Drittletzter Sonntag 06.11.2016, von P. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript:

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Predigt üb. 2.Petr 3,3-14
Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte durch Gottes Wort; dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet. So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen.
Eins aber sei euch nicht verborge, ihr Lieben, dass e i n  Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.
Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.
Darum, meine Lieben, während ihr darauf wartet, seid bemüht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet.

Liebe Gemeinde,
nicht nur der Apostel Paulus konnte sich kompliziert ausdrücken. Sein Bruder im Glauben und Apostelkollege hatte offensichtlich eine ähnliche Begabung.
Aber vielleicht liegt seine komplizierte Predigt auch daran, dass die Sache, über die er redet, eben nicht einfach ist. Wir haben es gerade am vergangenen Mittwoch erst selbst erlebt, als wir im Frauenkreis über ähnliche Fragen gesprochen haben: Was ist am Ende des Lebens? Wie ist das mit Zeit und Ewigkeit? Was ist mit der Seele? Usw.
Wir stoßen bei diesen Fragen an unsere intellektuellen Grenzen, und dann wird es für uns schwer zu formulieren.
So ähnlich ging es wahrscheinlich auch den Aposteln, wenn sie über das Ende dieser Welt und die Ewigkeit Gottes reden sollten.

Ich will drei kurze Gedanken aus den Worten des Apostels Petrus herausfiltern, die ihr heute mit nach Hause nehmen sollt:
1) Das Ende der Welt.
2) Die Verheißung Gottes.
3) Der Zustand der Kinder Gottes.

1) Das Ende der Welt. Der Apostel Petrus weist uns darauf hin, dass diese Erde, auf der wir leben, irgendwann einmal untergehen wird – auch wenn sie schon so viele tausend Jahre existiert und wir uns das nicht vorstellen können. Die Erde wird an ihr Ende kommen. Das Spannende an der Aussage des Apostels Petrus ist, dass er sagt, wer der Auslöser für den Untergang der Erde sein wird: Das ist Gott und sein heiliges Wort. In Zeiten von Umweltverschmutzungen ungekannten Ausmaßes, Klimawandel und atomarer Neuaufrüstung singen wir ja gerne das Lied, dass der Mensch selbst seinen Lebensraum zerstört. Mag sein. Aber dass die Welt untergeht und wann das wirklich beginnt, liegt immer noch in Gottes Hand und Willen!
Es gehört auch zur Hybris der Menschen zu meinen, wir könnten unseren eigenen Untergang produzieren. Wenn wir schon keine gottähnliche, schöpferische Kraft haben, dann wenigstes das! Der Apostel Petrus sagt: Nein, es ist Gott und sein heiliges Wort.

2) Die Verheißung Gottes. Gott hat sein Wiederkommen angekündigt bzw. ankündigen lassen. Die ersten Christen rechneten damit noch zu ihrer Lebenszeit. Nun warten wir inzwischen 2000 Jahre darauf. Und viele Menschen haben in dieser Zeit die Geduld verloren und den Glauben an die Verheißung aufgegeben.
Der Apostel Petrus sagt uns klipp und klar: „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, … sondern er hat Geduld mit euch.“
Vorgestern, bei unserer Bezirkssynode in Meinersen, fragte mich einer, wie denn das nun ist mit Erwählung und Verdammung, und Luther hätte doch dies und das gesagt, habe er in einem Radiobeitrag gehört.
Meine Antwort darauf war für den Fragesteller wahrscheinlich nicht zufriedenstellend und erschöpfend genug.
Dem Apostel Petrus geht es vielleicht so ähnlich. Aber er wiederholt hier das, was er vom seinem Herrn weiß: „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, … sondern er hat Geduld mit euch und will nicht dass jemand verloren werde.“
Warum es Menschen gibt, die sich von Gott abwenden und von denen wir befürchten müssen, dass sie verlorengehen, das bleibt eine Schwierigkeit!

3) Der Zustand der Kinder Gottes. Der dritte Gedanke hat mich schon immer am stärksten beeindruckt an diesem Predigtabschnitt. Er ist im Prinzip prophetische Vorausschau: „Wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt!“
Das ist kein Befehl, sondern Vorausschau: So wird das mit euch sein, wenn die Welt untergeht, und das gilt nicht erst für das Ende aller Zeiten, sondern auch für dein persönliches Lebensende, wenn deine irdische Welt untergeht: „Wie musst du dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen!“
Manch einer denkt jetzt vielleicht: „Na ja, so doll isses da bei mir nicht mit heiligem Wandel und frommem Wesen.“
Dass der Apostel Petrus diese prophetische Vorausschau auf uns Christen, auf dich und mich hat, liegt allein daran, dass wir zu Christus gehören. Der Glaube an Christus, letztlich der Herr Christus selbst lässt uns am Ende so dastehen, wie der Apostel es beschreibt.
Das ist sehr tröstlich zu wissen. Und – um auf die letzten Zeilen des Predigttextes hinzuweisen – es gibt mir Kraft, mich darum zu bemühen, unbefleckt und untadelig im Frieden von Gott vorgefunden zu werden.

Amen.