9. Sonntag nach Trinitatis 13.8.2017 von G. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript :

Der komplette Gottesdienst zum Hören       :

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Predigt üb. Mt 7,24-27
Jesus sprach: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,
anlässlich dieser Predigt unseres Herrn, die hier im Matthäusevangelium überliefert ist – um genau zu sein: Es ist das Ende der sog. Bergpredigt! Aber es ist in manchen Bibelausgaben irreführenderweise überschrieben „Vom Hausbau“! Also, als ob Jesus Vorlesungen im Fach Baukonstruktionslehre gehalten hätte! – anlässlich dieser Predigt Jesu könnte man eine Diskussion über den Bau eines Hauses beginnen oder allgemein darüber streiten, wie es denn nun richtig ist mit dem Bau! Bei uns hier in Hannover liegt das ja geradezu auf der Hand. Im Pfarrhaus der St.-Petri-Gemeinde wird gebaut. Und am Gemeindemietshaus der Bethlehemsgemeinde wird auch gebaut!
Und über Bausachen lässt sich „wunderbar“ streiten!

Wir könnten auch eine Debatte über den Klimawandel in Gang setzen: Was sind seine Ursachen? Die Folgen spüren wir ja schon ständig: Starkregen, Stürme und starke Temperaturschwankungen. Wie können wir ihn verlangsamen oder gar stoppen? Gibt es ihn überhaupt? Oder ist er nur eine Erfindung bestimmter Leute, die damit Geld verdienen wollen?

Wir könnten auch über unsere eigene Frömmigkeit reden! Also, besser ja über die der anderen! Das geht uns leichter von den Lippen! Und wir würden sogar ein vermeintlich theologisches Thema diskutieren.

Wir könnten all diese Diskussionen und Debatten führen. Und ab und zu müssen sie auch geführt werden. Aber wir hätten alle den Herrn nicht richtig verstanden, hätten ihm nicht richtig zugehört, wenn wir nur über diese Dinge redeten, wenn das unser einziges Bestreben, unser einziger Inhalt wäre! Dann wären wir wie der törichte Mann, der sein Haus auf Sand baute.

Es geht Jesus heute nicht um Hausbau, Klimawandel, Frömmigkeit oder andere Dinge, sondern einzig und allein darum, seine Worte zu tun! „Wer meine Rede hört und tut sie, …!“

Ich könnte jetzt die berühmten drei Gliederungspunkte einer Predigt formulieren. Das würde mir sicher auch gelingen. Aber warum soll ich das tun, wenn Jesus, wenn der Herr selbst heute nur ein Thema hat?
„Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. […] Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.“
Es geht also ums Hören und Tun, also die Umsetzung der Worte Jesu. Es geht um das Tun des Willens Gottes. Der Apostel Paulus bringt es an anderer Stelle im Neuen Testament auf den Punkt: „Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein …!“
Dann schließt sich jetzt logischerweise die Frage an: Wie sollen wir das Wort Gottes „tun“? Wie handelt man richtig nach Gottes Willen? Wie schaffe ich es, das Wort unseres Herrn umzusetzen?
Hier besteht natürlich sofort wieder die Gefahr, dass wir uns in unterschiedliche Meinungen zerstreiten – wie beim Bau, beim Klimawandel oder der Frömmigkeit.
Es ist sicher nicht ganz einfach, eine Antwort auf dieses „Wie“ zu finden: „Wie sollen wir die Worte Jesu ‚tun‘?“
Aber wir haben, so glaube ich, als Christen genug geistliches Handwerkszeug, um zu einer Antwort zu kommen. Das Spannende an dieser Antwort ist, dass Jesus sie nicht vorgegeben hat. Und das bedeutet doch, dass es nicht nur eine Antwort auf diese Frage gibt! Auch wenn wir das vielleicht gern hätten: erstens weil das für uns einfacher wäre – wir hätten etwas, woran wir uns orientieren könnten. Und zweitens weil uns das besser „in den Kram“ passen würde, wenn es nur eine Antwort gäbe, nämlich unsere! Dann wüssten wir genau was richtig ist – und wir sind ja die Einzigen, die wissen, was richtig ist! – und alle müssten sich nach uns richten!
Dieses Denken – wenigstens ansatzweise – kennen wir doch alle, oder?
Aber leider ist es so nicht! Sondern jeder muss seinen eigenen Kopf anstrengen, muss sich über das gehörte Wort Jesu Gedanken machen, es in sein Herz lassen und dann zu einer Entscheidung kommen, wie er oder sie handelt.
Und das ist das andere Spannende bzw. die Herausforderung, die Jesus an uns stellt: Wir sind alle gefragt und angesprochen, jeder einzelne Mensch. Und wir müssen Entscheidungen treffen: jeder einzelne Mensch!
„Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. […] Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.“
Wer ein Haus baut, der muss Entscheidungen treffen. So ähnlich ist das mit denen, die das Wort unseren Herrn hören: Wer es hört, der muss Entscheidungen treffen!
Man kann Gottes Wort hören und sich entscheiden, es beim Hören zu belassen: zum einen Ohr rein, zum andern raus.
Man kann Gottes Wort hören und sich entscheiden, „es zu tun“, also danach zu handeln. Und das will der Herr von uns! Er will, dass wir nicht nur schläfrig in der Kirchenbank sitzen und uns auf den Kirchenkaffee freuen, sondern dass wir das Gehörte umsetzen.
Das meint jetzt nicht allgemein die Moralkeule: Du musst nach den Geboten Gottes leben, sonst …!
Sondern es meint, dass unser Glaube ein tätiger Glaube sein soll.
Im Übrigen: hier unterscheidet sich die Predigt Jesu von dem Bauen eines Hauses: Wer ein Haus baut muss richtige Entscheidungen treffen, damit das Haus stabil ist und stehenbleibt.
Bei Jesus reicht es schon, seine Rede zu hören und sie zu tun, damit das Haus unseres Glaubens stabil wird. Das bedeutet, es kann und es wird viele Antworten darauf geben, wie man die Worte Jesu am besten „tut“. Und es wird auch manche Fehlentscheidung dabei geben. Aber das braucht uns nicht zu entmutigen, und Gott lässt uns deshalb nicht fallen! Denn allein das zählt und darum geht es heute: „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.“
Amen.