Epiphanias 06.01.2018 von G. Heyn

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Predigt über Kol 1,24-27
Der Apostel schreibt: Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde. Ihr Diener bin ich geworden durch das Amt, das Gott mir gegeben hat, dass ich euch sein Wort reichlich predigen soll, nämlich das Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber ist es offenbart seinen Heiligen, denen Gott kundtun wollte, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Liebe Gemeinde,
Epiphanias, das Fest mit dem seltsamen griechischen Namen! Das Fest der Erscheinung des Herrn! Der ältere Weihnachtstermin! Das Weihnachtsfest der altorientalischen und orthodoxen Christen! Goilöd, Weihrauch und Myrrhe – die königlichen Geschenke!
All diese Gedanken kosten uns immer einige Mühe, um zu verstehen, dass dieses Fest noch zum Weihnachtsfestkreis gehört. Weihnachten haben wir doch in Gedanken längst abgehakt!
Am ehesten verständlich und einprägsam ist sicher noch die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die uns in der Evangelienlesung zu Gehör gebracht wurde.
Die Weisen, die in der Legende zu drei Königen mit Namen mutierten, gehören heute zu jeder Krippendarstellung und sind in der Gedankenwelt auch der Kinder irgendwie verankert.

Sie sind der Schlüssel zum Verständnis des Epiphaniasfestes. Und deshalb ist es auch völlig in Ordnung, wenn man sich zuerst an sie erinnert und die ganzen anderen, komplizierten Zusammenhänge nicht so präsent hat.
Die Weisen, die dem Stern gefolgt sind und in Bethlehem das Jesuskind fanden, haben keinen Geringeren als den Herrn der Welt erkannt und begriffen, ihm geglaubt und sind ihm gefolgt. Ihnen hat sich Gott in ganz einzigartiger und eigenartiger und besonderer Weise offenbart. Er ist ihnen in Gestalt des neugeborenen Jesuskindes erschienen. Sie haben etwas von dem Geheimnis Gottes erfahren dürfen. Sie haben bei ihrem Besuch in Bethlehem aber auch eine Vorahnung davon erhalten, dass auf dem Weg hin zu diesem menschgewordenen Gott Geduld und Leidensfähigkeit vorkommen bzw. zu diesem Weg dazugehören. Theologisch korrekter könnten wir sagen, dass der Weg der Nachfolge Jesu durchs Leiden hindurchführt.
Und genau von diesen Themen schreibt der heilige Apostel Paulus in seinem Brief an die Kolosser!
Wir haben heute ausgerechnet einen solchen Ausschnitt aus seinem Brief vor uns, der zu theologischen Kontroversen und Auseinandersetzungen Anlass gab und auch noch heute gibt!

Ich will drei Gedanken dessen, was der Apostel schreibt, kurz herausgreifen:
1) Die Frage nach dem Leiden.
2) Die Frage nach der Entdeckung/der Enthüllung des Geheimnisses.
3) Die Frage nach dem Geheimnis selbst!

1) Die Frage nach dem Leiden.
Diese erste Frage ist die, welche die theologischen Debatten auslöste und auslöst: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, …“
Schräg und irgendwie unpassend ist die Aussage, dass sich der Apostel Paulus in dem, was er erleidet, freut! Leid ist niemals etwas Schönes! Und normalerweise wollen wir Leid verhindern, abwenden oder wenigstens lindern! Wir leben in einer Gesellschaft, die einerseits vor Leid die Augen verschließt und andererseits alles mögliche unternimmt, um Leid zu verhindern! Leidvolle Dinge und Erfahrungen, die man noch vor 50 Jahren beinahe wie selbstverständlich hingenommen hat, weil sie zum Leben dazugehören, sollen heute nach Möglichkeit vermieden werden!

