Predigt

Predigt für Sonntag Judika, 21. März 2010 von Pastor Matthias Grünhagen

Predigt-Reihe II 
Die Epistel für Sonntag Judika steht im Brief des Apostels Paulus an die Hebräer im 5. Kapitel (v. 7-9).

7 Jesus Christus hat in den Tagen seines irdi-schen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.
8 So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.
9 Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden,

Liebe Gemeinde!
Einstieg: Bist du noch zu retten? – Ist die Welt noch zu retten???
Bist du noch zu retten? So fragt man jemanden, der etwas völlig Unvernünftiges tut und sich nicht davon abbringen lässt. Wenn sich einer in etwas verrannt hat, und sogar abzusehen ist, dass er dabei Schaden nimmt oder sogar umkommen kann, dann rät allein schon der gesunde Menschenverstand: „Lass die Finger davon!“ Diesem Menschenverstand ist Jesus Christus offenbar nicht gefolgt. Petrus etwa hatte ihn gewarnt: „Gott bewahre dich. Das widerfahre dir nur nicht!“, als der Herr sein Leiden und seinen Tod ankündigte.
Menschlich gesehen hat er ja auch Recht. Aber Gottes Rettung und Bewahrung hat eine ganz andere Dimension, hat einen viel weiteren Horizont, wenn er seinen Sohn hergibt, damit er leidet und stirbt. Gott geht es um die Rettung der Welt. Beim Evangelisten Johannes ist es auf den Punkt gebracht, weshalb es zu dem Leiden und Sterben Jesu Christi kam, das wir in der Passionszeit so besonders bedenken: Es ist die Liebe Gottes. Denn Gott hat die Welt so sehr „geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ bzw. dass „die Welt durch ihn gerettet werde.“ Wenn einer fragt: „Bist du noch zu retten, Jesus?“ so lautet die Antwort: „Ja, das ist er“, weil er seinen Leidensweg nicht vergeblich geht. Er erreicht das, was für Menschen sonst unmöglich ist, nämlich die Welt zu retten. und er ist auch in dem Sinne zu retten, dass er vom Tod errettet wird, indem er sein Leben wieder gewinnt durch die Auferstehung am Ostermorgen. So weitet Gottes Wort den Blick auf das Leiden und Sterben Jesu in doppelter Weise gegenüber dem, was rein menschlich davon gesagt werden kann, weil es
1. die Welt rettet und
2. über den Tod hinaus führt.
So soll es jetzt um dies beides gehen: um die Rettung der Welt und um die Rettung vom Tod.

