1. Sonntag nach Epiphaias 11.01.2015 (Beichte), von P. Heyn

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Beichtansprache üb. Mt 3,13-14
Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“

Liebe Beichtgemeinde,
eine skurrilere Situation kann man sich wahrscheinlich kaum vorstellen: Johannes der Täufer, der Prophet, der Herold, der Wegbereiter steht plötzlich seinem Herrn und Auftraggeber, Gott in menschlicher Gestalt, gegenüber. Dieser hat sich in die Schlange der wartenden Menschen eingereiht und begehrt dasselbe, was hier, an dieser Stelle am Jordan, alle wollen: Er will von Johannes getauft werden. Das ist so ähnlich, als wenn – verzeiht die Vorstellung – Jesus in eine Kirche käme und sich beim Pastor in der Sakristei zur Beichte und zum Abendmahl anmelden würde. Johannes hat geistesgegenwärtig reagiert und sofort begriffen, dass hier die Verhältnisse plötzlich völlig gewechselt haben. „Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde.“ Ob das eine schlagartig einsetzende oder eine lange gereifte, durchbetete und gewachsene Erkenntnis bei Johannes war, wissen wir nicht. Auf jeden Fall wird sie in Gegenwart des Herrn so intensiv, dass Johannes sie ausspricht. Und diese beiden Gedanken können und sollen uns heute zur Beichte helfen: zum einen die Erkenntnis, dass wir vor Gott schuldig geworden sind, weil wir seine Gebote nicht in allen Stücken gehalten haben, nicht halten konnten, die Erkenntnis, dass wir den Zuspruch seiner Vergebung brauchen, weil wir die Dinge allein nicht wieder in Ordnung kriegen, die Erkenntnis, dass Gott uns waschen, reinigen, taufen muss bzw. uns zu unserer Taufe zurückholen muss, dass er unser weißes, reines Taufgewand wieder waschen muss, weil es schmutzig geworden ist durch unsere Sünde und Schuld, zum anderen, dass wir das vor Gott aussprechen – das Eingeständnis unserer Verfehlungen, unsere Hilflosigkeit, unsere Vergebungsbedürftigkeit, unser Vertrauen auf die Gnade Gottes. Wir sind nicht Johannes der Täufer, und wir sollten uns nicht anmaßen zu sagen, dass wir das Maß seiner Erkenntnis hätten! Aber wir kennen unseren Herrn und Heiland, wir wissen, wie seine Gebote lauten und was sein Wille ist, und wir vertrauen auf seine Gnade und Barmherzigkeit. Deshalb lasst uns jetzt vor Gott treten wie Johannes der Täufer und ihn um seine Vergebung bitten. Amen.