Predigt

Erntedankfest, 6. Oktober 2013, von P. Heyn

(Die Predigt zum Mithören nach Manuskript: )
(Der komplette Gottesdienst zum Hören: )

Predigt üb. das Evangelium nach Matthäus im 6. Kapitel:
Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Liebe Gemeinde,
mal ehrlich, für wen unter uns spielt das Erntedankfest wirklich noch eine wichtige Rolle? Wer arbeitet noch als Landwirt (draußen auf den Dörfern sind fast alle Höfe leer)? Wer von euch hat sich ein Frühjahr und einen Sommer lang abgeschuftet, um das Getreide und die Früchte auf den Feldern und in den Gärten zu ernten? Wer hat Vorräte für einen langen Winter ohne frisches Obst und andere Frischwaren angelegt? Mein Brot jedenfalls kommt aus dem Supermarkt, mein Strom aus der Steckdose, und selbst Erdbeeren, Nektarinen und Tomaten kann ich das ganze Jahr über kaufen. Ich muss dafür Geld bezahlen, aber es hängt nicht von meiner Arbeit ab, in der Regel auch nicht vom Wetter, ob das alles da ist. Ich habe mich nicht bei der Ernte kaputt gearbeitet! Das Erntedankfest hat doch eher symbolischen Charakter. Und vielfach wird es genutzt, um einen so genannten Familiengottesdienst zu feiern, in dem die Kinder besonders angesprochen werden sollen und zu Wort kommen sollen. Wir feiern Erntedankfest aus Tradition und weil es ein guter Anlass ist, Gott für seine Gaben zu danken, mit denen er uns täglich und reichlich versorgt. Aber die landwirtschaftliche Arbeit und die Ernte spielen fast keine Rolle mehr. Das sieht man auch daran, dass wohl nirgends noch ein Erntebittag gefeiert wird. Und selbst wenn ich es ab und zu im Sommer gemacht habe, im Allgemeinen Kirchengebet um Sonne zu beten, wurde ich eher müde belächelt. In der Heiligen Schrift ist denn auch die Ernte nicht wirklich ein Thema. Zwar wird die Arbeit der Landwirte und Gärtner hochgeschätzt. Aber wenn es um die Ernte geht, dann wird eher an die Ewigkeit gedacht, an das Ziel unseres Lebens und unseres Glaubens. Genau darum geht es auch in Matthäus 6, in dem Abschnitt, den ich euch vorgelesen habe. Jesus redet vom Schätzesammeln, von irdischen und himmlischen Schätzen. Und gerade heute, wo wir uns darüber freuen und dafür danken, dass Gott uns mit irdischen Schätzen gesegnet hat, dass er uns alles, was zum Leben notwendig ist, geschenkt hat, gerade heute erinnert uns der Herr an das Wesentliche, die unvergänglichen Schätze. Es geht um eine Ernte, die nicht spätestens im nächsten Frühjahr aufgegessen ist. In drei kleinen Abschnitten will ich mit euch auf die Mahnung unseres Herrn hören, indem wir einfach am Text entlanggehen:

1) Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
2) Das Auge ist das Licht des Leibes.
3) Niemand kann zwei Herren dienen.

1) Der erste Abschnitt: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Zwei Menschen, die sich lieben, gebrauchen oft diese Worte, um sich zu rufen und anzureden: Schatz und Herz. Die Liebe dieser beiden ist wie ein großer Schatz, den sie in ihren Herzen tragen. Und wenn ihr Schatz mal verreist ist oder die beiden aus anderen Gründen nicht zusammen sein können, dann ist es für jeden einzelnen so, als würde ihm ein Stück von sich selbst fehlen. Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz. Ich denke, diesen Satz können wir sehr gut nachvollziehen. Das Problem bei unseren irdischen Schätzen ist, das sie alle irgendwann einmal vergehen, verlorengehen, einfach weg sind: sei es ein Haufen Geld, materieller Reichtum oder eben ein geliebter Mensch. Das teure Auto rostet, die Berge von Klamotten kriegen Mottenlöcher im Schrank, weil man gar keine Gelegenheit hat, sie alle anzuziehen, das Haus schimmelt. Die Kinder mit Markenklamotten werden auf dem Schulhof von Gleichaltrigen „abgezogen“ und erpresst. Die Häuser werden mit Alarmanlagen und vergitterten Fenstern gesichert aus Angst vor Einbrechern. Oder eine Liebe geht einfach kaputt, hält nicht ein Leben lang, obwohl es doch so geplant war. Und auch wenn uns im Leben alles gelungen ist und wir alles behalten konnten, spätestens wenn es ans Sterben geht und der grausame Tod kommt, dann sind unsere Schätze dahin. Schätze hier auf der Erde sind vielleicht schön und erstrebenswert. Und Jesus verdammt sie auch nicht. Aber er sagt uns klipp und klar, dass am Ende davon nichts übrigbleibt und vor allem, dass wir uns durch die irdischen Schätze nicht den Blick verstellen lassen sollen für die himmlischen Schätze. Wir können uns den Himmel nicht verdienen durch eigene Anstrengungen. Aber unser Konto im Himmel wächst stetig an. Seit unserer Taufe sind wir auf den Himmel ausgerichtet. Der Herr Christus hat uns zu seinem Schatz gemacht. Er hat uns lieb. Er macht durch den Heiligen Geist, dass wir ihn auch lieben und dass wir sagen können: Unser Schatz ist im Himmel, deshalb ist dort auch unser Herz. Weil unser Herz Christus gehört. Wie ist das bei dir? Ist dein größter Schatz Jesus Christus? Oder wem räumst du den wichtigsten Platz in deinem Herzen ein? Hast du darüber schon einmal nachgedacht?

