Predigt

Laetare, gehalten am 10. März 2013, von Gottfried Heyn

(Die Predigt zum Mithören nach Manuskript: )

(Der komplette Gottesdienst zum Mithören: )



Predigt über Lk 9,51-56 Joh 6,47-51
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch :Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Liebe Gemeinde, ohne Brot, ohne feste Nahrung kann ein Mensch einige Tage überleben. Ohne Wasser sind die Überlebenschancen sehr viel geringer. Besonders dramatisch ist das, wenn man sich in einer Sand- oder Steinwüste befindet. Dort bedeutet fehlendes Wasser den sicheren Tod. Wenn dann noch dazukommt, dass man sich verirrt und man durch Luftspiegelungen, Hitze, Kälte und Einsamkeit beeinträchtigt wird, dann ist guter Rat teuer. Da gibt es kein Handynetz, über das man einen Rettungshubschrauber anfordern kann. Die Erinnerung an die 40-jährige Wüstenwanderung hat sich bis heute tief in das Gedächtnis des Volkes Israel eingegraben. Auf diese kollektive Erinnerung der jüdischen Volksseele nimmt Jesus mit seinen Worten heute Bezug. Sie ist aber nur Verstehenshilfe seiner Predigt. „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.“ Und das, obwohl das Manna scheinbar oder tatsächlich vom Himmel fiel. Jeden Morgen, wenn die Israeliten aus ihren Zelten kamen, fanden sie diese Speise auf der Erde liegen, klein und rund. Und sie sollten soviel davon sammeln, wie sie für diesen Tag brauchten. Vorräte sollten sie nicht anlegen. Jesus hat heute ein viel umfassenderes Thema. Es geht nicht nur ums Überleben in der Wüste, sondern es geht um den Glauben, um das Sterben und das Leben überhaupt. - Im Sterben des Weizenkorns ist das Leben der neuen Weizenpflanze schon angelegt. Der Bauer weiß das und vertraut darauf, dass es auch im nächsten Frühjahr wieder so sein wird. Er glaubt an dieses Naturgesetz. - Im Sterben Jesu ist seine Auferstehung und das neue Leben der ganzen Welt schon angelegt. Noch wissen wir das nicht so, dass wir es beweisen könnten. Das Wissen darüber ist unserem Glauben vorbehalten. Aber wir vertrauen darauf, dass wir mit Jesus leben werden. Wir glauben an ihn. Ich will mit euch gemeinsam drei kurze Gedankenwege abschreiten, die Jesus uns in seiner Predigt vorgelegt hat: 1) Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 2) Wer vom Brot des Lebens isst, der wird nicht sterben. 3) Jesus stirbt, damit wir leben. 1) Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Wir hatten eben gesagt, das Wissen unseres Glaubens können wir nicht beweisen. Dieses Nicht-beweisen-können macht uns ja immer wieder Probleme, nicht nur gegenüber unseren Mitmenschen, sondern auch gegenüber unseren eigenen Zweifeln. Unser Glaube ist etwas Abstraktes. Er ist nicht irgendwie anschaulich. Wenn wir den Inhalt unseres Glaubens beschreiben sollen, dann fangen wir an zu stottern oder werden weitschweifig und umständlich. Jesus gibt uns heute einen ganz einfachen Satz an die Hand: „Wer glaubt, der hat das ewige Leben.“ Aus der heiligen Schrift wissen wir, dass das ewige Leben von ganz anderer, viel besserer Qualität ist, als unser endliches, irdisches Leben. Jesus bestätigt uns heute dieses Wissen. Wer an Gott glaubt, der weiß, dass das ewige Leben ein wunderbares, schönes und anzustrebendes Ziel ist. Allerdings: Wenn das alles wäre, dann wäre das zwar ganz schön, aber eben nur Vertröstung auf ein besseres Jenseits – also genau das, was uns unsere Kritiker immer vorwerfen. Dem könnten wir nichts entgegnen. Der eigentliche Knaller, die wirkliche Sensation aber ist die Aussage: Wer glaubt, der hat das ewige Leben, und zwar jetzt schon. Es ist wie ein Geburtstagsgeschenk: schön eingewickelt mit einer Karte dran und ein paar freundlichen Worten. Wir haben es also schon in der Tasche. Es braucht nur noch die richtige Gelegenheit, den passenden Zeitpunkt, wann wir es auspacken können. Es ist gut, dass wir diesen Zeitpunkt nicht selbst bestimmen müssen, sondern dass Gott bestimmt, wann wir unser Geschenk, unser ewiges Leben auspacken dürfen. Mir begegnen immer wieder Menschen, die sagen, „ich