Predigt

Neujahr, gehalten am 1. Januar 2014, von Bischof Voigt

(Die Predigt zum Mithören nach Manuskript: )

Predigt für den Neujahrstag, dem Tag der Namengebung und Beschneidung Jesu, 1. Januar 2014 Reihe VI (III): Genesis 17,1-8 1
Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. 2 Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren. 3 Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: 4 Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. 5 Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. 6 Und ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen und auch Könige sollen von dir kommen. 7 Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, dass es ein ewiger Bund sei, sodass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. 8 Und ich will dir und deinem Geschlecht nach dir das Land geben, darin du ein Fremdling bist, das ganze Land Kanaan, zu ewigem Besitz und will ihr Gott sein.

Liebe Gemeinde!
Jedes Jahr am Neujahrstag höre ich so zu sagen in meinem geistigen Ohr die tiefe Stimme meines Großvaters, wie er die Abendandacht begann: „In Jesu Namen!“ Und meine Großmutter antwortete „Amen.“ Dann begann er die Abendandacht zu lesen. „In Jesu Namen!“ so fangen wir dieses neue Jahr an. Da trifft es sich gut, dass dieser 1. Januar immer auch der Tag der Namengebung und Beschneidung Jesu ist. Der Evangelist Lukas berichtet von Jesus, dem Neugeborenen: „Als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.“ Diese „acht Tage“ nach der Geburt Jesu fallen mit unserem Neujahrsfest zusammen und das passt inhaltlich auch gut zusammen, denn: „In Jesu Namen!“ ist solch ein Jahr allemal gut begonnen. Einleitung: Unser Predigtwort freilich setzt lange vor der Geburt Jesu an, bei der Gestalt Abrahams. Er ist es, dem Gott die Beschneidung geboten hatte. Er ist es, mit dem Gott hier seinen Bund schließt. Bei uns in Deutschland wäre Abraham bereits seit 34 Jahren in Pension, denn er war bereits 99 Jahre alt! Er würde einmal im Jahr mit Sara eine „Studiosus-Bildungsreise“ machen und im Herbst einen kleinen Kuraufenthalt buchen. Krebsvorsorge, Autoreparatur und gelegentlich kommen die Enkel zu Besuch. Halt! Enkel hatte Abraham nicht , denn seine Frau Sara hatte überhaupt keine eigenen Kinder. Das war ihr Problem und hier setzt Gott an.

1. „Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm.“ Gott erscheint dem Abraham, der hier noch Abram heißt. Gott redet ihn an, um ihm erneut zu versprechen, dass er Kinder und Enkel haben soll. Doch zunächst heißt es: „Wandle vor mir und sei fromm.“ Es lohnt sich, am Neujahrstag bei diesem kleinen Satz ein wenig zu verweilen. „Wandle vor mir“ dafür steht im Hebräischen Text eine sehr anschauliche Formulierung: gehe „לְפָנַ֖י „ - „vor meinem Gesicht“, so heißt das wörtlich. Abraham soll vor Gottes Gesicht leben. Das ist wie in meinem Büro: Auf meinem Schreibtisch sieht es gelegentlich chaotisch aus. Briefe, Bücher, eine Geburtstagsliste, Kugelschreiber, Textmarker liegen da durcheinander. Gelegentlich kommt es dann vor, dass ich einen Anruf bekomme: „Ja, hallo, hier ist Pfarrer sowieso, Bischof sowieso aus Weit-weit-her. Wir sind gerade auf der Durchreise und würden gern mal reinschauen!“ Da sagt man nicht nein und plötzlich sehe ich mein Zimmer mit den Augen des zu erwartenden Gastes und ich sehe das Chaos. Ich beginne aufzuräumen, die unerledigte Post ordentlich auf einen Stapel zu schichten, die Ordner, Bücher und Stifte ordentlich hinzulegen und mit einem Lappen noch über den völlig verstaubten Bildschirm zu wischen - eben „im Angesicht eines Gastes“. Ein Leben לְפָנַ֖י -im Angesicht Gottes, das tut uns für das neue Jahr gut. Plötzlich sehen wir alle die Unaufgeräumtheiten unseres Lebens und was meine Gäste im Kirchenbüro nicht können, das kann Gott: Er räumt selbst auf in meinem Leben und schenkt mir Vergebung für alle Schuld. Gehe im Angesicht Gottes „und sei fromm.“ so übersetzt Luther weiter. Auch hier lohnt ein genauer Blick auf die Worte: Hebräisch heißt es hier statt „fromm“ - „vollständig / ganz“. Abraham soll „ganz“ sein. Frömmigkeit ist keine Sache der Moral, sondern der Zugehörigkeit. Du bist ein Kind Gottes und gehörst zu ihm „ganz“, „ganzheitlich“. Eine gute Anrede Gottes auch für uns in diesem neuen Jahr: „Wandle vor mir und sei fromm“ oder „Gehe im Angesicht Gottes - und sei ganz sein.“

