Predigt

Predigt für Sonntag Sexagesimae, 7. Februar 2010 von Pastor Matthias Grünhagen

Predigt-Reihe II                
Die Epistel für Sonntag Sexagesimae steht im Brief des Apostels Paulus an die Hebräer im 4. Kapitel (v. 12-13).

12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.
13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.


Liebe Gemeinde!
Worte können töten. Wie verletzend Worte sein können, hat wohl jeder von uns schon erlebt und darunter zu leiden gehabt. Wir mögen sogar erahnen, dass diese Wirkung auch von unserem Mund ausgehen kann.
Wenn nun das Wort Gottes mit der scharfen Klinge eines Schwertes verglichen wird, dann wird deutlich, dass eine Gewalt auch in dem liegt, was Gott zu sagen hat. Was für uns auf den ersten Blick beängstigend wirkt, ist jedoch zu nichts anderem bestimmt, als das Leben zu bringen. Ja, wie wir im heutigen Evangelium gehört haben, ist es sogar so, dass es lebens-notwendig ist, dass Gottes Wort bei uns Menschen zum Zuge kommt, bzw. umgekehrt muss man feststellen, dass einem etwas verloren gehen kann, wenn Gottes Wort seine Leben-spendende Kraft bei einem Menschen nicht entfaltet. In dieser Weise lässt sich auch das Bild von dem Wort Gottes als einer scharfen Klinge als etwas sehr hilfreiches und heilsames verstehen. Zur Zeit des Hebräerbriefes war das Schwert eine der Hauptwaffen militärischer Macht. So fragwürdig diese ist, wenn sie Missbraucht wird, ist diese Art der Staatsgewalt doch in manchen Situationen die einzige Möglichkeit, die Menschen des Landes zu schützen:
Böswillige und gewalttätige Übergriffe können manchmal allein schon durch die abschreckende Stärke der Staatsmacht abgewehrt werden. Wenn es nötig ist, muss zum Schutz unschuldiger Leben die Waffe aber auch gebraucht werden. Wenn da einer z.B. Amok läuft, dann muss er mit allen Mitteln gestoppt werden. Oder nehmen wir eine andere Klinge, gegenüber der zunächst erst einmal eine große Scheu besteht: Das ist das Skalpell. Wer gesund ist, für den ist es ja auch gar nicht bestimmt. Aber wir wissen sehr wohl um Krankheiten oder Unfälle, in denen dieses Messer die einzige Rettungsmöglichkeit ist. Weil es so riskant erscheint oder Schmerzen zu befürchten sind, wird so manche dringend notwendige Operation herausgezögert. Es ist eben eine Sache des Vertrauens. Aber viel mehr noch ist die Frage, ob ein Mensch wieder gesund werden kann oder nicht. Wie aber sieht nun das Wirken des Wortes Gottes aus?
Nicht selten ist es tatsächlich schmerzvoll – oder zumindest unangenehm. Es ist nur zu verständlich, dass sich dem niemand so leicht unterzieht, wenn es nur irgend zu vermeiden ist. Denn schließlich ist es – wie bei einer Operation so, dass Gottes Wort unser Innerstes, das wir sonst so sehr in Schutz nehmen, ans Licht zu fördern vermag. Kann man dem nur standhalten, wenn man eine ausreichende Narkose erhält, sich vielleicht selbst betäubt oder alle unangenehmen Seiten in die tiefste Ecke des innersten Ichs verdrängt? Oder möchte man erst einmal dafür sorgen, dass die äußeren Rahmenbedingungen den eigenen Wünschen entsprechen? Wann soll es sein – wenn es mir am besten passt? Oder werde ich es für immer verschieben? Wird es dann vielleicht einmal zu spät sein? Oder frage ich nach der Art und Behandlungsmethode, die ich für die beste halte? Soll der modernste Stand der Wissenschaft berücksichtigt sein, oder eher das Traditionelle und Bewährte? Verhindern vielleicht meine hohen Ansprüche, dass es rechtzeitig zu dem rettenden Eingriff kommt, oder sollte sich am Ende herausstellen, dass das, was ich mir so gut zurechtgelegt habe, sich am Ende als der falsche Weg herausstellt? Da es eine Sache des Vertrauens ist, fragen natürlich auch viele vor allem findige Leute, ob es denn das richtige, das beste Krankenhaus ist, und welcher Operateur denn das größte Geschick und die meiste Erfahrung hat.
