Jubilate / Konfirmation 22.04.2018 von G. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript :

Der komplette Gottesdienst zum Hören       :

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Predigt über Paulus an die Korinther im 4. Kapitel
Wir werden nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. ........

Liebe Elisa,
lieber David,
liebe Konfirmandeneltern,
liebe Gemeinde,
was für ein schöner Tag ist das heute! Lange haben wir darauf hingefiebert, haben uns vorbereitet, haben geplant und überlegt, was heute alles und wie es stattfinden soll: Konfirmation! Ein schönes Fest, ein großartiger Anlass, ein ganz wichtiger Schritt auf eurem Weg zum Erwachsenwerden!
Aber so ein langes Warten und Vorbereiten und Planen macht auch müde! Eure Eltern sind es vielleicht jetzt schon. Und spätestens wenn nachher, am Ende des Tages die Anspannung nachlässt, dann werdet ihr auch merken, wie müde ihr seid. Bloß gut, dass ihr morgen einen Tag schulfrei habt!

Wenn wir jetzt kurz nochmal auf die Worte des Apostels Paulus schauen, dann fällt das Eine sofort ins Auge: „Wir werden nicht müde!“
Wie bitte? Was schreibt der Apostel Paulus denn da? Er müsste es doch eigentlich besser wissen! Schließlich hat er es doch selbst oft genug erlebt und auch in seinen Briefen geschrieben, dass er in seinem Dienst als Pastor und Missionar so manches aushalten musste, auch dass er müde wurde!
„Wir werden nicht müde.“ Hm, … lieber Apostel Paulus, doch, werden wir!
Und wenn wir weiter auf die Worte des Apostels Paulus schauen, dann kommen uns weitere Fragen und gegenteilige Beobachtungen in den Sinn:
„Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.“ Das erste kann man sehen und muss man erleben. Mit zunehmendem Alter „verfällt“ der äußere Mensch. Die Haare werden grau und dünn, die Spannkraft der Haut lässt nach, die Zahl der Falten nimmt zu, man ist nicht mehr so fit wie früher, das Aufstehen und Hinsetzen fällt schwerer, man ist nicht mehr so aufgekratzt wie ein kleines Kind, man will lieber seine Ruhe haben, es gibt so bestimmte Altersbeschwerden, man braucht Medikamente, na und so weiter.
Das lässt sich vom „äußeren“ Menschen sagen.

Aber vom „inneren“ Menschen? Können wir darüber überhaupt etwas sagen? Wir könnten unsere Gefühlslage beschreiben, unsere Emotionen ausdrücken. Aber sonst?

Und dann weiter: „Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“ Habt ihr heute am Tag eurer Konfirmation Trübsal? Seid ihr traurig und geknickt? Geht es euch schlecht? Müsst ihr weinen? Ich denke eher nicht!
Oder will uns der Apostel Paulus die Stimmung vermiesen?
Und was meint er mit der „über alle Maßen gewichtigen Herrlichkeit“?  
Und dann noch das mit dem Sehen: „… uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“
Man könnte an den Apostel Thomas erinnert sein, zu dem Jesus gesagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Aber Paulus redet hier ja gerade davon, dass wir sehen, und zwar etwas Unsichtbares! Wie geht das denn?

Man könnte jetzt kurz innehalten und in der Bibel nachschauen und etwas mehr vom zweiten Korintherbrief lesen. Dann würden wir feststellen, dass der Apostel Paulus hier ein ganzes Kapitel lang von sich und seinem Apostelamt redet.
Wir könnten uns zurücklehnen und denken, „lieber Apostel Paulus, das mag alles ja ganz richtig und auch wichtig sein! Wir verstehen es leider nicht wirklich. Aber du wirst schon recht haben, denn du bist schließlich Apostel. Aber was haben deine Äußerungen mit unserer Konfirmation heute zu tun?“

