Predigt

Predigt für den ersten Sonntag nach Epiphanias, 10. Januar 2010 von Pastor Matthias Grünhagen

Predigt-Reihe II                
Die Epistel für diesen 1. Sonntag nach Epiphanias steht im Brief des Apostels Paulus an die Römer im 12. Kapitel (v. 1-8)

Das Leben als Gottesdienst
1 Ich ermahne euch durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Die Gnadengaben im Dienst der Gemeinde
3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, daß niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern daß er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.
4 Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben,
5 so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied,
6 und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß.
7 Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er.
8 Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.

Liebe Gemeinde!
Eine Pflanze (christliches Leben) wächst in drei Ästen nach den hohen Feiertagen der Weihnachtszeit
- mit ihrem herausragenden und überschwänglichen Jubel
- ist die Epiphaniaszeit
- eine ruhigere Zeit im Kirchenjahr.
Die grüne Farbe der Paramente gibt uns einen Hinweis darauf, dass das, was durch Christi Kommen in unsere Welt angelegt gleichsam „gesät“ oder „gepflanzt“ ist, nun in den Christen heranwachsen, heranreifen und Früchte tragen soll. Dieses machen die Evangelien der Epiphanias-Sonntage deutlich, indem sie hervorheben, wie der menschgewordene Gottessohn in dieser Welt seine Herrlichkeit offenbar hat.
Heute haben wir im Evangelium Mt. 3,13-17 von seiner Taufe gehört, bei der der himmlische Vater sich zu seinem eingeborenen Sohn bekannt hat. Die Epistel dagegen legt den Schwerpunkt auf dem Wachstum, das in den Getauften durch die Menschwerdung Christi in Gang gesetzt ist. Der Apostel Paulus lenkt den Blick dabei auf drei Punkte als wären es drei Zweige des christlichen Lebens, deren Wachstum er fördern möchte.
Das erste ist das Verhältnis des Christen zu seinem Gott.
Das zweite ist sein Verhältnis zur Welt.
Und das dritte ist sein Verhältnis zur Kirche.
Das Verhältnis des Christen zu Gott, zur Welt und zur Kirche sind offenbar drei Dinge, die zusammengehören. Während draußen die Vegetation ruht, erinnert mich diese Dreiheit an manche Pflanze, die im Haus überwintert.  

Teil I:    Das Wachstum des Christen im Verhältnis zu Gott

Nun also zu dem ersten: dem Wachstum des Christen im Verhältnis zu seinem Gott.
WAS soll denn da wachsen? Im Römerbrief selbst schreibt der Apostel Paulus davon, dass unser Leben als Christ in der Taufe begonnen hat. Also unser Leben MIT Christus. In dem Maße,
in dem Jesus Christus sich für uns hingegeben hat,
und am Ende für uns sogar in den Tod gegangen ist
und sich für uns aufgeopfert hat am Kreuz, so soll auch das Christenleben bestimmt sein von der Hingabe an seinen Herrn und Heiland.

Wofür sind wir bereit, unser Leben einzusetzen, aufzuopfern? Sind wir bereit, es voll und ganz in den Dienst dessen zu stellen, der uns mit seinem Opfer an Kreuz das ewige Leben erkauft und aufgeschlossen hat? Es ist ja oft nur ein zartes Pflänzchen, dass wir bereit sind, uns auf den Weg zu machen, um uns wenigstens für die Zeit des Gottesdienstes am Sonntagmorgen zum Haus Gottes zu gehen – zumal bei diesen Witterungsbedingungen (bei Schnee und Eis). Da ist dann auch nicht nur die Seele gefragt, oder der Geist, der womöglich ganz willig ist, sondern da ist auch der Leib beteiligt: Der muss sich aus dem warmen Bett erheben. Es ist ein Opfer an Zeit und auch an Kraft, sich durch die Kälte zu kämpfen.
Aber nur, wenn der Leib sich in Bewegung setzt wenn unsere Füße uns hierher tragen können wir hier unseren Gottesdienst feiern. Oder mancher wird noch etwas für diesen Gottesdienst vorbereitet haben: Etwa die musikalische Begleitung, die uns allen es erleichtert, dass wir nun mit einander unsere Stimmen erklingen lassen können – ein Lobopfer zu Gottes ehre: Da ist der Leib beteiligt – nicht nur die Seele oder der Verstand.
Oder nehmen wir das Dankopfer, das wir am Ausgang einlegen für die Aufgaben der lutherischen Kirchenmission. Dafür haben wir uns mit unseren leiblichen Fähigkeiten, Begabungen und Kräften, die unser Schöpfer uns gegeben hat, abgemüht. Wir könnten es ja auch für etwas anderes ausgeben. Aber dadurch, dass wir es in den Dienst unseres Gottes stellen, wird auch unsere Arbeit in seinen Dienst gestellt. Dadurch entsteht ein Zusammenhang zu diesem Gottesdienst.

Aber mehr noch, der Apostel spricht davon, dass die Hingabe des Leibes für Gott selbst ein Gottesdienst ist. (Jedes natürlich zu seiner Zeit, damit der Gottesdienst am Sonntag, den der dreieinige Gott uns zu Gute kommen lässt, nicht unter den Tisch fällt.) Aufopferungsvoll setzt sich aber auch so mancher Christ ein – zum Lobe Gottes und zu seinem Wohlgefallen. Das geschieht bei jedem Dienst der Nächstenliebe ebenso wie beim Einsatz für Kirche und Gemeinde aber auch für das Gemeinwohl.
All dies wird zu einem Gottesdienst, wenn es in der Hingabe für Gott geschieht.
Dabei ist also nicht nur die Seele und der Verstand gefragt, sondern in gleicher Weise auch der Leib. D.h. im Grunde:
Als Christen sind wir als ganzer Mensch gefragt, dass wir uns auf ein Leben mit unserem Gott einstellen und dabei immer weiter kommen und wachsen. Denn durch unsere Taufe IST unser Leben auf Gott ausgerichtet, IST heilig und Gott wohlgefällig. In diesem Leben soll es nun immer weitergehen.