2. Nach dieser Anrede ist es aber Gott selbst, der hier handelt. Gott schließt seinen Bund, seinen Vertrag mit Abraham: „Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker.“ Wir erinnern uns: Abraham, 99 Jahre alt, seine Frau nicht viel jünger, Kinder: keine! Gottes Verheißung ist groß! Und zum Zeichen dafür, dass hier mit Abraham etwas ganz Neues beginnt, ändert Gott seinen Namen. Das war zum Beispiel bei Königen üblich, dass sie bei der Thronbesteigung den Namen änderten. Aus „Abram“ wird „Abraham“. Das heißt auf Hebräisch „Ab“ für Vater und „הָמֹון„ für den „Lärm“, den viele Völker, viele Leute, machen. „Vater von viel Völkerlärm“ - so der neue Name Abrahams. Welchen Wunschnamen hättest du gern? „Der Gesunde“? „Die Fröhliche“? Oder hättest du gern den Namen „Streitenicht“? Wie wäre es mit „Friedlinde“ oder „Gottfried“? Für Abraham verspricht Gott dass Könige aus diesen Völkern hervorgehen sollen. Es ist bemerkenswert, dass Gott hier nicht von einem Volk spricht, sondern von „vielen Völkern“! Von vornherein ist beschränkt sich Gott nicht auf ein Volk, sondern er denkt hier bereits an Mongolen, Syrer, Chinesen, Vietnamesen und Deutsche. Von Jesus Christus her sehen wir, wie vielschichtig und genau diese Verheißung in Erfüllung gegangen ist. Die Könige David und Salomo gehören zur Verwandtschaft Abrahams und schließlich ist Jesus Christus „Abrahams Sohn“. Und durch Jesus Christus warten auch wir auf ein „ewiges Kanaan“ - ein ewiges Land, an das Abraham vielleicht noch gar nicht gedacht hat. Gott macht schon gewaltig große Versprechen - und er hält sie auch.

3. Das Zeichen dieses Bundesvertrages, so zu sagen die Unterschrift Abrahams darunter, war die Beschneidung aller männlichen Kinder. Wir lesen wenige Verse weiter: „Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden.“ Damit sind wir wieder bei dem heutigen 1. Januar 2014 angelangt, dem Tag der Beschneidung Jesu und unserem Neujahrstag. Jesus Christus erfüllt den alten Bundesvertrag Gottes mit Abraham, um dann schließt einen neuen Bundesvertrag mit dir und mir abzuschließen. Dass solche Verträge unbedingt einzuhalten sind, haben wir in den letzten Tagen hier in Hannover in der Zeitung lesen können. Da wird zum Beispiel ein Trainer entlassen aber er bekommt die vereinbarte Vertragssumme ausgezahlt. In meinen Unterlagen zu Hause habe ich den Bundesschluss mit einer Lebensversicherungsgesellschaft. Sie versprechen mir, wenn ich immer einzahle, dass sie mir nach etlichen Jahren wieder eine Summe auszahlen und die Hoffnung, dass dies etwas mehr ist, als ich eingezahlt habe, ist noch nicht aufgegeben. Der Bundesvertrag Jesu mit dir ist noch sehr viel besser: Du brauchst gar nichts einzuzahlen und er zahlt dir aus, jeden Sonntag, in Brot und Wein die engste Verbindung mit sich selbst, seinen Leib und sein Blut. Und er verspricht dir wie Abraham ein neues Land, eine ganze Ewigkeit.

Noch einmal zurück zu Abraham, jener interessanten Gestalt des alten Bundes: 99 Jahre war er alt als Gott seinen Bund mit ihm schloss. Was hat Gott mit dir in diesem Jahr vor mit deinen schlappen 83 oder 74 oder 52 oder 35 oder 18 Jahren? Wir wissen es noch nicht. Aber interessant wird es allemal auch werden und in seinem Namen und mit seinem Bund und Vertrag abgesichert fangen wir es an, getrost und fröhlich. „In Jesus Namen!“ Amen.