Invokavit 22.2.2015, von Gottfried Heyn

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Predigt üb. Mt 4,1-11
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“ Er aber antwortete und sprach: „Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«“ Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: „Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«“ Da sprach Jesus zu ihm: „Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«“ Darauf führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Da sprach Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan! denn es steht geschrieben: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«“ Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Liebe Gemeinde,
„der größte Trick, den der Teufel je hatte, ist, dass er die Welt hat glauben lassen, dass es ihn nie gab, doch das ist nicht wahr, selbst das ist nicht wahr.“ – so lautet der Refrain eines Songs der Musikformation „Rosenstolz“. Um die Existenz und die Machenschaften des Teufels geht es heute in ganz besonderer Weise. In manchen kirchlichen Kreisen wird man ja sogar dafür belächelt, dass man noch an die Existenz des Teufels glaubt, und so … Die Geschichte von der Versuchung unseres Herrn in der Wüste, die wir vorhin gehört haben, will uns zeigen, dass der Teufel eine ganz reale Macht ist. Selbst Gottes Sohn ist mit dieser Macht in Berührung gekommen. Der Teufel war Jesus beängstigend nahe gekommen. Vielleicht haben wir noch keine vergleichbaren Erfahrungen gemacht. Aber wir sollten ernstnehmen, dass es eine oder mehrere gottfeindliche Mächte gibt, die gegen Gott und seine Leute kämpfen. Auch wenn wir damit von anderen vielleicht als altmodisch und ein bisschen religiös übertrieben gehalten werden. Ich finde, der eben von mir zitierte Text von „Rosenstolz“ hat das genau auf den Punkt gebracht: „Der größte Trick, den der Teufel je hatte, ist, dass er die Welt hat glauben lassen, dass es ihn nie gab, doch das ist nicht wahr, selbst das ist nicht wahr.“ Schauen wir noch einmal auf die Geschichte von der Versuchung Jesu, dann fallen ein paar Details auf. Drei will ich herausgreifen und ein bisschen näher anschauen:

1) Der Weg in die Wüste
2) Die Versuchung
3) Die Befreiung vom Teufel

1) Unser erster Gedanke: der Weg in die Wüste. Absolut erstaunlich ist ja, was hier gesagt wird: „Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt, damit er vom Teufel versucht würde.“ Theologisch-dogmatisch könnte uns jetzt interessieren, wie sich das innerhalb der Dreieinigkeit Gottes verhält: Gott der Heilige Geist führt Gott den Sohn in die Wüste. Also hat Gott sich selbst in diese Lage gebracht? Und wie verhalten sich göttliche und menschliche Natur Jesu bei dieser Geschichte zueinander? Aber wichtiger finde ich die Feststellung, dass Gott es nicht nur zulässt, sondern sogar betreibt und forciert, dass Jesus in eine Situation kommt, die ihn der Versuchung durch den Teufel aussetzt. Für einen Moment könnte man an Folter denken: einen Menschen durch körperliche Qualen dazu bringen, dass er zu allem bereit ist, was man von ihm fordert. Aber das wäre zu weit gegangen. Denn Gott foltert niemand. Aber es kann wohl sein, dass Gott deinen Glauben prüfen will, dass er dich in Situationen führt, in denen es um deinen Glauben geht, in denen es um alles oder nichts geht. Man kann in einer Fastenzeit ganz wunderbare Erfahrungen machen, wie Körper und Geist sich auf die veränderte Ernährungssituation einstellen. Man kann aber auch merken, wie man an die Grenzen des Erträglichen kommt. Manchmal erlegt Gott einem solchen Fastenzeiten auf. Es ist gut, wenn wir diese Zeiten erkennen und ertragen.

