Estomihi 11.02.2018 von G. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript :

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Predigt über Mk 8,31-38
Jesus sprach: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten.“

Liebe Gemeinde,
die Situation, in der Jesus diese Sätze gesprochen hat, ist eigentlich bizarr und erscheint irgendwie unwirklich: In kurzer zeitlicher Abfolge hintereinander kam erst das Christusbekenntnis des Petrus, dann die erste Leidensankündigung Jesu, danach die Auseinandersetzung zwischen den beiden, die Jesus mit dem schroffen Befehl an Petrus beendet, und jetzt diese Aussage über die Nachfolge und das Leben.
Wenn man das, was Jesus sagt, ein bisschen gliedern will, dann fällt auf, dass der Satz von der Nachfolge beinahe noch sehr freundlich klingt, wie eine Möglichkeit – eine Möglichkeit unter mehreren: „Wer mir nachfolgen will, …“.
Danach folgen drei Begründungen, die jeweils mit dem Wörtchen „denn“ beginnen: „Denn wer sein Leben erhalten will, … Denn was hülfe es dem Menschen, …? Denn was kann der Mensch geben?“
Die erste dieser Begründungen ist eine Feststellung. Die andern beiden sind als Frage formuliert.
Und dann kommt zum Schluss diese Aussage über das Schämen: „Wer sich meiner und meiner Worte schämt …“ Da ist so gar nichts mehr von einem freundlichen Ton, von einer Möglichkeit, einer Wahl: „Mach ich das oder das …“
Jeder Satz unseres Herrn hat sein eigenes Gewicht. Und jeder Satz „hat es in sich“! Da ist eigentlich keiner dabei, bei dem wir uns gelangweilt und selbstzufrieden im Sessel zurücklehnen könnten: „Na, lass den mal reden!“

Ich will auf den einen Satz eingehen, der mich am meisten umtreibt, nämlich den, in dem Jesus etwas über das Leben sagt: „Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren!“

Lasst uns in drei kurzen Gedanken darüber nachdenken:
1) Unser erster Gedanke: Also, mal ehrlich: Wer will denn sein Leben nicht erhalten? Selbst wenn das Leben vielleicht nicht schön ist, sondern anstrengend und traurig und böse – aber der Wille zum Leben, zum Überleben, der ist in uns allen angelegt.

Umso größer ist bei uns die Ratlosigkeit, wenn ein Mensch seinem Leben selbst ein Ende setzt!
Aber das ist heute nicht unser Thema.

Jesus redet davon, wer sein Leben erhalten will, … Das klingt so danach: „Wer will im Team blau mitspielen?“
Aber im nächsten Moment ist dieser Gedanke schon zerplatzt wie eine Seifenblase. „Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren!“
Die nichtausgesprochene, aber mitgedachte Antwort heißt ja: Jeder von uns wird sein Leben verlieren!
Das ist eine Realität, die eine Realität in unserem Leben, an der keiner vorbeikommt!
Das ist irgendwie beängstigend! Nicht nur, weil der Tod immer plötzlich und unerwartet kommt, sondern weil wir nichts dagegen tun können!

2) Unser zweiter Gedanke: Jesus geht einen Schritt weiter. Er spitzt zu! – So als ob man die unausweichliche Tatsache, dass wir alle den Tod erleiden müssen, noch zuspitzen könnte! – Aber Jesus kann! Und er spitzt zu: „Wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen …“
In der Regel erscheint uns der Tod sinnlos. Warum soll ein Leben zu Ende sein? Einfach so? Der geliebte Mensch nicht mehr da?
Ok, es gibt auch das Andere, dass der Tod eine Erlösung sein kann von schweren Leiden. Aber trotzdem ist das doch sinnlos! Hätte dieser Mensch nicht viel besser und schöner leben können ohne Schmerzen, ohne Krankheit, ohne Leiden?

Jesus setzt hier der Sinnlosigkeit des Todes etwas entgegen. Oder lasst es mich so sagen: Er gibt dem Tod einen Sinn. Für unseren Herrn und für das Evangelium sein Leben zu opfern, dafür sein Leben zu verlieren, zu sterben, hat in Jesu Augen einen Sinn.
Das mag uns schwer verständlich sein.
Es ist auch denjenigen schwer verständlich, die Christen, unsere Schwestern und Brüder im Glauben, auf der ganzen Welt um ihres Glaubens willen verfolgen. Dass jemand bereit ist, für seinen Glauben alles aufzugeben, auf alles zu verzichten, Leid, Verfolgung, Beleidigung, Folter, Krankheit, Flucht, Gefängnis zu erdulden und sogar das eigene Leben hinzugeben, das ist in den Augen der Verfolger nicht nur nicht verständlich, sondern es ärgert sie geradezu! Sie wollen und können es nicht ertragen, dass es Menschen gibt, die aus dem Glauben an unseren Herrn ihre Kraft schöpfen, die unter allen Umständen am Glauben bleiben und, selbst wenn sie versagt haben, weiterhin darauf vertrauen, dass Jesus ihnen hilft!
Es kann sein, dass Jesus das von uns fordert und verlangt, dass wir für unseren Glauben einstehen müssen – im schlimmsten Fall sogar mit unserem Leben!

3) Unser dritter Gedanke: Es kann sein, dass Jesus von uns verlangt, dass wir für unseren Glauben mit unserem Leben einstehen müssen! Aber dieser Tod wäre nicht sinnlos!
Genau so wenig wie sein Tod am Kreuz nicht sinnlos war. Er hat zugelassen, dass die Menschen ihn gefangennehmen, verhöhnen, foltern und hinrichten. Und es hat sie geärgert, dass um seinen Tod so ein Aufriss gemacht wurde,        und dass er noch in der Stunde seines Todes ihnen vergeben hat und den Verbrecher am Kreuz, der sich zu ihm bekehrt hat, in den Himmel aufgenommen hat.
Der Tod Jesu am Kreuz ist der Beginn unseres Lebens. Sein Tod am Kreuz ist der Beginn unseres Lebens in seiner Nachfolge, in dem die Gefahr besteht, dass wir es verlieren um seinetwillen. Sein Tod ist aber auch der Beginn des ewigen Lebens, auf das wir zugehen, und welches wir nicht verlieren werden und nicht verlieren können.
Jesus Christus, unser Herr und Heiland gibt dem sinnlosen Tod einen Sinn, den einzigen Sinn, den der Tod überhaupt haben kann – nämlich dass wir dadurch zu Gott gelangen, dass wir zu ihm kommen, dass wir vom Glauben zum Schauen kommen und ihn sehen von Angesicht zu Angesicht.

Liebe Gemeinde, wenn es um unser Leben geht, dann sind wir alle ausnahmslos existenziell betroffen. Und es geht um unser aller Leben! Es geht beim Glauben an den dreieinigen Gott um nicht weniger als um Leben und Tod.
Jesus Christus hat den Tod besiegt, er ist auferstanden und lebt. Und er hat uns in seine Nachfolge gerufen. Er schenkt uns den Glauben, der uns am Leben erhält, auch wenn wir vom Tod bedroht sind. Er bringt uns zum ewigen Leben, wenn unser irdisches Leben zu Ende geht und unser Glaube an sein Ziel kommt.
Amen.