Teil II:   Das Wachstum des Christen im Verhältnis zur Welt

Damit sind wir schon längst bei dem Zweiten, nämlich dass wir als Christen auch vorankommen in unserem Verhältnis zu unserer Welt. Wir haben festgestellt, dass wir da in diakonischer und missionarischer Weise hineinwirken können, dass dies auch ein heiliger Dienst ist, der Gott gefällt. Aber gleichzeitig sind wir bei alledem auch nahe an das herangekommen, was in unserer Welt einem Leben als Christ entgegensteht. Es genügt ja schon eine Veranstaltung oder ein Termin, ob nun im Sport oder im sonstigen öffentlichen Leben oder in der Familie und schon stehen wir vor der Frage, was den Vorrang hat: Gott oder die Welt. Oder wie ist das mit dem, was „man“ in der Welt landauf landab tut? Natürlich leben wir in dieser Welt und wir können zuweilen einen Zugang zu Menschen erleichtern, wenn wir auf sie zugehen und uns an sie anpassen. Zum Teil ergeben sich solche Anknüpfungspunkte besonders gut zu bestimmten Gesellschaftsgruppen, mit denen man sich ohnehin gut versteht. Manchmal sind es aber auch Zeitströmungen, die sich aufgreifen lassen und denen man besonders nahe sein kann. Und doch spricht der Apostel Paulus eine deutliche Warnung aus. Da kommt man doch ganz leicht auch an Grenzen zu dem, was mit Gottes Willen NICHT übereinstimmt. Vermutlich ist es für jeden von uns so, dass wir in diesem oder jenem Lebensbereich in der Gefahr stehen, dass wir vom Leben dieser Welt zu sehr geprägt und vereinnahmt werden, wo es dann auch mit dem offenbaren Willen Gottes nicht mehr zusammenpasst. Aber manchmal können wir nicht einmal andere vorschieben, sondern sind einfach noch bestimmt von dem Alten Menschen, der in uns wohnt, der uns entweder träge macht oder verführt, so dass unser Leben doch nicht mehr mit dem zusammen passt, was in unserer Taufe angefangen hat und was Gott gefällt.
Genau an dieser Stelle knüpft der Apostel Paulus an:
Da sollen wir uns ändern.
Diesmal ist sein Ansatzpunkt nicht unser Leib, sondern unser Sinn und Verstand:
DA muss es anfangen.
DA muss sich etwas ändern.
DA sollen wir aufmerksam werden, etwas kapieren und lernen zu prüfen: Gefällt das jetzt Gott oder geht da der Lauf der Welt gegen ihn?
DIES ist gleichsam der zweite Zweig unseres christlichen Lebens, der wachsen soll:
Dass wir uns der Welt nicht gleichstellen, dass wir uns von ihr nicht bestimmen lassen, erst recht nicht da, wo es gegen Gott geht, sondern, dass wir von Gott her in dieser Welt leben und – wo es möglich ist – unsere Welt prägen durch unseren christlichen Glauben und unser christliches Leben.


Teil III:  Das Wachstum des Christen im Verhältnis zur Kirche

Damit komme ich nun zu dem dritten Zweig, unser Verhältnis zur Gemeinde.
Dies hängt ganz eng mit beiden anderen zusammen:
Wo wir als ganzer Mensch uns für unseren Gott hingeben und – wo es nötig ist – von der Welt abgrenzen, da ergibt es sich fast von allein, dass jeder Christ ein Interesse daran hat, sich in dem Ganzen der Christenheit, bildlich gesprochen „des Leibes Christi“ mit einzubringen. Dabei ist es völlig klar, dass nicht jeder das Gleiche tun kann zumal auch nicht jeder alles gleich gut oder überhaupt kann. Nein, die große Entlastung besteht darin, dass jeder seinen Teil beitragen kann und darf. Und das ist dann auch gut so!!!
Der Apostel legt den Finger nur auf eine Stelle noch mal ganz besonders: Das ist die Geltungssucht, die letztlich auch in der Welt eine besondere Rolle spielt. Doch die Christen sollen sich davon nicht packen lassen. Jeder soll sich mit dem, was er hat und kann bescheiden und sich dementsprechend auch in die Gemeinde nach diesen Gaben und Kräften einbringen. Da mag einer, der viel kann, dann schon mal seufzen unter der Last und großen Verantwortung und andere mögen ihm dann beistehen. Andere wiederum mögen ihren Teil ganz gering einschätzen. Doch auch sie können Wichtiges und Entscheidendes zum Ganzen beitragen und helfen.
         
So gebe der dreieinige Gott, dass wir als Christen weiter wachsen, indem wir mit Leib und Seele unser Leben als Gottesdienst gestalten, indem wir in die Welt hineinwirken aber uns nicht von ihr überwältigen lassen und uns bei Bedarf von ihr abgrenzen
und dass wir natürlich auch als Gemeinde stärker werden und Früchte bringen – jeder nach seinem Vermögen – Gott zur Ehre, der Gemeinde und ihren Aufgaben zum Wohl und uns selbst zum Segen. Amen.