Aschermittwoch 14.02.2018 von G. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript :

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Predigt über 2.Kor 7,8-13a
Wenn ich euch auch durch den Brief traurig gemacht habe, reut es mich nicht. Und wenn es mich reute – ich sehe ja, dass jener Brief euch wohl eine Weile betrübt hat –, so freue ich mich doch jetzt nicht darüber, dass ihr betrübt worden seid, sondern darüber, dass ihr betrübt worden seid zur reue. Denn ihr seid betrübt worden nach Gottes willen, so dass ihr von uns keinen Schaden erlitten habt. Denn die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Reue, die niemanden reut; die Traurigkeit der Welt aber wirkt den Tod.
Siehe: eben dies, dass ihr betrübt worden seid nach Gottes willen, welches Mühen hat das in euch gewirkt, dazu Verteidigung, Unwillen, Furcht, Verlangen, Eifer, Bestrafung! Ihr habt in allen Stücken bewiesen, dass ihr rein seid in dieser Sache. Darum, wenn ich euch auch geschrieben habe, so ist’s doch nicht geschehen um dessentwillen, der beleidigt worden ist, sondern damit euer Mühen für uns offenbar werde bei euch vor Gott. Dadurch sind wir getröstet worden.
Außer diesem unserm Trost aber haben wir uns noch überschwenglicher gefreut über die Freude des Titus; denn sein Geist ist erquickt worden von euch allen.

Liebe Gemeinde,
der Abschnitt aus dem 2. Korintherbrief, den ich vorgelesen habe, ist vielleicht weniger bekannt unter uns als das berühmte Hohelied der Liebe im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, das am vergangenen Sonntag verlesen wurde.
Aber unser heutiger Predigtabschnitt ist deswegen nicht weniger interessant und wichtig. Denn er gewährt uns einen seltenen Einblick in das intensive Verhältnis des Apostels Paulus zu seiner gemeinde in Korinth. Daneben – und das erscheint mir für uns heute beinahe noch wichtiger zu sein – bringt er Gefühle und Emotionen zur Sprache. Das ist uns im Zusammenhang mit der heiligen Schrift ein bisschen fremd – vielleicht, weil wir so erzogen worden sind und weil wir als Deutsche sowieso ein bisschen zurückhaltend mit öffentlichen Gefühlsbezeugungen sind.
Der Apostel Paulus schreibt von Traurigkeit, von Freude, von Trost, von Reue – alles Emotionen, die wir von uns selbst gut kennen, die auch Teil unseres Glaubenslebens sind, von denen wir aber nicht immer so ganz gern sprechen.
Nun könnte man natürlich fragen, was diese emotionale Seite der Beziehung zwischen dem Apostel und seiner Gemeinde mit uns heute und mit unserem Aschermittwochsgottesdienst zu tun hat.

Zuerst einmal gar nichts. Heute beginnt die Fastenzeit, in der die Besinnung auf das Leiden und Sterben unseres Herrn und Heilands Jesus Christus im Mittelpunkt stehen soll.
Wie schwer das ist in unserer Alltags-Umwelt, die einfach so weiterfunktioniert, als wäre nichts, ist eine echte Herausforderung für uns. Manch einem gelingt das besser, dem anderen schlechter, diese Zeit bewusst zu gestalten. Dazu soll auf jeden Fall unsere gesamtkirchliche Fastenaktion eine Hilfestellung sein.

Aber was haben die Zeilen des Apostels Paulus an die Korinther für uns für eine Bedeutung?
Das Stichwort „Traurigkeit“ könnte ein Schlüssel zum Verständnis sein.
Der Apostel Paulus schreibt, dass er die Korinther betrübt und traurig gemacht hat mit einem seiner Briefe. Aber er bereut das nicht. Denn die Traurigkeit der Korinther war eine Traurigkeit nach Gottes Willen.
Es bleibt schwer fassbar, was genau damit gemeint ist. Manche haben darin einen Hinweis auf die medzinische Diagnose seelischer Erkrankungen gesehen, wie z.B. Depressionen.
Ob das stimmt, weiß ich nicht. Und ob so etwas, solche Erkrankungen nach Gottes Willen sind, weiß ich auch nicht.
Der Apostel macht eine Unterscheidung, und die könnte uns helfen. Er unterscheidet die Traurigkeit nach Gottes Willen von der Traurigkeit der Welt.

Die Traurigkeit nach Gottes Willen bewirkt Reue, Einsicht und Umkehr. Sie bringt uns auf den Weg, der zu Gott führt.

Die Traurigkeit der Welt führt genau in die entgegengesetzte Richtung.

Die „Welt“ ist heute, am Aschermittwoch, traurig, weil jetzt „alles vorbei“ ist – nach ihrer Meinung – das Feiern, Schwoofen, Schunkeln, Saufen usw.

Wir dürfen und sollen auch traurig sein wegen des Leidens und Sterbens unseres Herrn, an das wir in dieser Fastenzeit 2018 wieder gedenken wollen.
Aber wir dürfen uns darauf freuen, dass Gott selbst diese Traurigkeit beendet – indem er uns zur Umkehr, zur Buße, zum Bereuen unserer Sünden anleitet und indem er die Welt, die Sünde, den Teufel, den Tod und die Hölle zu Ostern besiegt hat und wir darauf zuleben, dass wir Anteil an seinem Ostersieg bekommen.
Amen.