Predigt

Predigt zum Epiphaniasfest 6.1.2011, gehalten am 9. Januar 2011, von Bischof Hans-Jörg Voigt

Reihe III:
Johannes 1, 15-18 15 Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. 16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. 18 Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.

Einleitung die Schätze des Himmels – welche sind diese?
1. V 15 Jesus Christus ist von Anfang an mit seiner Liebe am Projekt „Leben“ beteiligt
2. V 16-17 nicht mehr das Gesetz des Mose gilt sondern Gnade um Gnade
3. V 18 in Christus sehen wir Gott Schluss: die Schätze des Himmels in unseren Herzen: Unendlich geliebt von Gott

Liebe Gemeinde!
Die Kirchen in Deutschland und weltweit schicken einander Weihnachtsgrüße. Wir beteiligen uns an diesen Grüßen, um Verbindungen zu pflegen. Vor reichlich einem Jahr bekam ich eine Karte aus Nordamerika zugesandt die ich mir aufgehoben haben. Die drei Könige sind darauf dargestellt und darunter ein Wort, dass uns heute zum Thema der Epiphaniaspredigt führen kann. Da heißt es: „Three Kings came with the treasures of earth in their hands … and left with the treasures of heaven in their hearts. ” – “Drei Könige kamen mit den Schätzen der Erde in ihren Händen und gingen mit den Schätzen des Himmels in ihren Herzen.“ Wir feiern heute das Epiphaniasfest vom 6. Januar nach, das Fest der Erscheinung. Christus erscheint als das Licht der Welt den Heiden aus Babylon, die wir auch die drei Könige nennen. Und dieses Wort auf der Karte ist zutreffend: sie kamen mit den Schätzen der Erde in den Händen und gingen mit den Schätzen des Himmels in ihren Herzen. In unserem Predigtwort aus dem Johannesevangelium werden die Schätze des Himmels ausgeteilt und wir wollen entlang der einzelnen Verse fragen, welches die Schätze des Himmels sind und sie in unsere Herzen schenken lassen.

1. Da schreibt Johannes der Evangelist von Johannes dem Täufer : „Johannes gibt Zeugnis von ihm und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich.“ Damit sagt Johannes, dass Jesus Christus vor allen Menschen da war. Dass er von Anfang an am „Projekt“ der Schöpfung Gottes mit seiner Liebe beteiligt ist. Dies ist dem Evangelisten Johannes besonders wichtig, damit beginnt er sein Evangelium hier und einen Vers vor unserem Abschnitt heißt es: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ So lesen wir in Vers 14, einen Vers davor! Das „Wort“ der „Logos“ (unser deutsches Wort „logisch“ steckt darin) meint den Verstand, die Weisheit, wir sagen heute „die Intelligenz“ schlechthin. Die Schöpfung der Welt, manche stellen sie sich als eine Evolution vor andere (wie ich sehen Gott sehr direkt am Werke), die Schöpfung aber ist ohne Intelligenz nicht zu denken. Wenn ich in meinem Arbeitszimmer nicht von Zeit zu Zeit Intelligenz einsetze um Ordnung zu schaffen, entsteht nur Chaos. Das ist im Kleinen so wie im Großen. Diese universale Intelligenz ist letztendlich die Liebe Jesu Christi. Die Welt, deine Welt, dein Leben hat seinen Ursprung in der Liebe Gottes zu seinem Sohn Jesus Christus. Dein Leben ist von der Schöpfung an als Liebe gedacht, das ist hier ausgesagt. Ein Schatz den wir wie Könige von der Krippe mitnehmen: Die Weltintelligenz schlechthin, das „Logos-Wort“ wird in Bethlehem ein winzig kleiner Mensch und liegt in der Krippe. „Er war eher als ich.“ und ist immer schon da mit seiner Liebe, wo du bist.