kann das alles einfach nicht glauben“. Diesen Leuten würde ich gern sagen: Es stimmt, einfach so jemand Unbekanntem vertrauen, glauben, dass es derjenige gut mit mir meint, das ist nicht so einfach. Vertrauen muss wachsen. Vertrauen muss man einüben, ausprobieren. Ok. Aber sich etwas schenken lassen? Das ist doch eigentlich ganz einfach! Dafür muss man nichts tun. Keine Voraussetzungen erfüllen. Aber vielleicht fällt uns Menschen gerade dieses so schwer!? Voraussetzungslos und ohne eigenes Zutun etwas annehmen zu können. Das Problem ist ja, dass Jesus nicht kleckert sondern klotzt. Er holt gleich zum ganz großen Wurf aus: ewige Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Das ist ewiges Leben. 2) Unser zweiter Gedanke: Wer vom Brot des Lebens isst, der wird nicht sterben. Jesus macht uns das ganz große Geschenk, das Geschenk unseres Lebens! Aber er weiß, dass es unbekömmlich wäre, den ganzen Kuchen auf einmal zu essen. Deshalb bereitet er uns auf den richtigen Zeitpunkt vor, an dem wir unser Geschenk auspacken dürfen. Unser Leben von der Geburt bis zum Tod ist Vorbereitungszeit, Prüfungszeit, Test. Es ist Gottes Plan, uns in einzigartiger Weise durch diese Vorbereitungszeit zu geleiten. Er tut dies, indem er uns immer wieder Wegzehrung gibt. Aber das ist kein Brot aus dem Supermarkt und auch kein Manna wie damals beim Volk Israel in der Wüste, sondern es ist das Brot des Lebens, das wir im heiligen Abendmahl empfangen. In geheimnisvoller Weise geht Jesus in die irdischen Elemente Brot und Wein ein und gibt sich selbst uns dadurch zu essen. Er ist das Brot des Lebens, weil er der Sieger über den Tod ist, weil er selbst das Leben ist. Das war den Juden, mit denen Jesus damals zu tun hatte, geradezu unheimlich. Das konnten sie sich nicht vorstellen. Und das können wahrscheinlich auch die meisten von uns sich nicht vorstellen, mich eingeschlossen. Ich kann nur soviel sagen, dass es mir einleuchtet, dass, wenn ich ein Brot mit bestimmten Inhaltsstoffen esse, diese Stoffe dann auch in mir sind, in mich eingehen. So gegenständlich meint Jesus das Essen vom Brot des Lebens – bei aller geheimnisvollen Weise, wie das zugeht. Aber es ist nötig, dass wir uns hier vorn am Altar von ihm das Brot des Lebens geben lassen und es essen. Auf diese Weise haben wir Anteil an seinem ewigen Leben. Und dieses Anteilhaben schließt alles mit ein, was wir sonst auch noch von der Wirkung des Abendmahls sagen: Dankbarkeit zu Gott, Freude am Leben und am Glauben, Vergebung der Sünden, Liebe und Freundlichkeit zu unseren Mitmenschen. 3) Schnell noch der dritte Gedanke: Jesus stirbt, damit wir leben. Jesus erklärt hier kurz die größeren Zusammenhänge. Wir kennen die schon, deshalb brauche ich sie auch nur kurz zu benennen: Das Brot des Lebens ist nicht aus Mehl, Hefe, Wasser und Salz gebacken, sondern es ist das Fleisch Jesu. Gegner des Christentums werfen uns Kannibalismus und archaische Religionsformen vor. Das Wissen unseres Glaubens bewahrt uns davor, uns von solchen Vorwürfen verunsichern zu lassen. Jesus Christus hat sich mit seinem Fleisch und Blut an das Kreuz schlagen lassen. Er ist dort verblutet und auf schreckliche Weise wie ein Verbrecher gestorben. Aber nun geht er auf geheimnisvolle Weise ein in Brot und Wein und gibt sich uns zu essen und zu trinken. Wir können dieses Geheimnis nicht erklären. Aber das brauchen wir auch nicht. Es reicht, dass wir wissen, dass es so ist. Liebe Gemeinde, ohne Brot und noch weniger ohne Wasser kann ein Mensch nicht überleben – weder in einer Wüste noch sonst wo. Gott will, dass wir nicht nur hier in diesem Leben irgendwie überleben, sondern er will, dass wir ans Ziel kommen und unser Geschenk auspacken können: das ewige Leben bei ihm. Deshalb ist Jesus für uns in die Wüste und ans Kreuz gegangen, damit wir nicht in der Wüste umkommen. Und wenn du dich in Deinem Leben auf solchen Wüstenwanderungen wiederfindest, dann halte die Verbindung zu der lebendigen Quelle und zum Brot des Lebens: Jesus Christus. Denn dann kommst du sicher ans Ziel. Amen.