3. Sonntag nach Trinitatis 12.6.2016, von P. Heyn

Die Predigt zum Mithören nach Manuskript:

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Predigt üb. 1.Tim 1,12-17:
Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit!

Liebe Gemeinde,
bei flüchtigem Hinschauen bzw. Hinhören könnte man meinen, der Apostel Paulus redet hier nur von sich und erzählt seinem Schüler Timotheus einen Teil seiner Lebensgeschichte. Man könnte meinen, dass uns das nichts weiter anginge, dass das nur eine Sache zwischen Paulus und Timotheus wäre. Aber dann wäre die Predigt hier schon zu Ende.
Es ist schon so, dass der Apostel Paulus hier im Gespräch mit seinem Schüler ist, dass er ihm Wichtiges weitergibt, was Timotheus unbedingt wissen muss.
Aber genau deshalb, wegen dieser Wichtigkeit, bleibt das Gesagte nicht auf Timotheus beschränkt.

Paulus erzählt von sich und seinem Leben, und er tut das, indem er eigentlich von Jesus Christus erzählt. Und es ist ganz Erstaunliches, was Paulus da anspricht!
Lasst uns in drei Abschnitten über die Worte des Apostels Paulus nachdenken und mitdenken:

1) Gott sucht sich die Leute aus, die er in seinen Dienst nimmt.
2) Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, um die Sünder selig zu machen.
3) Gott hat sich die Apostel ausgesucht, um sie als Vorbilder im Glauben einzusetzen.

1) Gott sucht sich die Leute aus, die er in seinen Dienst nimmt.
Für uns heute mit dem Abstand von rund 2000 Jahren ist der Apostel Paulus eine der Grundsäulen des Christentums, des Neuen Testaments, eine Autorität. Für die Zeitgenossen damals war er das ganz und gar nicht. Schließlich wussten alle noch, was der früher für einer gewesen war, und was er gemacht hatte. Er hatte Christen verfolgt, gejagt, gefangen, gefoltert und ins Gefängnis gebracht. Das hatte sicher einigen gefallen, aber grundsätzlich möchte man doch mit so einem Auftragskiller nichts zu tun haben. Der war der Mann fürs Grobe, für die Dinge, mit denen sich andere nicht die Hände schmutzig machen wollten. Aber nicht nur, dass er mit den langen Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen hatte; er war auch in der Gegenwart nicht unangefochten. Immer wieder gab es Konkurrenten, die ihm sein Apostelamt bestritten, die etwas anderes predigten als er, die seine Missionsgemeinden durcheinanderbrachten.
Ich hätte gut verstehen können, wenn der Apostel Paulus irgendwann die Flinte ins Korn geworfen hätte und sich irgendwohin zurückgezogen hätte, um seine Ruhe zu haben. Aber das ist nicht eingetreten.
Stattdessen schreibt er von ganz unglaublichen Erfahrungen: „Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, … ; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, … . Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist.“

Der Apostel Paulus bezeugt, dass er seine Kraft und seinen Glauben und seine Liebe zu Gott und den Menschen von Jesus Christus selbst empfangen hat. Ja, dass er besonders viel von der göttlichen Gnade erfahren und erleben durfte, gerade, weil er ein so großer Gegner des christlichen Glaubens war.
Die Lebensgeschichte des Apostels Paulus ist ein Beispiel dafür, wie Gott Menschen in seinen Dienst und dass er manchmal sogar seine schlimmsten Feinde, Lästerer und Verfolger für sich gewinnt, sie bekehrt und quasi vom Gegenteil überzeugt.
Und das ist kein Zufall, sozusagen ein Moment, in dem Gott mal Glück gehabt hat in seinem Handeln, sondern es ist sein unergründlicher und gnädiger Wille für uns Menschen, für alle Menschen, dass und wenn so etwas geschieht.
Gott sucht sich die Leute aus, die er in seinen Dienst nimmt.