2) Der zweite Gedanke: die Versuchung. Der Teufel fragt Jesus insgesamt dreimal: zweimal mit dieser hinterlistig scheinheiligen Frage „Bist du Gottes Sohn, so …“ und beim dritten Mal versucht er es mit der Bedingungsfrage: wenn – dann. Die Frage der Schlange im Paradies war genauso hinterlistig: „Sollte Gott gesagt haben …?“ Und der Teufel geht immer aufs Ganze. Er packt Jesus bei den elementarsten Dingen. Jesus soll Steine zu Brot machen. Er soll sich in den Tod stürzen. Er soll sich mit den Reichen dieser Welt bestechen lassen. Das ist ja überhaupt der Gipfel, dass der Teufel im Ernst glaubt, den Schöpfer und Erhalter der Welt mit geschaffenen Dingen bestechen zu können. Unglaublich! Immer wieder will der Teufel Zweifel säen. „Wenn du Gottes Sohn bist, dann kann dir doch gar nichts passieren!“ „Wenn du zu Gott gehörst, dann bist du doch sicher. Probier‘s doch mal!“ Ich glaube, wir können uns viel mehr in diese Situation hineinversetzen als wir zu Anfang zugeben wollten. „Dass es einen Teufel gibt, das glaube ich nicht!“ Aber diese nagenden Fragen kennen wir alle. „Sollte Gott gesagt haben …?“ Das schlimme an der Versuchung des Teufels ist: man kann nicht mal ausprobieren, und wenn‘s heiß wird die Hand zurückziehen. Sondern reichst du dem Teufel den kleinen Finger, nimmt er nicht nur die ganze Hand, sondern reißt an dir und deiner ganzen Person, gnadenlos, bis er dich hat!

3) Unser dritter Gedanke: die Befreiung vom Teufel. Dreimal wird Jesus versucht. Dreimal antwortet er mit einem Bibelzitat. Und dann folgt dieser einfache Satz: „Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.“ In meiner Wahrnehmung zieht durch diesen Satz immer ein ganz großer Friede in diese Szene ein. Der Teufel muss Jesus verlassen. Er kann die Gegenwart Gottes durch sein heiliges Wort nicht ertragen. Mir haben Leute schon von seltsamen und unheimlichen Erlebnissen berichtet, die scheinbar unerklärlich sind. Und sie haben mich gefragt, weil sie sagten: „Du bist doch Pastor. Glaubst du mir, was ich dir erzähle? Lachst du mich auch nicht aus?“ Und vor allem: „Kannst du mir helfen? Was soll ich machen?“ Ich bin der festen Überzeugung, dass man den Teufel nur mit Gottes Hilfe bekämpfen kann – durch sein Wort und die Sakramente, durch das Aufstellen eines Kreuzes, durch beten und glauben. Ein Kreuz aufstellen und eine Bibel im Schrank haben, aber nicht an Gott glauben, das hilft nicht. So sehr wir immer davon reden, das der Glaube ein Geschenk ist, heute und im Zusammenhang mit dieser Geschichte geht mir auch immer durch den Kopf: glauben heißt vertrauen. Und Vertrauen kann man sich gegenseitig nur, wenn der jeweils andere Vertrauen aufbringt und entgegenbringt. Deshalb gilt: Nur wenn du Gott Vertrauen entgegenbringst, wenn du glaubst, dass er dir hilft, dann wird er dir auch Vertrauen schenken. Liebe Gemeinde, „der größte Trick, den der Teufel je hatte, ist, dass er die Welt hat glauben lassen, dass es ihn nie gab, doch das ist nicht wahr, selbst das ist nicht wahr.“ Vielleicht ist das die größte Versuchung, der wir ausgesetzt sind, zu glauben, dass es gar keinen Teufel gibt. Wenn das so ist, oder wenn es dir so geht, dann nimm das heute ernst, was uns von Jesus erzählt wird, nämlich dass er dem Teufel begegnet ist. Aber lass dir auch sagen, dass Jesus, der unser Herr ist, den Teufel besiegt hat. Und seit wir getauft sind, sind wir im Schutzbereich Gottes.
Gott sei Dank! Amen.