2. Sonntag_nach_Trinitatis_30.06.2019 von G. Heyn

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Predigt über Jesaja 55,1-5
Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des Herrn willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

Liebe Gemeinde,
in diesen heißen Sommertagen kann man es öfter erleben, dass die Getränkeregale im Supermarkt leer sind, leergekauft von durstigen Menschen! Da kann dann auch schonmal das passieren, was mir vorgestern passiert ist: Ich wollte eine Flasche Sprite
kaufen, um mir zu Hause ein selbstgemachtes Radler zu mixen. Beim Griff ins Regal dachte ich noch: Irgendwie sieht die Flasche ein bisschen anders aus als sonst. Aber ich beachtete diesen gedanklichen Einwand nicht weiter, sondern ging zur Kasse, bezahlte und freute mich auf mein Radler, denn ich hatte Durst.
Zu Hause bemerkte ich dann meinen Irrtum. Die Sprite war ohne Zucker. Deshalb sah auch das Etikett ein bisschen anders aus. Das Radler schmeckte grässlich. Der erhoffte Genuss war dahin.

Der Prophet Jesaja lädt uns heute ein: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!“ Aber es ist nicht der Prophet, sondern Gott selbst, der diese Einladung ausspricht.
Durstig sind oder werden wir alle. Das liegt nicht am Sommer, sondern daran dass wir Menschen sind. Unser Körper braucht Wasser als Überlebensmittel, sonst ist das Leben schnell zu Ende. Wasser ist für uns nötiger als Nahrung. Vielleicht wird man bei großen körperlichen Belastungen schneller durstig, im Sommer bei Hitze oder beim Sport. Aber grundsätzlich kommt dieses Bedürfnis, den Durst löschen zu wollen, immer auf.
Gott ist ein guter Marketingmanager. Er weiß, dass wir durstig sind oder werden. Deshalb kann er sicher sein, dass seine Werbung nicht ungehört verhallen wird. Da lädt jemand die ein, die durstig sind, und zwar an eine Quelle, an der es köstliches Wasser gibt.
Wer schon mal bei einer Wanderung im Gebirge an eine Quelle gekommen ist und daraus getrunken hat, der kann sich das gut vorstellen. Da braucht man kein Wasser mit Geschmack – ob mit oder ohne Zucker. Das frische Wasser aus so einer Quelle ist einfach köstlich. Und zu allem Überfluss ist es – zumindest hier bei uns in Deutschland – auch kostenlos. Umsonst. Gratis.
Dasselbe sagt Gott hier auch vom Essen. Er nennt besonders Wein, Milch und Brot. Die Grundnahrungsmittel gibt es bei Gott umsonst. Kostenlos. Gratis.
Schön, könnte man jetzt denken, damit sollten sich doch die Hungerprobleme auf dieser Welt lösen lassen!

Wenn wir jetzt weiter auf die Worte Gottes schauen, die der Prophet aufgeschrieben hat, dann lesen wir dort Folgendes: „Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!“
Gott scheint gerade darum zu betteln, dass wir doch seine Werbung bitte hören und ihr folgen möchten! Hat er es denn so nötig? Verkauft er nichts von seinem Superangebot? Irgendeinen Haken muss es doch geben!
Und tatsächlich, den gibt es auch. Würden wir diese Sätze den hungernden Kindern im Bürgerkriegsland Jemen vorlesen, wäre ihnen damit kein Stück geholfen. Von schönen Worten wird niemand satt.
Nach dieser Aufforderung „Höret, so werdet ihr leben!“, wird es plötzlich schwer verständlich, was Gott sagt. Er redet von den Gnaden Davids. Er redet von den Völkern, die zu dem einen, zu seinem Volk kommen werden. Und er redet davon, dass die Völker wegen ihm, wegen Gott selbst kommen werden. Und vielleicht wegen seiner Werbung mit dem kostenlosen Trinken und Essen?
Ja, genau deswegen. Gott meint schon das, was er sagt. Nur, hier, an dieser Stelle, meint er das wohl im übertragenen Sinne. Er redet vom ewigen Leben, das er uns schenken will. Kostenlos. Umsonst. Gratis. Und dieses Geschenk hat er für alle Menschen bereit. Dieses Geschenk gilt auch den Menschen in den Kriegs- und Hungergebieten dieser Welt. Es gilt auch und vor allem den Menschen, deren irdisches Leben hier gerade zu Ende geht und die darüber vielleicht entsetzt, fassungslos und traurig sind.

Liebe Gemeinde, wir können mit unserem heutigen Predigttext aus Jesaja 55 nicht den Durst und Hunger dieser Welt bekämpfen. Es wird weiter Menschen geben, die verdursten und verhungern, obwohl es dieses wunderbare Angebot unseres Gottes gibt. Und wir werden diese unerträgliche Spannung aushalten müssen. Warum Gott sie nicht auflöst und warum unschuldige Menschen leiden müssen, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass Gott in der Lage ist, jeden zu retten, der ihn darum bittet.
Und deshalb lasst uns ihn heute um seine Hilfe für die bitten, die physisch und geistlich durstig sind und hungern. Und lasst uns seiner Einladung folgen und sein köstliches Wasser und Wein und Milch und Brot umsonst annehmen und empfangen, hier an seinem Tisch im heiligen Abendmahl. Umsonst. Gratis.
Amen.