1. Sonntag_nach_Trinitatis_23.06.2019 von G. Heyn

Die Predigt     :
Der Gottesdienst:

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Predigt über Joh 5,39-47
Jesus sprach zu den Juden: Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen an; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?

Meint nicht, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; der euch verklagt, ist Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Liebe Gemeinde,
manchmal denken wir ja, jetzt beginnen die etwas langweiligen und gleichförmigen Sonntage der Trinitatiszeit. Da weiß man nicht so recht, was denn eigentlich der thematische Schwerpunkt ist. Typisch Sommerloch eben! Und weil wir das denken, wird die sogenannte festlose Hälfte des Kirchenjahres mit immer neuen anderen Festen gefüllt und zugekleistert, damit bloß ja keine Pause von Festen und Feiern entsteht. Denn was sollten wir in dieser Pause machen? Das wäre doch langweilig!
Nach der Vorbereitung auf den heutigen Gottesdienst und insbesondere der Lektüre unseres Predigtabschnittes kann ich das nicht bestätigen, dass es jetzt, in der sog. Trinitatiszeit, irgendwie langweilig würde.
Die Rede Jesu, die im Johannesevangelium überliefert ist, ist eine einzige große Anklage, ein einziger großer Vorwurf, den Jesus hier seinen Zuhörern entgegenschleudert. Und er ist schwer zu ertragen! Da steht nichts von Vergebung, vom Evangelium des Friedens, von der Rettung des Sünders, von der Rechtfertigung, oder was wir sonst vielleicht an frommen Wünschen und Erwartungen haben. Ganz im Gegenteil: Jesus endet mit dieser zweifelnden – und man möchte fast schon sagen – resignierenden Frage: „Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“
Es geht um das Wort Gottes. Es geht um das Wort Gottes, das Mose aufgeschrieben hat. Es geht um das Wort Gottes, das in den fünf Büchern Mose überliefert ist. Es geht ganz allgemein um das schriftlich überlieferte Wort Gottes – und da dürfen wir dann an unsere ganze Bibel Alten und Neuen Testaments denken.
Der Herr Christus fragt seine Zuhörer: „Wenn ihr aber den Schriften des Mose nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“
Vielleicht kommen wir aus dieser resignierenden und irgendwie niedergeschlagenen Haltung heraus, indem wir uns klarmachen, was Jesus uns mit seiner vorwurfsvollen Anklagerede gegen die Juden sagen will. Es ist kurz gesagt die Aufforderung, dem aufgeschriebenen Wort Gottes zu glauben – genauso wie dem mündlich gesprochenen.
Ich will auf drei besondere Hinweise kurz eingehen, die Jesus hier anspricht:

1) Wort Gottes und ewiges Leben.
„Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“
Das aufgeschriebene Wort Gottes ist seit mehr als 2500 Jahren der wichtigste Wissenschaftsinhalt und Forschungsgegenstand der Theologie. Die Schriftgelehrten, mit denen Jesus immer wieder „zu tun“ hatte, haben sich intensiv mit diesen Schriften beschäftigt. Sie haben sie gelesen, übersetzt, kommentiert, ausgelegt, versucht zu deuten und zu verstehen. Dieses Phänomen des Schriftgelehrten-Daseins gibt es bis heute. Für manch einen ist das eben spannend, solche Forschungsinhalte zu haben. Nur: Man steht in der Gefahr, am eigentlichen Inhalt der biblischen Schriften völlig „vorbeizulesen“.
Der Irrtum der Schriftgelehrten war es zu glauben, wenn man nur eifrig genug in der heiligen Schrift forscht, dann hat man das, wovon sie redet, schon irgendwann automatisch in und an sich! Also: „Ich muss nur oft genug in der Bibel lesen, dann werde ich ewig leben, dann wird das ewige Leben einfach so über mich kommen.“
Diesen Automatismus gibt es aber eben nicht!
Jesus sagt hier ganz eindeutig: Wer in der heiligen Schrift forscht, ist schon auf dem richtigen Weg. Der wird auch etwas über Gott und das ewige Leben finden! Aber es gehört noch mehr dazu. Man muss der Einladung des Wortes Gottes zum Hören und Glauben auch folgen. Wir sollen uns dieser Einladung nicht verschließen! Die heilige Schrift redet von dem dreieinigen Gott und sie redet vom ewigen Leben! Und wir sollen das hören und daraufhin auch zu Gott kommen.