Ich weiß nicht, wie der Apostel Paulus auf so einen Einwand reagiert hätte. Aber aus seinen Worten in diesem ganzen Kapitel wird deutlich, dass er zwar zuerst immer von sich redet und von seinem Apostelamt, aber das seine Gedanken für alle Christen gelten. Er redet die ganze Zeit in der Wir-Form, im Plural. Und je mehr man sich da gedanklich hineinbegibt, desto mehr wird deutlich, dass der Apostel Paulus sich und seine Gemeinde meint, sich und uns meint! In das „Wir“ des Apostels Paulus sind wir mit einbezogen!
Und dann erhalten seine Worte einen ganz neuen Klang! Sie beschreiben unsere Situation, unseren Glauben, unsere Hoffnung!
Klar werden wir in unserem Leben müde, jeden Tag! Und manchmal ist Müdigkeit sogar ein lähmender Dauerzustand! Aber die Kraft Gottes in uns, die der Heilige Geist seit unserer Taufe in uns ist, wird nicht müde! Mit Gottes Hilfe werden wir nicht müde, am Glauben festzuhalten.
Klar werden wir älter und irgendwann sind die Zeichen des Älterwerdens nicht mehr zu übersehen. Aber unser innerer Mensch wächst und wird stärker und größer. Im Inneren werden wir auf geheimnisvolle Weise erneuert durch das Hören auf Gottes Wort und durch den Empfang des heiligen Abendmahls. Unser innerer Mensch, das, was in unserem Herzen ist, wird immer mehr auf Gott ausgerichtet.
Klar, das wissen wir, schwere und schlimme und traurige Erfahrungen gehören zum Leben dazu. Und mit der Zeit werden es immer mehr! Aber es ist beinahe nicht zu glauben: Durch das, was uns hier in unserem Leben betrübt und traurig macht, wird eine unvorstellbar große Freude bei Gott im Himmel nicht nur vorbereitet, sondern geschaffen! Man könnte auch sagen: das, was Paulus hier Trübsal nennt, also das, was uns betrübt und traurig macht, verkehrt sich absolut ins Gegenteil, aber nicht 1 zu 1, sondern um ein unvorstellbar Vielfaches: „in eine über die Maßen gewichtige Herrlichkeit“, sagt Paulus! Das erinnert uns an die Auferstehung Jesu: Unser Herr und Heiland Jesus Christus war tot und siehe, er ist wieder lebendig! Eine über die Maßen gewichtige Herrlichkeit!
Klar sehen wir auf das Sichtbare. Das haben Augen so an sich. Das ist ihre Aufgabe. Aber wir wurden von Gott mit Augen des Glaubens, mit Augen des Herzens ausgestattet. Und mit denen sehen wir auf das Unsichtbare, das, was für menschliche Augen verborgen und unsichtbar ist. Und wenn wir jetzt noch einen Schritt weiterdenken, dann legt sich der Gedanke nahe, dass wir mit unseren Augen des Herzens oder des Glaubens Gott selbst sehen. Für unsere leiblichen Augen ist er zwar unsichtbar. Aber mit den Augen des Glaubens können wir ihn sehen. Und daneben verliert das Sichtbare auf dieser Welt zunehmend an Bedeutung.

Liebe Gemeinde, was für ein schöner Tag ist das heute! Lange haben wir darauf hingefiebert, haben uns vorbereitet, haben geplant und überlegt, was heute alles und wie es stattfinden soll: Konfirmation! Ein schönes Fest, ein großartiger Anlass, ein ganz wichtiger Schritt auf eurem Weg zum Erwachsenwerden!
Und falls ihr euch fragt, was und wen der Apostel Paulus mit seinen Worten meint, dann dürft ihr das heute auf jeden Fall auf euch beziehen: denn das heißt Konfirmation, dass ihr in eurem Glauben befestigt werdet, dass ihr in eurem Glauben stark gemacht werdet, damit ihr dann mit dem Apostel Paulus und mit unserer ganzen Gemeinde zusammen feststellen und aussprechen könnt: Wir werden nicht müde! Unser innerer Mensch wird von Tag zu Tag erneuert. Wir gehen auf die ewige Herrlichkeit bei und mit unserem Herrn und Heiland Jesus Christus zu. Wir sehen durch die Augen des Glaubens auf das Unsichtbare. Wir sehen den ewigen Gott.
Amen.