2. Wenden wir uns den nächsten Versen zu: „16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Johannes spricht hier in zusammengefasst in aller Kürze und Prägnanz das Verhältnis zwischen Gesetz und Gnade, oder eben zwischen Schuld und Vergebung an. In der Zeit des alten Testamentes gibt Gott das Gesetz des Mose, um das Böse und die Schuld der Menschen einzugrenzen bis der Erlöser kommt. Mit Christus aber gilt die Gnade der Vergebung. Ich möchte das Verhältnis zwischen Gesetz und Gnade hier an einem Beispiel aus der Pädagogik erläutern. Es beginnt sich wieder herumzusprechen, dass Kinder klare Regeln und Grenzen brauchen – also Gesetze, die für einen Menschen notwendig sind. Wächst ein Kind ohne Gesetze auf, weiß es nicht, wie es sich verhalten soll. Solch ein Spiel ohne Spielregeln ist chaotisch und schlimm für ein Kind. Es hat sich aber auch herumgesprochen, das eine Erziehung ohne Liebe zu Gewalt und Hass führen kann. Es gibt das in der Geschichte das berühmte Beispiel des Preußischen Soldatenkönigs und seines Sohnes des späteren Frierich des II. der auch der Große genannt wurde. Sein Vater versuchte ihn mit der ganzen Härte des Gesetzes zu erziehen. Kälte, Hunger und Prügel standen auf der Tagesordnung des schmächtigen Prinzen. Auf Befehl des Vaters musste der jugendliche Sohn der Hinrichtung seines besten Freundes Katte beiwohnen. Was bei dieser Erziehung mit dem Gesetz heraus kam, war ein König, der einen Krieg nach dem anderen führte. In der vergangenen Woche habe ich am Weihnachtsgottesdienst der Koptisch-orthodoxen Kirche in Ahlten bei Hannover teilgenommen, weil diese nach dem schrecklichen Attentat von Alexandria selbst mit Terror bedroht wurde. Der islamistische Bombenattentäter von Alexandria meinte ganz gewiss, das Gesetz seines Gottes zu erfüllen. Aber von der Gnade Gottes hat er mit Sicherheit noch nichts gehört. Gesetz ohne Gnade und ohne Liebe ist immer tödlich. Erziehung ohne Liebe ist tödlich. „Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Und „Von seiner Fülle nehmen wir Gnade um Gnade!“ Gott „erzieht“ uns Menschen nicht mehr mit dem Gesetz und mit Strafe für Übertretungen, sondern mit seiner Liebe. Das Gesetz ist wie bei Kindern nur noch dazu da, uns unsere Schuld zu zeigen und uns Anleitung zu geben. Welch ein Weihnachtsschatz für unsere Herzen, ein Schatz den wir wie Könige von der Krippe mitnehmen: Gnade um Gnade!

3. Wenden wir uns dem Vers 18 in unserem Predigtort zu, dem dritten Schatz für unsere Herzen. „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“ In Jesus Christus sehen wir Gott. Liebe Gemeinde, über diesen einen Vers könnte man ganze Vorlesungen halten. Ich will nur die Geschichte eines kleinen Bildes aus dem 5. Jahrhundert erzählen. Dieses uralte Wandgemälde zeigt zwei Männer, die mit langen Malerbürsten die Bilder in einer Kirche übertünchen. Das Gemälde stammt aus einer Zeit, in der man in der Kirche darum stritt, ob denn nun nach dem alttestamentlichen Gebot „Du sollst dir kein Bildnis machen!“ Bilder auch in der Kirche verboten seien. Und die Kirche hat damals anhand unseres Bibelwortes sehr klar entschieden: Seit Jesus Christus sind Bilder erlaubt, denn er hat uns Gott verkündigt und von ihm heißt es im Vers 14 „Wir sahen seine Herrlichkeit“. Der dritte Schatz für unsere Herzen: In Jesus Christus sehen wir Gott! Seither dienen der Christenheit auf der ganzen Erde Christusbilder zur Veranschaulichung der Liebe Gottes. Luther hat einmal gesagt: Er wolle nun keinen anderen Gott kennen, als den, der aus der Brust der Jungfrau Maria getrunken hat. Deshalb hat er auch die Bilderstürmer in Wittenberg, die dort die Kirchen mit ihren Bildern zertrümmerten, als er, Luther auf der Wartburg saß, schroff zurecht gewiesen. Noch einmal der dritte Schatz: Wenn du auf der Suche nach Gott bist, wenn du dich fragst, warum Gott etwas so fügt, wie es geschehen ist, dann sieh auf das kleine frierende Kind in der Krippe und den Mann am Kreuz.

Ich komm zum Schluss, liebe Gemeinde! „Three Kings came with the treasures of earth in their hands …and left with the treasures of heaven in their harts. ” – “Drei Könige kamen mit den Schätzen der Erde in ihren Händen und gingen mit den Schätzen des Himmels in ihren Herzen.“ Die Schätze des Himmels sind nach unserem Predigtwort: - Christus hat die Welt erschaffen aus Liebe zu Dir. Du bist ihm wichtig. - Gott bringt uns nicht mehr mit dem Gesetz des Mose zurecht, sondern mit seiner Liebe. - In Jesus Christus hat Gott sein Angesicht gezeigt, seine Liebe. Der Koptischen Gemeinde hier in Hannover habe ich am Donnerstag gesagt, dass eine ganz subtile Gefahr besteht, dass das Böse, dass durch solch einen Bombenanschlag von außen gekommen ist, nun nicht still mit Bitterkeit und Hass unsere Herzen erfüllt. Diese Gefahr besteht immer auch in unserem Alltag. Gott aber schenkt uns seinen Schatz des Himmels, Gnade um Gnade, seinen Sohn Jesus Christus. Durch ihn bist du unendlich geliebt. Amen.