Ewigkeitssonntag 23.11.2014, von P. Heyn

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Predigt üb. 2.Petr 3,3-13
Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, die ihren Spott treiben, ihren eigenen Begierden nachgehen und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. Denn sie wollen nichts davon wissen, dass der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde, die aus Wasser und durch Wasser hatte durch Gottes Wort; dennoch wurde damals die Welt dadurch in der Sintflut vernichtet. So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Liebe Gemeinde, wer von euch ist wegen seines christlichen Glaubens schon einmal verspottet worden? Wer wurde deswegen gehänselt oder ausgelacht? Oder wer hat zumindest schonmal dumme Bemerkungen darüber gehört, wie bescheuert es doch ist, an Gott zu glauben? Im Knast haben sie mal zu mir gesagt: „Guck mal, da kommt der Himmelskomiker!“ – wobei das eine Mischung aus Verspottung und einer gewissen Anerkennung war, Zeichen für die Unsicherheit, wie man denn über oder sogar mit einem Pastor reden könnte. Der Apostel Petrus hat uns das angekündigt. „Ihr sollt vor allem wissen, dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden, …“ Insofern ist das gar nichts besonders Verwunderliches, wenn wir verspottet werden, auch wenn es für den einzelnen betroffenen Christen manchmal durchaus schlimm sein kann! Viel wichtiger ist aber das andere, was danach kommt. Denn das dient zu unserem Trost. Das redet von der Ewigkeit, vom Ziel unseres Glaubens und Lebens. Lasst uns in drei kurzen Abschnitten über das nachdenken, was der Apostel Petrus aufgeschrieben hat:

1) Der Herr hat Geduld mit euch.
2) Die Erde wird untergehen.
3) Die Erwartung der Gläubigen.

1) Also unser erster Gedanke: Der Herr hat Geduld mit euch. Die Spötter sagen: „Wo bleibt die Verheißung seines Kommens?“ Die können sich nämlich nicht vorstellen, dass unser Gott lebt und dass er einen Plan hat und diesen umsetzt. Sie machen sich darüber lustig, dass wir an einen unsichtbaren Gott glauben. Sie meinen, dass wir einem Hirngespinst nachjagen. Was für ein Irrtum! „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde!“ Dass Gott mit den Menschen, mit uns Geduld hat, das können sich viele nicht vorstellen. Sie kennen nur das andere: das Ungeduldigsein ihrer Chefs und Vorgesetzten, die Unnachgiebigkeit des Partners, die Ungeduld der Kinder, das Getriebensein und Angetriebensein von irgendwelchen Mächten oder Vorstellungen oder einfach nur von dem, „was die Leute denken“! Wie schön ist es, dass es einen gibt, der Geduld mit uns hat, der uns eine Chance gibt. Und noch eine, wenn wir die erste vergeigt haben. Und dann noch eine. Und noch viele! Wie schön, dass es einen gibt, dessen Uhr anders geht als unsere hastig und wie Sand zwischen den Fingern verrinnende Zeit! Wie schön und vor allem wie ungeheuer entlastend ist es zu wissen, dass Gott Geduld mit dir hat, dass er dir Zeit gibt, die Zeit deines Lebens. Christus hat nicht vergessen wiederzukommen, er hat sich auch nicht verspätet wie ein ICE der Deutschen Bahn. Uns kommt es lang vor: 2000 Jahre! Wenn das die Thessalonicher wüssten! Die, die damals in der Erwartung gelebt haben, dass der Herr Christus zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde! In Gottes Augen sind diese 2000 Jahre ein Klacks. Gott hat Geduld mit dir. Er gibt dir eine Chance. Er will, dass du von deinem sündebeladenen Weg umkehrst und dich zu ihm bekehrst!

