3. Advent 7.12.2014, von P. Heyn

(Die Predigt zum Mithören nach Manuskript: )
(Der komplette Gottesdienst zum Hören: )

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Predigt üb. Mt 11,2-10
Als Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem Volk von Johannes zu reden: „Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet. Dieser ist’s, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“

Liebe Gemeinde,
warum seid ihr heute in die Kirche gekommen? Was habt ihr erwartet, was es hier wohl zu sehen gibt? Oder was wolltet ihr erleben? Wieso seid ihr zum Gottesdienst gekommen? Warum habt ihr euch heute morgen früh aufgemacht, um in die Kirche zu fahren, anstatt auszuschlafen und dann gemütlich im Bett zu frühstücken? Diese Fragen könnten wir wohl – so meine ich – noch relativ leicht beantworten. Die Antworten würden unterschiedlich ausfallen, und nicht jeder wäre mit den Antworten der Anderen zufrieden und einverstanden, aber immerhin … Als ich am vergangenen Dienstag meine Konfirmanden in Rodenberg gefragt habe, warum gibt es die Adventszeit, worauf warten wir in diesen Wochen? Da konnten sie schon ganz richtig antworten: auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu. Aber dass wir gleichzeitig noch in einem zweiten Advent leben, dass wir auf das Wiederkommen unseres Herrn warten, das war ihnen noch nicht bewusst. Da waren sie noch völlig ahnungslos. Davon wussten sie nichts. „Wir haben Advent, aber warum? Keine Ahnung.“ „Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen?“ Ich könnte auch euch jetzt fragen: „Jetzt ist wieder Advent, ihr bereitet euch auf Weihnachten vor! Aber warum tut ihr das? Seid Ihr sicher, dass zu Weihnachten Gott als Kind zu euch kommt? Oder seid ihr einer rührseligen Geschichte auf den Leim gegangen? Andere feiern doch auch das Fest der Liebe oder treffen sich bei Glühwein und Stollen zur Jahresendfeier! Woher wisst ihr eigentlich, dass es zu Weihnachten um ein ganz besonderes Geschehen geht, dass vor langer Zeit in Bethlehem begonnen hat und sich jetzt bei euch fortsetzen wird?“ Ihr merkt schon, da wird es mit dem Antworten schon schwieriger. Und manch einen treibt vielleicht sowieso die Frage um, wie man den ganzen Feiertagsstress und den gestellten und erzwungenen Familienfrieden möglichst umgehen oder wenigstens auf das Nötigste reduzieren kann. Also: Warum feiert ihr Weihnachten? Und ist dieses kleine Kind in der Krippe wirklich der Erlöser der Welt? Es geht um echte, handfeste Antworten. Und es geht vor allem um eins, um die Frage der Gewissheit. Es geht um Gewissheit. Selbst Johannes der Täufer, der sich über das Kommen des Messias so sicher war wie kein anderer zu seiner Zeit, geriet ins Zweifeln. Er war für diesen Messias ins Gefängnis gegangen, riskierte sogar sein Leben. Aber plötzlich nagte der Zweifel an seinem Glauben. Und er brauchte Gewissheit: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“ „Lieber Herr Jesus, kannst du uns jetzt bitte mal sagen, ob du wirklich der Richtige bist, und ob das alles stimmt, worauf wir uns verlassen, worauf wir vertrauen, woran wir glauben?“ Kann man das überhaupt noch glauben, diese uralte Geschichte? Ich befürchte, wenn wir die ganze vom Einzelhandel gepredigte Weihnachtsidylle mal vergessen, wenn wir unsere ganzen Adventsbräuche und Deko-Ideen mal weglassen und uns vorstellen, es ginge einfach nur darum, irgendwie die dunkle Jahreszeit und die Einsamkeit und die Kälte und Gleichgültigkeit der Mitmenschen zu überstehen und zu ertragen, im Betrieb, wo es nur darum geht, Höchstleistungen zu vollbringen, oder im Krankenhaus oder im Gefängnis, ich glaube, dann könnten wir auch ins Zweifeln kommen, ob denn das wirklich stimmt, dass Gott seinen Sohn gesandt hast, um uns aus all diesem Elend zu erlösen! Es geht um Gewissheit. Wir brauchen Gewissheit, damit unser Glaube am Leben bleibt, und damit er gestärkt wird und den Zweifeln und Anfragen standhält! Jesus antwortet in unserem Predigttext auf die Frage des Johannes und auf die zweifelnden Fragen in den Herzen der Menschen. Und er tut dies mit so einer ganz typischen Jesus-Antwort. „Bist du es, der da kommen soll, …?