2) Wort Gottes und Anklage.
Wir hatten ja gesagt, diese Rede Jesu ist eine einzige große Anklage. Das stimmt auch. Aber Jesus selbst macht zwischenrein einen „Rückzieher“. „Meint nicht, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; der euch verklagt, ist Mose, auf den ihr hofft.“
Also klagt Jesus seine Zuhörer gar nicht an? Das klingt aber die ganze Zeit ganz anders!
Was Jesus hier meint, ist nicht auf seine Rede bezogen. Die klingt anklagend, das ist richtig. Aber vielmehr sind die Schriften des Mose eine Anklage! Denn in diesen Schriften ist der heilige Wille Gottes für uns Menschen aufgezeichnet. Und er steht dort nicht als schöne, alte Märchengeschichte aus der Frühzeit der Menschheitsgeschichte, sondern es ist der unbedingte Anspruch Gottes an unser Leben.
Wie gesagt, das alles sind schwer erträgliche Sätze, die Jesus hier sagt. Und wenn man jetzt das noch dazu nimmt, was ich eben gesagt habe, dann wird es noch schwerer erträglich: Dass einer wie Gott einen unbedingten Anspruch an unser Leben hat, das ist für uns freie, autonome und selbstbestimmt lebende Menschen nur schwer vorstellbar und noch weniger akzeptabel. Aber das ist es, was Jesus hier seinen Zuhörern sagt.
Das schriftlich fixierte Wort Gottes klagt uns an, indem es uns den heiligen Willen Gottes vor Augen malt, dem wir nur unzureichend oder gar nicht entsprechen.

3) Und ein dritter Gedanke: Wort Gottes und Glaube.
 „Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.“
Man kann am Inhalt des Wortes Gottes „vorbeilesen“. Das ist, wenn wir das ernstnehmen – und das tun wir hoffentlich – lebensgefährlich. Vielleicht nicht jetzt, hier und heute, aber in der Zukunft, in der Ewigkeit.
Und deshalb weist Jesus noch auf einen weiteren wichtigen Aspekt des aufgeschriebenen Wortes Gottes hin. Es will Glauben schaffen bei uns. Das Wort Gottes will uns zum Glauben bringen. Und das tut es auch nach eigener Aussage. Ich erinnere nur an die Worte Gottes, die der Prophet Jesaja im 55. Kapitel seines Buches aufgeschrieben hat: „Das Wort, das von mir ausgeht, wird nicht leer zu mir zurückkommen.“
Das Wort Gottes – ob in geschriebener oder gesprochener Form – ist eben nicht so eine Art der Rede, wie wir sie untereinander pflegen. Es ist auch kein leeres Geschwätz oder Gequatsche. Sondern es ist wirkmächtiges Wort. Es tut, was es sagt. Es schafft, wovon es redet. Das Wort Gottes schafft bei uns den Glauben. Dazu wird es laut. Darum wird es vorgelesen und gepredigt. Deswegen können wir überhaupt nur an Gott glauben!

Liebe Gemeinde, dass es in der sogenannten festlosen Hälfte des Kirchenjahres in irgendeiner Art und Weise langweilig würde, kann ich nicht behaupten. Gott redet auch in dieser Zeit zu uns. Und er spricht entscheidende Worte, die wir unbedingt hören müssen. Sein Wort ist in seinem Sohn Jesus Christus Gestalt und Mensch geworden und hat nichts weniger als unsere Rettung vom ewigen Tod vollbracht. Wer das Wort Gottes hat und an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.
Amen.