Reformationsfest 31.10.2017 von G. Heyn

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Predigt üb. 3 ausgewählte Thesen der 95 Thesen Luthers von 1517 und Mt 10,26b-33, verlesen am Schluss der Predigt

Liebe Gemeinde,
500 Jahre Reformation! Zehn Jahre lang haben wir uns auf diesen denkwürdigen Tag vorbereitet. Gestern abend waren im Fernsehen schon einige Sendungen zu sehen, die das 500. Reformationsjubiläum in irgendeiner Weise aufgegriffen haben. In einer Nachrichtensendung des ZDF wurde ein evangelischer Bischof interviewt, der – ganz sicher zu Recht – auf die enorme Breitenwirkung hinwies und die vielfältigen Auswirkungen der Reformation auf das gesamte Leben der Menschen hervorhob. Seltsam unerwähnt blieb dabei der ursprüngliche und eigentliche Ausgangspunkt der Reformation: Schon sehr früh wurde der 31. Oktober als Tag der Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers gegen den Ablasshandel als zeitlicher Anfangspunkt der Reformation gesehen und als Gedenktag begangen. Der inhaltliche Beginn steckt in diesen Thesen. Luther wendet sich gegen den erwerbsmäßigen Erlass von Sündenstrafen, also die Praxis, mit der Angst der Leute vor der Hölle Geld zu verdienen.
Uns ist das heute wahrscheinlich ziemlich fremd, obwohl man auch heute noch Ablässe erwerben kann und obwohl diese Krankheit an anderen Stellen in der Kirche und Gesellschaft ja überall grassiert, dass man meint, sich mit Geld alles kaufen zu können.
1) Die Frage danach, ob Gott uns gnädig ist und wie diese Gnade für uns erfahrbar wird, diese Frage beschäftigte die Menschen damals. In den Thesen Luthers geht es inhaltlich darum, dass Gott einen Weg zu uns Menschen geplant und vorgesehen und vorbereitet hat, den wir beschreiten dürfen und sollen, und dass wir nicht auf eigenen Wegen versuchen sollen, unser Verhältnis zu Gott in Ordnung zu bringen, weil diese Wege zum Scheitern verurteilt sind. Im Kern ist hier also Luthers reformatorische Erkenntnis schon vorhanden – wenn auch noch nicht vollends ausformuliert.
Was der evangelische Bischof im Fernsehinterview nicht ausgesprochen hatte, stand aber am Anfang der Reformation: die Frage nach der Buße, der Umkehr zu Gott!
Luthers erste These lautet: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße etc., will er, dass das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete Buße sei.“
Diese Buße gewinnt ihre greifbare Gestalt und ihren sichtbaren Anfang für uns in der heiligen Taufe.

Lasst uns singen von dem Lied: „Christ unser Herr zum Jordan kam“.
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Vorspiel und Strophen ELKG 146,1+5-7
1) Christ unser Herr zum Jordan kam nach seines Vaters Willen, von Sankt Johann' die Taufe nahm, sein Werk und Amt zu erfüllen. Da wollt er stiften uns ein Bad, zu waschen uns von Sünden, ersäufen auch den bittern Tod durch sein selbst Blut und Wunden; es galt ein neues Leben.
5) Sein' Jünger heißt der Herre Christ: "Geht hin, all Welt zu lehren, daß sie verlorn in Sünden ist, sich soll zur Buße kehren; wer glaubet und sich taufen läßt, soll dadurch selig werden; ein neugeborner Mensch er heißt, der nicht mehr könne sterben, das Himmelreich soll erben."
6) Wer nicht glaubt dieser großen Gnad, der bleibt in seinen Sünden und ist verdammt zum ewgen Tod tief in der Höllen Grunde. Nichts hilf sein eigen Heiligkeit, all sein Tun ist verloren, die Erbsünd machts zur Nichtigkeit, darin er ist geboren, vermag sich selbst nicht helfen.
7) Das Aug allein das Wasser sieht, wie Menschen Wasser gießen; der Glaub im Geist die Kraft versteht des Blutes Jesu Christi; und ist vor ihm ein rote Flut, von Christi Blut gefärbet, die allen Schaden heilen tut, von Adam her geerbet, auch von uns selbst begangen.
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2) In These 36 spricht Luther die Frage der Sündenvergebung an und sagt dazu: „Ein jeder Christ, der wahre Reue und Leid hat über seine Sünden, der hat völlige Vergebung von Strafe und Schuld, die ihm auch ohne Ablassbrief gehört.“
Auch wenn uns das Ablasswesen heute sehr fern und fremd ist und ja in den evangelischen Kirchen seit den Tagen Luthers auch nicht mehr in Gebrauch ist, so steht doch immer wieder die Frage nach Vergebung und der Gewissheit der Vergebung im Raum. Um Vergebung seiner Sünden und Befreiung von Schuld zu empfangen, ist es notwendig die eigenen Sünden als solche zu erkennen und sie dann auch zu bereuen. Ohne Reue gibt es keine wirkliche Umkehr zu Gott und auch keine Vergebung. Zur Reue gehört das Vertrauen und Schauen auf unsern Herrn und Heiland Jesus Christus.

