1. Sonntag nach Epiphanias 08.01.2017, von B. Voigt

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript:

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Predigt üb.
Matthäus 4,12-17 12 Als nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. 13 Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, 14 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1): 15 »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, 16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.«
17 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Liebe Gemeinde!
Es gibt ja so Orte, da möchte man unter keinen Umständen leben. Das kann verschiedene Ursachen haben. Entweder man hat dort einmal schlechte Erfahrungen gemacht oder diese Orte haben an sich einen schlechten Ruf. „Gelsenkirchen“ ist vielleicht solch ein Ort oder auch „Berlin-Marzahn“. Ich käme nicht auf die Idee, in Berlin-Marzahn mal Urlaub zu machen. Marzahn war ursprünglich ein kleines mittelalterliches Angerdorf. Der schlechte Ruf Marzahns begann bereits 1936 als die Nazis dort ein sogenanntes „Zigeunerlager“ für Sinti und Roma errichten ließen. Zunächst wurden die Menschen zum Straßenbau eingesetzt, bevor sie in den KZ’s umgebracht wurden. In den 1970iger Jahren wurde in Berlin-Marzahn eine riesige Plattenbausiedlung errichtet. Die Wohnungen waren in der DDR sehr begehrt, so dass besonders die kommunistischen Parteikader dort eine Wohnung bekamen – richtig schön war es dort dennoch nicht. Berlin Marzahn gilt deshalb nicht gerade als besonders kirchlich, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Kommt man heute nach Marzahn –wir haben ja dort auch eine Missionsgemeinde– dann stellt man fest, dass der Ruf von Marzahn deutlich schlechter ist, als die Wirklichkeit.
Liebe Gemeinde, Galiläa war das „Marzahn“ Israels. Jerusalem und Bethlehem im Süden war wie Bayern. Fromme Gegend, man hielt auf sich und war konservativ. In Galiläa im Norden lebte eine stärker durchmischte Bevölkerung. Die Gegend war „helenisiert“, das heißt die Leute standen unter griechischem Einfluss (Helas – für Griechenland). Die Menschen dort galten als wenig fromm und sie hatten eine schlechte Aussprache, weil sie die Konsonanten verschliffen . Arm waren die Menschen auch noch, denn sehr viel Land gehörte der Familie des Königs Herodes. Galiläa, das Berlin-Marzahn Israels.

1. Jesus beginnt sein Wirken in Galiläa. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali.“ Die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer, von der wir in der Evangelien Lesung gehört hatten, war bereits erfolgt. Johannes war durch den König Herodes gefangengenommen worden. Ich habe mich immer gewundert, warum der König Herodes im fernen Jerusalem von Johannes dem Täufer, der ihm den Ehebruch mit der Frau seines Bruders vorwarf, so genervt gewesen war. Aber das liegt an Galiläa: Herodes gehörten große Teile der Ländereien von Galiläa, da konnte er sich nicht leisten, dass Johannes der Täufer die Leute gegen ihn aufbrachte. Die armen Galiläer galten sowieso als aufsässig und revolutionär.
Jesus beginnt sein öffentliches Wirken, nachdem das öffentliche Wirken des Johannes beendet ist, denn Johannes war ja der Vorläufer Jesu.
Unser Predigtwort ist ja besonders für die frommen Juden im Süden –so zu sagen für die Bayern Israels – geschrieben. Also muss der Berichterstatter Matthäus erklären, warum Jesus sein Wirken in Galiläa und nicht Jerusalem (in Marzahn und nicht in München) beginnt. Und Matthäus erklärt das damit, dass der Prophet Jesaja dies schon vor 700 Jahren so angekündigt hat. Matthäus zitiert: »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das heidnische Galiläa, 16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.«
Das Stammesgebiet von Sebulon und Naftali ist die Gegend von Galiläa, der Norden Israels.
Wir fragen heute: Wie kann jemand so lange Zeit vorher etwas ankündigen, wie soll das funktionieren? Ich meine, es gibt Prophetie sogar im nichtreligiösen Bereich. Die Schriftstellerin Christa Wolf zum Beispiel kündigt in einem ihrer Texte aus dem Jahr 1990 an, dass eines Tages "von Osten und Süden" ein "Sturm auf das reiche Europa angehen" werde. Otto Dix, der Maler malt 1933 ein Bild vor dem Hintergrund der brennenden Stadt Dresden, 12 Jahre im Voraus. Wenn Menschen nicht nur geistig sensibel, sondern auch geistlich sensibel sind, wie Jesaja, dann kann Gott ihnen Wahrheiten anvertrauen, die erst sehr viel später eintreffen. So verwunderlich ist Prophetie gar nicht. Jesaja kündigt das Licht an, dass in Jesus Christus erscheint.

