Silvester 31.12.2017 von G. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript :

Der komplette Gottesdienst zum Hören       :

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Predigt über 1. Joh 2,21-25
Ich habe euch nicht geschrieben, als wüsstet ihr die Wahrheit nicht, sondern ihr wisst sie und wisst, dass keine Lüge aus der Wahrheit kommt. Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben. Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben.

Liebe Gemeinde,
für viele ist Weihnachten schon bzw. endlich vorbei. Ich habe am 26. abends, also am zweiten Weihnachtsfeiertag, eine Nachricht auf dem Mobiltelefon bekommen: „Noch schnell frohe Weihnachten!“ – und innerlich habe ich den Satz fortgesetzt: „Bevor es vorbei ist!“
Natürlich habe ich mich über die Grüße gefreut und brav dafür bedankt.
Aber der Gedanke beschäftigt mich seitdem, ob das nicht sogar auch bei uns symptomatisch ist und sicher auch ganz verständlich: Nach dem Stress der Vorweihnachtszeit und dem hoffentlich gelungenen Heiligabend ist es jetzt endlich vorbei! Der Stress fällt ab. Ruhe kehrt ein. Viele schalten auf Urlaubs- oder Erholungsmodus.
Manche freundlichen Menschen haben mir bedauernd/ bemitleidend ein paar ruhige Tage gewünscht „nach den vielen Gottesdiensten!“ – Um ehrlich zu sein: So viele waren es gar nicht! Und außerdem geht es jetzt munter weiter mit Gottesdiensten!

Also, alles in allem: Das Weihnachtsfest ist noch nicht zu Ende! Es ist noch lange nicht zu Ende! Auch wenn es in unseren Köpfen und Herzen und emotional betrachtet vielleicht vorbei ist!
Von daher ist auch vielleicht ein bisschen besser zu verstehen, was der heilige Johannes in seinem ersten Brief schreibt und was uns heute zur Predigt aufgetragen ist.
Da ragen so ein paar Stichworte heraus, die bei euch vielleicht auch hängengeblieben sind:
1) Wahrheit und Lüge. Und die Aussage: Ihr wisst die Wahrheit!
2) Der Antichrist. Und die Aussage, wer der ist!
3) Das ewige Leben. Und die Aussage, wem es verheißen ist.
Ich will diese Stichworte kurz aufrufen und näher beleuchten:

