7. Sonntag nach Trinitatis 19.7.2015, von P. Heyn

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Predigt üb. Mt 28.16-20
Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Liebe Gemeinde,
Rückblende: Es war gut einen Monat nach dem denkwürdigen Passahfest in Jerusalem. Die Jünger waren allein, ohne ihren Meister, auf einem Berg in Galiläa. In diesem Jahr war alles so ganz anders gewesen als sonst. Das Passahfest, die Pilger- und Touristenmassen in Jerusalem, der Tempel, das allgegenwärtige römische Militär – das alles war eigentlich nur Kulisse gewesen für diese eine Geschichte, die sie bis ins Mark erschüttert hatte und die sie alle verändert hat: Der triumphale Einzug in Jerusalem, dann dieses seltsame Passahmahl mit Jesus, dann die nächtliche Wanderung durch den Garten Gethsemane, die Gefangennahme ihres Meisters, seine Verurteilung, seine Hinrichtung am Kreuz, wie ein Verbrecher, und dann gleich der nächste Skandal – das leere Grab und kurz danach die Erscheinungen des Auferstandenen. Irgendwie waren sie froh, dass sie aus diesem Hexenkessel Jerusalem heraus waren. Hier oben auf den Bergen in Galiläa konnte man wenigstens frei atmen und seinen Blick über die Berge und Täler schweifen lassen. Das wusste Jesus sicher auch. Deshalb hatte er sie vermutlich hierher geschickt, damit sie sich ein bisschen erholen konnten von all den Strapazen. Und plötzlich sehen sie ihren Herrn und Meister. Er ist mit ihnen auf diesem Berg. Sie sind erstaunt, vielleicht sogar erschrocken, sind sich nicht ganz sicher, ob sie ein Phantom sehen, aber sie fallen auf ihre Knie, beinahe automatisch. Es heißt: „Einige aber zweifelten.“ Und dann spricht Jesus zu ihnen, aber nicht irgendeine Begrüßung oder etwas zur Auflockerung, sondern diesen berühmten und zugleich programmatischen Satz, den wir alle kennen: den Tauf- oder Missionsbefehl. Er wird heutzutage, bei uns, bei jeder Taufe verlesen als Erinnerung daran, in wessen Auftrag und auf wessen Befehl hin ein Mensch getauft wird. Die Konfirmanden lernen den Missionsbefehl auswendig. Er gehört zur eisernen Ration von Schriftworten, die wir im Kopf haben. Und manchmal wird dieser programmatische Satz unseres Herrn auch als Druckmittel verwendet: „Du musst aber Mission betreiben!“ Es wäre schade, wenn wir nur diesen letzten Aspekt im Gedächtnis behielten! Ich will drei Gedanken kurz ansprechen, die sich mit diesem berühmten Satz verbinden lassen:

1.) Jesus zerstreut die Zweifel der Jünger.
2.) Jesus gibt seinen Jüngern einen Auftrag.
3.) Jesus verspricht seine machtvolle Gegenwart.

1.) Jesus zerstreut die Zweifel der Jünger. Wir diskutieren ja immer mal wieder darüber, ob es uns Christen erlaubt ist zu zweifeln, also etwas von dem, was wir glauben, in Frage zu stellen. Einige wissen dann natürlich sehr schnell zu sagen, dass man nicht zweifeln darf und dass man das so oder so glauben muss! Aber dann wird der Glaube zum Werk, das wir tun, und das Zweifelverbot ist einfach unbiblisch. Denn Christus hat niemals gesagt, dass man glauben muss, und er hat niemand verboten, etwas in Zweifel ziehen zu dürfen. Es wird ja sogar hier in unserer kleinen Geschichte berichtet: „Einige aber zweifelten.“ Der Zweifel gehört offenbar zum Glauben dazu. Das andere Extrem sind die, die grundsätzlich erst einmal alles in Zweifel ziehen und nichts gelten lassen. Das ist auch nicht gut und so nicht gedacht! Jesus weiß, dass einige seiner Jünger zweifeln. Er weiß, dass wir in Zeiten und Situationen geraten können, wo wir an seiner Macht, an seiner Hilfe, an seiner Gegenwart zweifeln, wo wir uns ganz unsicher sind, ob er überhaupt da ist, ob unser Glaube nicht ein Hirngespinst ist. Er weiß, wie sich das anfühlt. Ich glaube, er hat selbst Momente des Zweifels erlebt – im Garten Gethsemane zum Beispiel. Weil Jesus weiß, wie es seinen Jüngern, wie es uns manchmal geht, deshalb zerstreut er unsere Zweifel, indem er sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Es kann sein, dass dir irgendetwas übermächtig erscheint, hinter dem du deinen Herrn und Heiland nicht mehr sehen kannst: eine Krankheit, eine Belastung, eine dunkle Wolke in deinem Leben. Da kann man schon mal in Zweifel geraten, ob Gott denn wirklich noch da ist. Aber genau in diesen Momenten tröstet dich Christus selbst mit seiner gewaltigen Machtansage: „Egal, was dich gerade belastet, was dir zu schaffen macht, oder welche Probleme dir auf den Leib rücken und die Seele abschnüren: Ich bin immer noch der Chef. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“

