott sein Volk auf wunderbare Weise am Leben erhalten, indem er jeden Morgen Nahrung vom Himmel fallen ließ, das so genannte Manna.
Allerdings – und das ist offenbar der Schwachpunkt in der „Erinnerung“ der Zuhörer Jesu – war es nicht Mose der das Volk mit dem Manna gespeist hatte, sondern Gott.
Jesus bringt Ordnung in die „Erinnerung“ der Zuhörer und klärt sie auf. Das Manna war nicht von Mose. Und das wahre Brot vom Himmel gibt sowieso der himmlische Vater.
Fast unmerklich wechselt Jesus von der Vergangenheitsform, in der die Erinnerung an die Wüstenwanderung „gespielt“ hatte, in die Gegenwart.
Das Brot Gottes kommt auch noch heute vom Himmel und gibt der Welt das Leben, sagt Jesus. Es ist also auf jeden Fall viel mehr als das Brot vom Bäcker.

2) Die Bitte der Zuhörer.
Die Zuhörer Jesu haben aufmerksam verfolgt, was er gesagt hat. Und immerhin: Etwas davon müssen sie schon verstanden haben, denn sie bitten ihn: „Herr, gib uns allezeit solches Brot.“
Ob sie einfach an eine gesicherte Verpflegung für die gesamte Lebenszeit gedacht haben oder noch anderes im Sinn hatten, wissen wir nicht.
Auf jeden Fall deutet sich hier ja schon an, dass es sowohl um das eine wie um das andere geht. Die Bitte der Zuhörer an Jesus spiegelt sich im heiligen Vaterunser, wo wir beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
Das naheliegendste ist natürlich erstmal, an die tägliche Nahrung zu denken. Eine gesicherte Verpflegungssituation ist ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres Lebens.
Was es bedeutet, wenn das nicht gesichert ist, können Menschen, die keinen wirklichen Hunger erlebt haben, wohl nicht ermessen.
Deshalb wird die Bitte um unsere tägliche Nahrung von Jesus auch nicht vom Tisch gewischt. Sondern gehört dazu. Sie ist Bestandteil unseres Gebets zu Gott, und ebenso ist die Erfüllung dieser Bitte Bestandteil der Gebetserhörung Gottes.
Als Menschen, die an Gott glauben, die mit seiner Existenz rechnen, die von Gott alles Gute erwarten, steckt in unserer Bitte aber noch mehr als nur die Bitte um tägliche Nahrung: Wenn das Brot Gottes, das vom Himmel kommt, der Welt das Leben gibt, wie Jesus gesagt hat, dann ist das ein besonderes Brot, eins das nicht hart wird oder schimmelt, eins, das mehr ist als nur zum Stillen des leiblichen Hungers.

3) Und deshalb noch 3. – die Antwort des Herrn.
Die Antwort, die Jesus gibt, hebelt nun endgültig die Erinnerung der Zuhörer an das Manna in der Wüste aus. Jesus wird in seiner Antwort völlig abstrakt und realitätsfern. Jedenfalls hört es sich so an. Wie kann ein Mensch Brot sein? Und was meint er mit „Brot des Lebens“? Und ist das nicht eine geradezu überhebliche und herausfordernde Behauptung zu sagen: „Ich bin das Brot des Lebens!?“
Herausfordernd ist diese Behauptung. Keine Frage! Sie fordert nämlich unseren Glauben heraus. Jesus fordert uns dazu auf und dazu heraus, ihm auf ganzer Breite zu vertrauen. Er wird unser irdisches Leben erhalten, so wie wir ihn darum bitten, und er wird unseren geistlichen Menschen ernähren, so wie wir es brauchen.
Denn das ist sein eigentliches Anliegen, das er seinen Zuhörern nahebringen will: Gott selbst ist das Brot, das jeden Hunger stillt – den leiblichen und den geistlichen. Und dieses Brot kommt zu uns in seinem Sohn Jesus Christus auf geheimnisvolle Weise verborgen in, mit und unter Brot und Wein.
Das Brot des Lebens, von dem Jesus redet und das er selbst ist, stillt allen Hunger und Durst des Leibes und der Seele.

Liebe Gemeinde, die „Brotrede“ Jesu im 6. Kapitel des Johannesevangeliums redet vom heiligen Abendmahl. Es ist mit Händen zu greifen, ohne dass diese Worte ausgesprochen werden. Jesus hat am Gründonnerstag bei der Einsetzung des heiligen Abendmahls gesagt: „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, nehmet hin und trinket, das ist mein Blut.“ Er hat diese Worte mit Brot und Wein verbunden. Und er hat uns befohlen, sein Mahl in genau dieser Weise immer wieder zu feiern, damit sich sein Satz auch heute erfüllt: „Ich bin das Brot des Lebens.“
Amen.