Teil I:  die Rettung der Welt
Um die Rettung der Welt geht es ja auch bei vielen Bemühungen, die Menschen in Angriff nehmen etwa im Bereich der Wissenschaft und Forschung und in der Politik. Es ist ein Bewusstsein dafür entstanden, dass es weltweite Bedrohungen gibt. Ich brauche nur Stichworte zu nennen die uns fast tagtäglich umschwirren wie den Klimawandel, das atomare Wettrüsten, den Internationalen Terrorismus oder die Ausbreitung tödlicher Seuchen und schon umschleichen uns mulmige Gefühle bis hin zur Todesangst, denn: Es könnte ja auch mich treffen. In sofern dient es wenigstens ein Stück weit der Beruhigung, wenn sich jemand mit der Frage beschäftigt: ob und wie die Welt denn zu retten ist. Weltklimagipfel, Friedens- und Abrüstungsverhandlungen, Antiterroreinheiten und Impfstoffe, dazu der Appell, dass jeder einzelne zu einer besseren Welt beitragen soll, sind einige der Lösungsansätze, die einerseits Hoffnung machen und die dennoch einen wirklichen Durchbruch zur Rettung der Welt kaum erkennen lassen. Vielmehr zeigt sich immer wieder, dass menschliche Interessen etwa von einzelnen oder bestimmten Gruppen, das Bemühen der Gutwilligen ganz schnell zunichte machen können. Dabei offenbart sich aber vor allem auch, wie sehr wir Menschen an den Bedrohungen in dieser Welt beteiligt sind. Deshalb sind wir auch so froh, wenn wir die Schuld anderen zuschieben und einen Sündenbock finden können. Nach dem Motto: „Ich war es ja nicht, sondern der Andere.“ Nur – irgendwo ist letztlich doch jeder beteiligt. Wenn wir das am liebsten auch selbst nicht wahrhaben wollen, so hält uns dies doch nicht zuletzt Gottes Wort unmissverständlich vor Augen: Ich und du wir haben unseren Anteil an dem, was Bedrohung und Tod bringt in dieser Welt. Und genau das ist nun der Ansatzpunkt Gottes, sich dafür einzusetzen, dass Menschen Rettung finden können von dem, was ihre Schuld ist. Solch einen Sündenbock, der die Schuld auf sich zieht und die anderen frei werden lässt, bietet Gott den Menschen an. Beschränkt auf das Volk Israel geschah dies am großen Versöhnungstag einmal im Jahr nach ganz bestimmten Regeln, die der Hohepriester peinlich genau einhielt, damit er für sich selbst und für sein Volk den Frieden mit Gott als Grundlage eines gesegneten Lebens für ein Jahr herstellte. Der Hebräerbrief nimmt genau dies Geschehen auf, indem es Jesus Christus als einen noch viel größeren Hohenpriester darstellt, der nämlich nicht nur für das Volk Israel, sondern für die ganze Welt eintritt und das auch nicht nur einmal im Jahr, sondern ein für allemal. Dabei brauchte er nicht einmal für sich selbst etwas gut zu machen. Er hatte ja keine Sünde. Und doch musste er, der ja als Gottessohn eigentlich vollkommen war noch etwas lernen, nämlich den Gehorsam, sich in den Willen des himmlischen Vaters zu fügen: Dein Wille geschehe. d.h. peinlich genau das zu tun, was den Menschen zu ihrem Heil verhilft. Auf diese Weise ist ihm dann anders als dem Hohenpriester im Alten Testament eine Doppelrolle zugefallen, dass nämlich er selbst zu dem Sündenbock wird, auf dem die anderen ihre Schuld abladen können, damit SIE davon frei werden. So gibt Jesus Christus sich hin in den Tod, damit alle, die an ihn glauben gerettet werden. Auf diese Weise rettet er die Welt und lädt jeden dazu ein, auf ihn zu bauen und ihm zu vertrauen. Deshalb: seht auf den, der für euch gestorben ist, seht das Lamm Gottes, das sie Sünde der Welt trägt – dort am Kreuz – zu eurem Heil.

Teil II: die Rettung vom Tod
Damit komme ich aber nun genau zu dem zweiten Punkt, der unsere menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Jesus Christus gibt sich nämlich nicht nur hin, damit ANDERE durch ihn das Leben haben, sondern bei ihm kommt es zur Rettung vom Tod ÜBERHAUPT. Denn das ist das Erstaunliche, dass Jesus Christus tatsächlich bis zur bitteren Neige in den Tod gegangen ist, und andererseits wieder daraus gerettet wurde. Das ist der Zielpunkt seines Leidens und unserer Passionszeit, dass Jesus Christus von den Toten wieder auferstanden ist und LEBT. Dadurch geschieht genau das, was die Wegnahme der Sünde bringen sollte. Die endgültige Wirkung des Todes ist durchbrochen – mehr noch: durch die Auferstehung Christi ist die Endgültigkeit des Todes aufgehoben. Auf diese Weise wird er zum Vollender des ewigen Heils für alle die an ihn glauben. Davon sage ich einem, der meine Nummer aus dem Telefonbuch hat, und der in seiner Hilflosigkeit angesichts einer Krebsdiagnose einen Ansprechpartner sucht: Überlege: ob für dich das ein Punkt der Hoffnung werden kann, dass Jesus Christus auferstanden ist und die Möglichkeit der Auferstehung und des ewigen Heils geschaffen hat. Ob ich jemals wieder von diesem Menschen hören werde, das weiß ich nicht. Aber eine Perspektive ist ihm eröffnet über das hinaus, was menschlich ist.

Schluss:
So wünsche ich ihm wie auch uns allen, dass wir dieses Heil, das Jesus Christus uns am Kreuz zur Rettung unseres Lebens veranlasst hat, dass wir dieses nicht nur betrachten lernen, sondern dass wir uns daran fest halten im Vertrauen und im Glauben und womöglich sogar noch mit mannigfaltigen Zweifeln. Wenn auch sonst um uns in Stücke gehen mag oder gar das eigene Leben hier endet, dann möge euch der Urheber des ewigen Heils, Jesus Christus, erscheinen zu eurem Trost und zur Rettung, die euch zum ewigen Leben führt. Amen.