2.) Unser zweiter Gedanke: Jesus gibt seinen Jüngern einen Auftrag. Es ist ein bisschen wie in der Notfallseelsorge. Da haben wir ja auch ein paar Grundregeln gelernt, wie man Menschen in außergewöhnlichen Situationen helfen und beistehen kann. Und eine dieser Grundregeln heißt: „Ressourcen aktivieren“. Das heißt, wenn Menschen ihren ersten Schock überwunden haben, die erste Sprachlosigkeit zusammen ausgehalten ist und überwunden ist, dann muss das Leben weitergehen. Und das tut es am besten, wenn man etwas macht, was man kann – trotz allem! Und wenn es erstmal ein Kaffee ist, den man kocht. Sowas Ähnliches macht Jesus hier auch: Er aktiviert die Ressourcen seiner Jünger. Obwohl sie zutiefst erschütternde Tage und Wochen hinter sich haben, Erlebnisse, die sie an allem zweifeln lassen, haben sie noch Ressourcen in sich. Und die aktiviert Jesus, indem er ihnen einen Auftrag gibt: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Die Jünger bekommen eine neue Aufgabe, die sie voll und ganz ausfüllt. Es bleibt also eigentlich gar keine Zeit, den traumatischen Erlebnissen in der Vergangenheit nachzuhängen oder sich an frühere Zeiten zu erinnern, als ihr Leben noch „in Ordnung“ war. Und noch etwas ist wichtig: Jesus aktiviert nicht einfach die vorhandenen Ressourcen der Jünger, sondern er verknüpft seinen Auftrag mit dem ersten Satz, seiner Machtansage: „Darum gehet hin …“ Also, nicht aus eigener Kraft sollen die Jünger so etwas Unglaubliches tun wie die ganze Welt zu missionieren, sondern weil unser Herr, der ist, dem alle Macht gegeben ist.

3.) Unser dritter Gedanke schließt daran an: Jesus verspricht seine machtvolle Gegenwart. Bei dem Auftrag Jesu könnte man ja schon wieder Angst kriegen und in Zweifel geraten. „Werden wir das überhaupt schaffen?“ Genau, weil Jesus diese Befürchtungen von uns kennt, sagt er uns heute: „Ihr braucht keine Angst zu haben. Ich bin doch bei euch! Und selbst wenn die Welt untergeht – und das wird sie irgendwann – ich bleibe bei euch! Eigentlich unglaublich, was für einen Herrn wir haben! Er ist bei uns durch sein Wort und Sakrament. Er ist bei uns im Gebet. Er ist bei uns durch seine heiligen Engel. Welcher Herrscher sonst kann so etwas bieten? Liebe Gemeinde, Rückblende: Es war gut einen Monat nach dem denkwürdigen Passahfest in Jerusalem. Die Jünger waren allein, ohne ihren Meister, auf einem Berg in Galiläa. In diesem Jahr war alles so ganz anders gewesen als sonst. Und jetzt tritt Jesus plötzlich zu ihnen und redet ganz neue Worte, die er bisher noch nie gesagt hatte. Keine Gleichnisse mehr, sondern echte direkte Machtansage. Er ist der einzige Gott, der so redet. Wie gut, dass wir zu ihm gehören und unter seinem Schutz leben. Amen.