Und nun schreibt der Apostel Paulus, dass er sich in seinen Leiden freut!? Ganz schön seltsam!
Vielleicht ist das eine tief empfundene, heilige Freude ganz eigener Art, die dem Leiden Christi entspringt und darin ihren Ursprung hat.
Die nächste Aussage des Apostels ist die noch schwierigere und diejenige, die zu Diskussionen führt: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, …“
Das klingt so, als wären das Leiden Christi und sein Tod am Kreuz noch nicht genug oder nicht vollständig oder nicht so universal-, also allgemeinwirksam und -gültig, wie er es behauptet hat! Wie gesagt: Es klingt so! Aber dann würde der Apostel Paulus gegen das ganze Zeugnis des Neuen Testaments stehen, wo uns eindeutig bezeugt wird, dass Christus für die Sünden der ganzen Welt und aller Menschen gelitten hat und gestorben ist.
Ich denke, die Aussage des Apostels Paulus ist so gemeint, dass die Gemeinde der Heiligen, die Gemeinde der Getauften, der an Jesus Christus Glaubenden an den Leiden ihres Herrn Anteil hat, dass sie ihm im Leiden nachfolgt, dass Leiden zum Christsein dazugehört!
Zugegeben, es ist schwer zu verstehen. Und die Bilder verschwimmen hier ineinander: Der menschliche Leib Christi, der am Kreuz gestorben ist, und der geistliche oder manche sagen auch der mystische Leib Christi, der die Gemeinde ist. Und dann spielt da der Gedanke rein: Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit!
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Apostel Paulus hier nicht Gewalt falsch verstehen müssen, sondern ihn richtig verstehen dürfen!
Weil er uns etwas von dem Geheimnis Gottes preisgibt!

2) Unser zweiter Gedanke: Die Frage nach der Entdeckung/der Enthüllung des Geheimnisses. Kinder haben eine unbändige Freude daran, wenn sie ein Geheimnis lüften können, wenn sie ein Geschenk auspacken dürfen, wenn sie hinter ein Geheimnis kommen, das die Großen lange vor ihnen gehütet haben.
Das Stichwort „Freude“, „heilige Freude“ verbindet uns mit dem Apostel Paulus.
Aber anders als bei Weihnachtsgeschenken und den kleinen oder auch großen Geheimnissen von Menschen, können wir Gottes Geheimnis nicht entdecken, nicht aufdecken, nicht enthüllen. Das haben Propheten und Heilige Jahrhunderte hindurch versucht, und es ist ihnen nicht gelungen!
Das Besondere an dem Geheimnis Gottes ist, dass er es selbst für uns enthüllt, dass er es für uns entdeckt, dass er selbst es uns offenbart, offenlegt!
Und dieses Offenbaren, das tut er zuerst und insbesondere durch seine ordinierten und berufenen Diener: die Apostel und deren Nachfolger. Es ist das Amt, das der Apostel innehat, das Amt, das die Versöhnung predigt, das Amt, dass das Geheimnis Gottes hütet und offenlegt und verwaltet und enthüllt! Es ist das eine Amt, dass Gott selbst eingesetzt hat und dass bis heute und bis ans Ende der Erde fortbestehen wird, und das wir als das Predigt- und Pastorenamt kennen.
Das Predigtamt enthüllt das Geheimnis Gottes für die Menschen!

3) Bleibt noch der dritte Gedanke: Die Frage nach dem Geheimnis selbst! Seit der Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem vor zweitausendachtzehn Jahren kennen wir das Geheimnis Gottes. Er hält sich vor den Menschen verborgen und hat sich uns doch so gleich gemacht, dass wir eine Vorstellung von ihm haben, dass wir ihn sehen, hören, schmecken, berühren können. Wenn das im Moment auch noch vor allem für die Augen des Glaubens gilt, unsere geistlichen Augen und Ohren, und die letzte Klarheit noch nicht da ist! Sie wird aber kommen, und wir werden sie alle erleben! Und wir werden das Geheimnis Gottes, das jetzt schon offenbart ist den Heiligen, das sind die, die zu Gott gehören, die an ihn glauben, die ihm vertrauen, wir werden das Geheimnis in voller Schönheit und Pracht erleben! Und dann gilt, was der Herr Christus im Johannesevangelium zu seinen Jüngern gesagt hat: „An jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen!“

Liebe Gemeinde, Jesus Christus ist der lange angekündigte und erwartete Messias des Volkes Israel. Und er ist der Retter der ganzen Welt, der nun auch allen, die nicht zum Volk Israel gehören, bekannt geworden ist. Er ist unsere Hoffnung – so wie er die Hoffnung der weisen Männer aus dem Orient war, die sich auf den Weg nach Bethlehem gemacht hatten und deren Hoffnung nicht enttäuscht wurde.
Amen.