In gewisser Weise sind alle diese Fragen sinnvoll. Nur in einem Fall nicht, nämlich wenn es darauf ankommt, dass der Eingriff der scharfen Klinge HEUTE – jetzt auf der Stelle erfolgen muss. Da muss es denn manchmal eben einfach eine Notoperation sein. Von diesem notwendigen „Heute“ hören wir direkt vorher im Hebräerbrief – nachzulesen im Wochenspruch dieser Woche: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.« Dieses „Heute“ ist jedes Mal dann, wenn Gottes Wort sich an dich richtet. Willst du Gottes Wort ablehnen, nur weil dir die äußeren Rahmenbedingungen nicht optimal erscheinen, weil es nicht die richtige Zeit ist, weil dir die Form der Darbietung nicht passt weil es dir zu scharf oder zu stumpf herübergebracht wird?
Wo dies geschieht, da fällt Gottes Wort auf den Weg und wird zertreten. Da werden andere Dinge wichtiger - wie ein Unkraut, das über die Saat wächst. Oder da ist mit einem Mal ein felsenharter Widerstand, eine Verhärtung da, die in der Bibel als Verstockung bezeichnet wird. Für all dies, für alle Einwände und Ausflüchte und sogar für allen möglichen Ärger über das Wort Gottes und seine jeweils sehr unterschiedliche Anwendung gibt es zahlreiche Beispiele in der Bibel.
Weil aber Gott selbst nicht müde wird, auf alle möglichen Weisen Menschen nach zu gehen, um ihnen zu Rettung und Heil zu verhelfen, lässt er uns immer wieder sagen: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht,« - solange es denn „Heute“ heißt. Dabei geht es ihn um nicht weniger als darum, rechtzeitig die Hilfe zu bringen, die notwendig ist. Denn so ernst ist das schon, dass es ein zu spät geben kann. Damit ist nun wahrlich nicht zu spaßen. Jeder sehe da zu allererst auf sich, ob er es nicht nötig hat, Gottes Wort an sich wirken zu lassen. Dabei ist es nicht damit getan, dass es gerade mal bis an die Oberfläche kommt. Die Ohren schalten ja nur zu gern auf Durchzug, vor allem, wenn es unangenehm oder unbequem wird. Sollte Gottes Ruf an dich verloren sein? Solltest du von seinem Hilfsprogramm für dich vergeblich erfahren? Oder meinst du, du wüsstest besser als der allwissende Gott, was für dich gut ist oder welche Worte dir in welcher Weise zu sagen sind?
So höre denn und wisse, dass Gott in jedem Fall bis in dein Innerstes sieht und dass er dich durch und durch kennt. Er weiß um deine Schokoladenseite ebenso, wie um das, was du damit überspielst. Aber das ist gut zu wissen, so schmerzhaft das auch in dich dringen mag. Denn nun kannst du wissen, dass die Operation des Wortes Gottes für dich nötig ist aber viel mehr noch, dass sie hilfreich, ja, Leben bringend für dich ist, selbst wenn dieses womöglich in schmerzvoller Weise in dich dringt. Deshalb kann ich dich nur beglückwünschen, dass du dich hier dem Worte Gottes aussetzt. Denn, um es mit dem sanfteren Bild des Evangeliums zu sagen: Auf diese Weise wird das Wort Gottes in dich gesät, damit es heranwächst und dich zur Vollendung bringt. Dazu dient das Wort Gottes mit seinen verschiedenen Seiten, um dir die Liebe Gottes zu bringen, die uns in Jesus Christus erschienen ist. Wenn dies für dich aufkeimt und wächst, dann sieh zu, ob du es auch an andere weitergeben kannst, damit wir gemeinsam gelangen zum ewigen Heil. Amen.