Lasst uns das Lied „Es wolle Gott uns gnädig sein“ singen.
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Vorspiel und Strophen ELKG 182,1-3
1) Es wolle Gott uns gnädig sein und seinen Segen geben; sein Antlitz uns mit hellem Schein erleucht zum ewgen Leben, daß wir erkennen seine Werk und was ihm lieb auf Erden, und Jesus Christus, Heil und Stärk, bekannt den Heiden werden und sie zu Gott bekehren.
2) So danken, Gott, und loben dich die Heiden überalle, und alle Welt die freue sich und sing mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist und läßt die Sünd nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen.
3) Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Taten; das Land bringt Frucht und bessert sich, dein Wort ist wohlgeraten. Uns segne Vater und der Sohn, uns segne Gott der Heilig Geist, dem alle Welt die Ehre tu, vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen.
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3) Die 94. These Luthers weist uns noch einmal besonders auf unseren Herrn hin. Und weil wir als Christen zu unserem Herrn gehören, sollen wir ihm nachfolgen, ihm ähnlich werden. Das bedeutet auch, dass das Leben als Christ nicht nur oder immer ein angenehmes Leben ist. Im Gegenteil! Luther schreibt: „Man soll die Christen ermahnen, dass sie Christo, ihrem Haupte, durch Kreuz, Tod und Hölle nachzufolgen sich befleißigen.“
Das ist der Weg, wie man selig wird, wie man in den Himmel kommt, wie man Gott wohlgefällig wird. Auf keinen Fall dadurch, dass man sich mit Geld freikauft.

Lasst uns singen von dem Lied: „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“.
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Vorspiel und Strophen ELKG 143,1-4
1) Durch Adams Fall ist ganz verderbt menschlich Natur und Wesen; dasselb Gift ist auf uns geerbt, daß wir nicht konnten g'nesen ohn Gottes Trost, der uns erlöst hat von dem großen Schaden, darein die Schlang Eva bezwang, Gotts Zorn auf sich zu laden.
2) Wie uns nun hat ein fremde Schuld in Adam all verhöhnet, also hat uns ein fremde Huld in Christus all versöhnet; und wie wir all durch Adams Fall sind ewgen Tods gestorben, also hat Gott durch Christi Tod verneut, was war verdorben.
3) So er uns denn sein' Sohn geschenkt, da wir sein' Feind' noch waren, der für uns ist ans Kreuz gehenkt, getöt', gen Himmel gefahren, dadurch wir sein von Tod und Pein erlöst, so wir vertrauen auf diesen Hort, des Vaters Wort: wem wollt vorm Sterben grauen?
4) Christ ist der Weg, das Licht, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Rat und ewigs Wort, den er uns hat gegeben zu einem Schutz, daß wir mit Trutz an ihn fest sollen glauben; darum uns bald kein Macht noch Gwalt aus seiner Hand wird rauben.
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4) Im Matthäusevangelium steht im 10. Kapitel:
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
Amen.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Das Glaubensbekenntnis nach Luther
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Vorspiel und Strophen ELKG 132,1-3
1) Wir glauben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; allem Unfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren. Er sorget für uns, hüt' und wacht, es steht alles in seiner Macht.
2) Wir glauben auch an Jesus Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren, von Maria, der Jungfrauen, ist ein wahrer Mensch geboren durch den Heilgen Geist im Glauben; für uns, die wir warn verloren, am Kreuz gestorben und vom Tod wieder auferstanden durch Gott.
3) Wir glauben an den Heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, der aller Schwachen Tröster heißt und mit Gaben zieret schöne, die ganz Christenheit auf Erden hält in einem Sinn gar eben; hier all Sünd vergeben werden; das Fleisch soll auch wieder leben. Nach diesem Elend ist bereit' uns ein Leben in Ewigkeit. Amen.
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