“ „Ja, bin ich!“ hätte er ja sagen können! Aber nein, das tut er nicht. Stattdessen redet er in Rätseln: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Ob diese Antwort Johannes geholfen hat? Ob er dadurch Gewissheit erlangt hat, dass sein Einsatz richtig war? Es wird uns hier nicht berichtet, wie Johannes auf diese Antwort Jesu reagiert hat. Wir brauchen darüber nicht zu spekulieren, weil wir zu keinem Ergebnis kommen würden. Aber vielleicht hilft uns die Erinnerung an eigene Erfahrungswerte. Wie oft hast du schon zu Gott gebetet, ihn in einer ratlosen, aussichtslosen Situation um Rat gefragt, und er hat dir nicht so geantwortet, wie du das gern wolltest, wie du es erwartet hast? Bist du schon mal im Zweifel gewesen, ob das, was du tust, das Richtige ist? Bist du in deinem Glauben schon mal an einer Stelle gewesen, wo du mit Gott so richtig im Clinch gelegen hast, weil du nichts mehr kapiert hast? Ich lerne aus dieser kleinen Geschichte, aus unserem Predigttext, dass wir die anderen brauchen, die zu uns gehören, die mit uns unterwegs sind auf Gottes Weg. Jesus sagt zu den Jüngern des Johannes: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Sie sollen Johannes keine Antwort des Herrn übermitteln, sondern ihm sagen, was sie selbst erleben, hören und sehen. Und trotzdem, das bleibt ein anspruchsvoller Satz unseres Herrn: Sagt ihm, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf und das Evangelium wird gepredigt! Die anderen, die mit mir glauben, sollen mir sagen, was sie beobachten, was sie erlebt haben, sollen mir damit meinem angefochtenen Glauben stärken. Dazu muss man genau hinsehen, und man darf sich nicht an Christus ärgern. Wer sich darüber ärgert, dass Kirche in unserem Land eine immer geringere Rolle spielt, dass wir verspottet werden, dass man Kreuze in Gerichten und Schulen abnimmt, wer sich darüber ärgert, dass uns der Herr Christus in Gestalt der schlimmsten und heruntergekommensten Typen in unserer Stadt begegnet, der kann sich nicht den Glauben stärken lassen und auch nicht anderen helfen, ihre Zweifel zu besiegen. „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ Jesus antwortet den Jüngern des Johannes mit so einer ganz typischen Jesus-Antwort. Und wie Johannes damit umgegangen ist, wissen wir nicht. Aber die andere Antwort des Herrn, die er den Leuten gibt, die ihn umringen, die lässt keine Fragen offen. „Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet. Dieser ist’s, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Wenn wir in der ersten Antwort, die an Johannes gerichtet war, vielleicht etwas an Eindeutigkeit und Verständlichkeit vermisst haben, dann kann jetzt davon keine Rede mehr sein. Jesus stärkt seinem Vorläufer, seinem Boten in einzigartiger Weise den Rücken. Er erhebt ihn über die größten Propheten des Alten Testaments. „Ich sage euch: Er ist mehr als ein Prophet! Dieser ist’s, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.“ Unglaublich, was in diesen Worten für eine Vollmacht steckt! So kann nur Gottes Sohn reden. Und was können wir aus diesen Worten Jesu mitnehmen? Wir sind nicht Johannes der Täufer. Aber wir sind Boten unseres Gottes, weil wir in unserer heiligen Taufe dazu berufen wurden, seine Zeugen zu sein. Und zu uns, seinen Zeugen, redet der auferstandene Herr. Er stärkt unseren Glauben. Er beseitigt unsere Zweifel. Er macht uns hörend und sehend für die wunderbaren Taten Gottes, die in unserem Leben und um uns herum ständig geschehen. Darauf können wir uns hundertprozentig verlassen. Amen.