2) Der Herr Christus macht das mit den irdischen und den himmlischen Schätzen noch einmal an einem anderen Bild deutlich: Das Auge ist das Licht des Leibes. Die Augen eines Menschen sagen uns oft ohne Worte, wie es um denjenigen bestellt ist: ob sie oder er fröhlich ist, traurig, wütend, zornig, krank, wach, müde, leuchtend, erfüllt von etwas, leer, inhaltslos oder tot. Die Augen sind die Fenster der Seele, sagt man. Man sieht, wie es innen drin aussieht, und das Auge sieht, was draußen vorgeht und sendet Signale nach innen. Es funktioniert also in zwei Richtungen. Das gilt auch für unsere kleine Überschrift: Das Auge ist das Licht des Leibes. Es scheint nach außen, wenn es im Innern dieses Menschen hell ist. Und es lässt Licht auf die Seele eines Menschen fallen, wenn er die Sonne sieht, das äußerliche Licht. Wenn Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, dann nimmt das Auge dieses Licht auf und sendet es nach innen, in den Leib und an die Seele des Menschen. Diese Doppelfunktion des Auges gilt auch im Blick auf das Verhältnis zu Gott. Ist ein Mensch auf Gott ausgerichtet, vom Heiligen Geist erleuchtet, dann strahlt aus seinen Augen etwas von diesem Glanz Gottes. Genauso ist es von enormer Wichtigkeit, was unsere Augen sehen, ob sie die Finsternis dieser Welt sehen mit all ihren dunklen Ecken und schlimmen Abgründen, oder ob sie die Herrlichkeit Gottes sehen. Wo man die Finsternis der Welt sehen kann, muss ich euch nicht sagen. Wo man die Herrlichkeit Gottes und sein Licht sehen kann, das wisst ihr auch. Aber ich will es gern noch einmal wiederholen: Ihr seht das Licht Gottes, wenn der Herr zu euch kommt in Brot und Wein, wenn er sich euch offenbart im Wort der Heiligen Schrift, wenn ihr die segnende Hand des Pastors seht, wenn ihr die Wunder der Schöpfung seht, die aufgehende Sonne, wenn ihr die Gaben seht, die Gott uns auch dieses Jahr wieder zum Leben geschenkt hat. Was du siehst, was du zu deinen Augen in dich hineinlässt, daran entscheidet sich, ob in dir das Licht Gottes scheint oder die Finsternis des Satans und der Sünde.

3) Das führt uns noch zu unserem dritten Gedanken: Niemand kann zwei Herren dienen. Beides zusammen geht nicht. Wo Licht ist, da wird die Dunkelheit weniger, die Schatten werden kürzer. Wo Dunkelheit ist, da braucht es gewaltig viel Licht, damit man etwas sieht. Aber beides zusammen geht nicht: Es kann nicht hell sein wie bei gleißender Mittagssonne und zugleich finster wie um Mitternacht. Das meint Jesus, wenn er sagt, dass ihr nicht Gott und dem Mammon, dem irdischen Besitz, gleichzeitig dienen könnt. Wir müssen wohl zugeben, dass es nach wie vor beides in unserem Leben gibt: Licht und Finsternis. Das Osterlicht Christi leuchtet uns schon, immerzu. Und gleichzeitig treten uns die Schatten des Todes gewaltig entgegen. Das wird so sein, solange wir auf dieser Erde leben. Aber es kommt darauf an, wem wir vertrauen, woran wir glauben, worauf wir hoffen! Deshalb lasst euch dazu aufrufen und ermuntern: Dient eurem Gott, der euch erschaffen hat und euch erhält, der euch erlöst hat und euch zum ewigen Leben führt. Liebe Gemeinde, Christus hat sich für euch entschieden. Er holt euch aus der Finsternis ins Licht. Er macht euch frei von den irdischen Schätzen, die euer Herz umklammern und erdrücken. Er schenkt euch den Heiligen Geist, damit ihr ihm dienen könnt – durch euren Gottesdienst, durch euer Leben, euren Beruf, eure Familie. Der dreieinige Gott schenkt euch auch dieses Jahr wieder alles, was ihr zum Leben nötig habt, um seiner Herrlichkeit entgegengehen zu können. Dafür lasst uns ihm von Herzen dankbar sein. Amen. Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.