2) Unser zweiter Gedanke: Die Erde wird untergehen. Die Zeit, die wir haben, die Geduld, die Gott mit uns hat, ist nicht unendlich. Im Gegenteil: Sie ist endlich. Und wir wissen nicht, wann sie zu Ende ist. Wie ein Dieb in der Nacht, der unangemeldet auftaucht, so wird der Tag des Herrn anbrechen. In den Zeiten des Kalten Krieges da war immer mal davon die Rede, dass es so viele Atomwaffen gibt, dass wir die Erde -zigmal vernichten könnten. Im Moment sind die gedachten Weltuntergangsszenarien vielleicht etwas in den Hintergrund getreten. Aber die Angst davor, dass hier alles irgendwann zu Ende sein könnte und unsere Erde in einem Inferno untergehen könnte, die ist latent vorhanden. Manche Politiker und selbsternannten Weltverbesserer, Idealisten und ernstzunehmende Menschen engagieren sich dafür, dass die Erde nicht zerstört wird, dass sie nicht untergehen soll. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Dieses Engagement in allen Ehren! Aber wir Christen wissen, dass es ein Ende unserer Welt geben wird, einen Jüngsten Tag, an dem die Erde untergehen wird. Und nach den Voraussagen der Apostel wird das nicht in einem sanften und seichten Hokuspokus sein, sondern schrecklich und erschreckend! Der Apostel Petrus beschreibt es uns mit drastischen Worten. Und er will damit erreichen, dass wir ganz nüchtern und realistisch bleiben bzw. werden. Wir sollen verantwortlich mit der uns gegebenen Schöpfung umgehen. Aber wir werden ihre endgültige Vernichtung nicht verhindern. Das Zeitliche, das Geschaffene, das Vergängliche muss dem Ewigen, dem Ungeschaffenen, dem Unvergänglichen weichen und Platz machen.

3) Unser dritter Gedanke: Die Erwartung der Gläubigen. Das ist eigentlich das beste und wunderbarste an unserem Predigttext: die Aussage über die Erwartung der Gläubigen: „Wenn nun das alles zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt!“ Das ist keine Aufforderung, kein Zwang, kein Gesetz, sondern das ist ein Ausruf! Wie gut muss es euch dann gehen, wenn um euch herum alles im Chaos versinkt und zerstört wird! Dann steht ihr da, „in heiligem Wandel und frommem Wesen“! Lutherdeutsch lässt grüßen! Kann man das auch ein bisschen verständlicher sagen? Wenn die Welt untergehen wird, wenn euer Leben dem Grab zueilt, wenn ihr das Ende der Schöpfung am eigenen Leib spüren werdet, wie wunderbar und herrlich werdet ihr dann dastehen! Nicht in den Augen der Menschen – die sehen nur auf den Verfall und die Zerstörung und den Niedergang – sondern in den Augen Gottes! Er schaut auf euch und leitet euch mit seiner rechten Hand durch das größte Chaos, durch das tiefste Tal, ja sogar durch den Tod hindurch! „In heiligem Wandel“ – das heißt, ihr seid auf dem Weg zu Gott, in seine Herrlichkeit! Vorbereitet und auserwählt vor dem Thron Gottes stehen zu dürfen! „In frommem Wesen“ – das heißt, euer ganzes Sein ist auf Gott ausgerichtet. Es wird von Gott verwandelt und neu geschaffen. All das gilt für euch, weil ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, weil wir wie die Urgemeinde in Jerusalem, wie die Thessalonicher und Korinther und all die anderen vor uns wissen und glauben und darauf hoffen, dass wir ans Ziel unseres Lebens gelangen: in die Ewigkeit Gottes. Liebe Gemeinde, wer von euch ist wegen seines Glaubens schon einmal verspottet worden? Ich vermute, fast jeder von euch. Und wie ist es euch in dieser Situation ergangen? Seid ihr die großen Glaubenshelden gewesen oder habt ihr Angst gehabt und wart froh, aus dieser Situation irgendwann wieder herausgekommen zu sein? Der Apostel Petrus weiß genau, wovon er redet. Er macht uns auch keine Vorhaltungen deswegen. Er gibt uns aber mit auf den Weg, was unser Herz ausfüllen soll, und womit wir uns trösten lassen dürfen, den Inhalt der christlichen Hoffnung: „Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ Amen.