2. Finsternis und Licht – Das Prophetenwort geht in Erfüllung: „das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“ So kündigt der Prophet Jesaja an. Und Maria hat das in ihrem großen Lobgesang, dem Magnificat, auch schon aufgegriffen. Die Leute aus Galiläa, aus dem Marzahn Israels, das war „das Volk, das im Finstern saß“. Die Leute waren wirklich arm, weil das an sich sehr fruchtbare und reiche Land, in dem alles nur so wuchs und gedieh, in große Latifundien aufgeteilt war, die wenigen Reichen gehörten.
Wir zählen nicht zu den Armen dieser Welt – aber im „Schatten des Todes“ sitzen wir auch. Was für ein zutreffendes Bild. Die Tatsache unserer Endlichkeit, unseres Todes, liegt wie ein Schatten über unserem Leben.
Morgens, unmittelbar nachdem mein Wecker geklingelt hat, sitze ich für eine Minute auf der Bettkante, um zu mir zu kommen. Da geht mir immer wieder einmal durch den Kopf: „Ein Tag wird kommen, der wird dein letzter sein.“ Das ist er, der Schatten des Todes.
Jesus Christus ist nun dieses Licht der Welt. Das „Epiphaniasfest“ erinnert uns an dieses wundervolle Licht, das unser Leben hell macht. Das Volk von Galiläa, die armen Schlucker, wir „haben ein großes Licht gesehen“ – Jesus Christus. Den Leuten dem Marzahn Israels „ist ein Licht aufgegangen“ – Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist.

3. Wir müssen jetzt an der Stelle fragen, wie dieses wunderbare Licht heute in mein Leben hineinkommt. Jesus Christus gibt in seiner ersten öffentlichen Predigt die Anleitung dazu: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ „Ändert euren Sinn!“ „Kehrt um von euren falschen Wegen!“ Eigentlich habt ihr dies heute Morgen schon gemacht. Ihr seid aufgestanden, habt euch gewaschen und seid in die Kirche gekommen. Ihr seid aus eurem Alltag umgekehrt und hierhergekommen.
Hier bekommst du jetzt die Frage gestellt: Was läuft falsch in meinem Leben? Was muss sich ändern?                    -- Stille --
Und hier empfängst du die Vergebung deiner Sünden, vorhin in der Beichte und auch jetzt gleich im Abendmahl.
So kommt das Licht in dein Leben. Und dann fühlst du dich hinterher richtig gut. Ja, das darf auch etwas mit dem Gefühl zu tun haben. Mir geht es doch als Pfarrer womöglich ganz ähnlich wie dir, dass ich vorm Gottesdienst denke: „Eigentlich hast du heute keine Lust! Was wird der Pfarrer wieder predigen heute? Wie lange wird das Abendmahl bloß wieder dauern?“ und hinterher fühlt sich das richtig gut an und ich denke: „Gut, dass du da warst! Es hat dir gutgetan!“ Das ist die Wirkung des Lichtes. Gefühle sind nicht zuverlässig und Jesus Christus leuchtet in dein Leben, auch wenn du ganz anders oder vielleicht gar nichts empfindest. Aber wenn es einem geschenkt wird, darf man sich hinterher schon gut fühlen, gestärkt für die Woche, hell im Inneren.

Jesus gibt die Begründung: „denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ βασιλεία steht hier, das heißt „Königreich“. Die ersten Kirchen nannte man „Basilika“ – „Königshalle“ und man hat den König auf seinem Thron über dem Altar veranschaulicht und Christus in das Altarrund gemalt. Hier beginnt schon das Königreich der Himmel, hier scheint das Licht hell und klar in dein Leben.

Schluss: Wo würdest du niemals wohnen wollen? Berlin-Marzahn? In Galiläa oder in Hintertupfingen? Meine Erfahrung ist, dass die Sympathie für einen Ort immer davon abhängt, welche Menschen man dort kennenlernt. Halle an der Saale war zum Beispiel für meine Frau ein ziemlich schrecklicher Ort, weil sie dort als junge Frau im Wohnheim aushalten musste. Für mich ist es einer der schönsten Orte, weil ich meine spätere Frau dort besucht habe.
Jesus Christus, das Licht der Welt, vertreibt alle Schatten des Todes und leuchtet an jedem noch so dunklen Ort hell und warm in die Herzen der Menschen. Amen.