1) Wahrheit und Lüge. Und die Aussage: Ihr wisst die Wahrheit!
Weihnachten ist noch lange nicht vorbei. Und deshalb können wir noch Weihnachtslieder singen und auch noch über den Inhalt von Weihnachten nachdenken. Die Frage ist ja, ob die Geschichte von der Geburt Jesu zu Weihnachten im Stall von Bethlehem eine nette, alte, rührselige Geschichte ist, wie es uns ein Theologieprofessor in Münster weitergegeben hat. Wenn dem so ist, dann ist es ein Märchen mit einer einmaligen Wirkungsgeschichte, nämlich dass das Märchen bis heute rund um die Welt gefeiert wird und eine geniale Geschäftsidee geworden ist.
Der heilige Johannes schreibt nun: „Ich habe euch nicht geschrieben, als wüsstet ihr die Wahrheit nicht, …“
„Pädagogisch geschickt gemacht“ hätte jetzt mein Pädagogik-Lehrer gesagt: mit dem Vorwissen der Kinder zu arbeiten!
Johannes hätte seinen Brief also nicht an Unwissende geschrieben, nicht an Heiden, nicht an Leute, die vom Inhalt von Weihnachten keine Ahnung haben.
Wir kennen den Inhalt von Weihnachten! Wir wissen, dass der Grund dieses Festes keine rührselige alte Geschichte und auch kein Märchen ist.
Und wir wissen, dass die Geschichte von der Geburt des Herrn wahr ist! Gott selbst schenkt uns durch seinen Heiligen Geist diese Gewissheit, dass wir keiner Lüge hinterherlaufen!
Am vergangenen Montag, am ersten Feiertag, da hatten wir auch so einen Satz von Johannes in der Predigt: „Ihr wisst, dass Christus erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme“ … und Frieden bringe!
Wir wissen die Wahrheit und wissen, dass uns Gott nicht belügt. Lüge ist bei Gott, der die Wahrheit selbst ist, ausgeschlossen.
2) Das führt uns zu unserem zweiten Stichwort: Der Antichrist. Und die Aussage, wer der ist!
Der Antichrist? Wer bitte? Zu Luthers Zeiten ist dieses Schlagwort gebraucht worden und auch bei den theologischen Vätern der Vorgängerkirchen unserer Kirche wurde über dieses Stichwort gestritten. Da wurde von manchen verlangt, dass man mit Luther erklären müsse, dass der Papst in Rom der Antichrist sei. Manche amerikanische Mitstudenten beäugten uns dann argwöhnisch, wenn wir es ablehnten, diese Aussage zu unterschrieben, ob wir denn auch echte Lutheraner wären!
Heute ist mir klar, dass es für uns heute völlig egal ist, ob wir diese Aussage Luthers unterschreiben oder nicht. Es ist auch völlig egal, was wir davon halten. Weil nämlich Johannes eine ganz klare Aussage trifft: Wer leugnet, also bestreitet, dass Jesus der Christus ist, der Messias, der von Gott gesandte Erlöser, der Sohn Gottes, Gott selbst!, der ist ein Lügner und der ist der Antichrist.
Und davon gibt es mehr, als wir auf den ersten Blick vielleicht denken: Menschen, denen Gott egal ist, sind noch das kleinste Problem dabei. Aber es gibt Menschen, die Jesus Christus nicht als den Messias anerkennen! Es gibt Menschen, die Jesus nicht als den Sohn Gottes anerkennen! Es gibt Menschen, die meinen, der Gott des Alten Testaments hätte mit dem Jesus Christus des Neuen Testaments nichts zu tun!
Und dann lasst uns mal überlegen, wer das konkret alles ist: Leute in unserer Umgebung, die von sich behaupten, Christen zu sein. Juden, die den Messias nicht anerkennen. Muslime, die jetzt in unserer Nachbarschaft leben, und Vertreter manch anderer Religionen. Es mag nicht zum gesellschaftlichen Mainstream passen: Aber: Wer den Sohn Jesus Christus hat, der hat auch Gott, den Vater. Gott Vater und Gott Sohn gehören zusammen. Und wir wissen diese Wahrheit durch Gott den Heiligen Geist.
Es ist ein Geheimnis des Glaubens, dass wir – solange wir auf dieser Erde leben – nicht entdecken werden.

3) Hier schließt das dritte Stichwort an, das ich aus dem Text des Johannes herausgreife: Das ewige Leben. Und die Aussage, wem es verheißen ist.
Man könnte ja denken: Nun ist Weihnachten endlich vorbei. Deshalb ist es jetzt auch – wenigstens erstmal und spätestens bis nächstes Jahr zu Weihnachten – mit den Verheißungen und Weissagungen und Prophezeiungen vorbei.
Aber falsch gedacht! Haben wir in der Adventszeit und an Heiligabend und in der Christnacht die alttestamentlichen Verheißungen noch einmal gehört und feiern zu Weihnachten ihre Erfüllung, so hat Gott gleich eine neue, viel größere und noch unglaublichere und eigentlich unvorstellbare Verheißung „nachgeschoben“: die Verheißung des ewigen Lebens.
Menschen, die an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glauben, denen ist nichts weniger als ewiges Leben in der Gegenwart Gottes verheißen.
Der heilige Johannes fordert uns dazu auf, bei dieser Wahrheit zu bleiben, die wir schon kennen und wissen. Denn dann werden wir auch ans Ziel unseres Glaubens und Lebens kommen: ins ewige Leben bei Gott. Und dann werden wir das Geheimnis Gottes erkennen und verstehen und begreifen, was es mit Vater und Sohn auf sich hat.

Liebe Gemeinde, Weihnachten ist noch nicht vorbei! Auch wenn dieses alte Jahr in wenigen Stunden vorbei ist. Die Wahrheit Gottes ist niemals vorbei. Und wir sollen und wollen auch im neuen Jahr an dieser Wahrheit und am Glauben an unsern Herrn und Heiland Jesus Christus, der zu Weihnachten Mensch geworden ist, festhalten.
Amen.