2) Unser zweiter Gedanke: Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, um die Sünder selig zu machen.
Da könnten wir nun sofort sagen, „lieber Apostel Paulus, das wussten wir doch schon. Deshalb sind wir ja Christen!“
Ok, dann müssen wir uns dabei nicht lange aufhalten. Ich würde trotzdem gern noch einen Moment innehalten und bitte euch, diesen Satz nochmal genau zu hören. Natürlich ist uns der so geläufig wie nur irgendetwas in unserem Christenleben. Und doch birgt er eine ungeahnte Sprengkraft in sich.
„Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen … .“
Die Sprengkraft dieses Satzes liegt darin, dass unser wohleingerichtetes Christentum gewaltig ins Schleudern kommt, wenn wir uns bewusstmachen, dass sich dieser Satz auf alle Menschen bezieht!
Also auch die, über die wir die Nase rümpfen, mit denen wir lieber nichts zu tun haben wollen, die nicht in unsere schöne saubere, kleine, niedliche Kirche passen, die nicht den gleichen Grad an Erkenntnis haben wie wir, die im Glauben vielleicht viel ungeübter und unwissender sind als wir!
Auch und gerade für die ist Jesus Christus in die Welt gekommen! Das sollen wir nie und nimmer vergessen. Nicht nur dass wir durch unsere heilige Taufe von Sünde, Tod und Teufel gerettet sind, sondern dass es Gottes Wille ist, dass alle Menschen gerettet werden!

Das ist so ein dogmatischer Satz, den man am grünen Tisch und in der Kirchenbank gut hören kann und ihn bejaht. Aber ihn im echten Leben gelten zu lassen, damit tun wir uns manchmal schwer.
Deshalb wiederholt der Apostel Paulus ihn hier extra!

3) Bleibt noch unser dritter Gedanke: Gott hat sich die Apostel ausgesucht, um sie als Vorbilder im Glauben einzusetzen.
Glauben sehen und erleben und weitergeben funktioniert über Vorbilder!
Natürlich wissen wir: „Der Glaube kommt aus der Predigt.“ Dass wir überhaupt glauben können, das hat Gott uns ermöglicht, uns geschenkt!
Aber Gott hat uns Menschen so geschaffen, dass wir uns an Vorbildern orientieren. Die stärksten Vorbilder sind die Eltern. Und die stärksten Eindrücke gewinnen Klein- und Kleinstkinder von ihren Eltern – das ist inzwischen erwiesen! Das in den ersten Lebensjahren Erlebte prägt uns ein Leben lang!
Und weil Gott uns so geschaffen hat, deshalb brauchen wir eben auch Vorbilder im Glauben! Auch da haben die Eltern wieder eine ganz wichtige Aufgabe.
Aber für Kirche und Glauben hat Gott uns ganz besondere Vorbilder eingesetzt: die Apostel. Sie sind die Augen- und Ohrenzeugen unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Sie waren „so dicht an Gott dran“ wie sonst niemand. Und sie bezeugen alle mit ihren Lebensgeschichten, wie sie durch Gottes Willen und durch seine Gnade von Sündern, Zöllnern, Gegnern, Feinden, Verfolgern zu glaubwürdigen Zeugen unseres auferstandenen Herrn wurden.
Sie sind diejenigen, die als erste im Auftrag Gottes losgegangen sind, um das Evangelium zu verkünden und den Missionsbefehl auszuführen. Sie sind diejenigen, auf deren Fundament und Zeugnis noch heute unsere Kirche, die Kirche Jesu Christi ruht und sicheren Stand hat.
Weil Gott die Apostel zu den ersten und wichtigsten Vorbildern des Glaubens an Jesus Christus gemacht hat, und weil durch ihr Vorbild der Glaube weitergetragen wurde, deshalb sind wir apostolische Kirche – so wie wir es im Glaubensbekenntnis bekennen.
Eine Kirche, die vom apostolischen Glauben abweicht, die die Inhalte des Glaubens aufgibt, die sich selbst feiert, ist keine apostolische Kirche und damit auch keine Kirche Jesu Christi mehr.

Liebe Gemeinde, bei flüchtigem Hinschauen bzw. Hinhören könnte man meinen, der Apostel Paulus redet hier nur von sich und erzählt seinem Schüler Timotheus einen Teil seiner Lebensgeschichte. Aber das wäre – ehrlich gesagt – ein bisschen wenig und vor allem kein Grund am Sonntagmorgen aufzustehen und in die Kirche, in den Gottesdienst zu gehen.
Paulus erzählt dem Timotheus und uns an seinem eigenen Beispiel die große Güte und Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die Liebe, die Gott für uns empfindet. Und weil diese Liebe Gottes uns das ewige Leben schenkt und uns ins ewige Leben zieht, in das einzige Leben, das wirklich richtig schön ist – ohne Sünde, ohne Ärger, ohne Scheitern, ohne Tod, deshalb muss der Apostel Paulus davon reden und deshalb müsst ihr das heute morgen unbedingt hören!
„Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit!
Amen.