Beichtansprache

(Pastor Gert Kelter am Sonntag Exaudi 2001)

Wahrlich, ich sage euch.

Amen.

Ja, liebe Beichtgemeinde: Es ist wirklich „nur" das Wort ‚Amen’, um das es gehen soll. Aber bei diesem Wort handelt es sich tatsächlich im Gottes Wort, genau genommen sogar um den Namen Gottes selbst. Im 3. Kapitel der Offenbarung St. Johannis heißt es: <Das sagt, der da Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes.> Gemeint ist Jesus Christus und die Prädikate „treu und wahrhaftig" sind zugleich die Übersetzung des hebräischen Wortes Amen. Gewiß, fest, zuverlässig, beständig, Glauben, Wahrheit, Treue - alles das steckt im hebräischen Wortstamm, der dem Amen zugrunde liegt.

Es ist ein uraltes hebräisches Wort, das weltweit bis heute in allen jüdischen und christlichen Gottesdiensten jeder Konfession, jedes Volkes und jeder Sprache eine zentrale Rolle spielt. Es ist so oft wiederholt, so einfach und so eingängig, daß sogar Säuglinge, die gerade ihre ersten Worte lernen, gar nicht so selten in Gottesdiensten auch bei uns plötzlich ein fröhliches „Amen" quieken, wenn sie dieses aus Hausandacht oder Tischgebet bekannte Wort im Gottesdienst hören. Mit unserem Amen, das traditionell jedes Gebet beschließt, machen wir uns den Inhalt des Gebetes wie ein persönliches Bekenntnis zu eigen. Das Amen gehört der Gemeinde. Nicht der Vorbeter, nicht der Pastor soll es selbst sprechen, sondern die Gemeinde, die ein Gebet in der Stille nachvollzieht, soll durch das Amen ihre Zustimmung, ihr ‚Ja, das ist gewißlich wahr’, ihr Glaubensbekenntnis darunter setzen.

Mit dem Amen sollen wir aber auch im Hl. Abendmahl bei der Austeilung persönlich bekennen: Ja, ich glaube, daß dies der wahre Leib und das wahre Blut Christi ist, das ich empfange oder empfangen habe. Genau genommen ist das Amen der Kommunikanten die Voraussetzung für ihre Zulassung zum Altarsakrament und für den austeilenden Pastor das für sein Gewissen notwendige Bekenntnis, um die Kommunikanten wirklich im Frieden und nicht im Zweifel zu entlassen.

„Ich glaub, was Jesus Wort verspricht, ich fühl es oder fühl es nicht", heißt es im Abendmahlslied, und darum sage ich getröstet: Amen.

Mit meinem Amen mache ich mich in Gott selbst fest, verankere ich mich in seinen Zusagen, vergrabe ich mich in seiner Hand, bedecke ich mich mit seinem Wort.

Das kleine Wort Amen ist in sich Bekenntnis zur Treue und Wahrheit Gottes, ist in sich schon Gebet, ist in sich bereits Gotteslob und Anbetung. Wenn ich’s denn weiß, wieviel darin verborgen ist.

Manchmal höre ich, es sei doch viel besser, wenn nicht der Pastor allein betet, sondern wenn möglichst viele Gemeindeglieder mit ihren Worten beten. Und dann frage ich mich, ob solche Kritik wohl bedenkt, daß das bei uns übliche stellvertretende Beten eines Vorbeters doch nicht das persönliche Gebet eines Einzelnen ist, sondern bewährtes, erprobtes, gereiftes Gebet, das jeden Mitbeter einlädt, es zu seinem eigenem Gebet zu machen. Und wie geschieht das? Doch durch das laute, öffentliche, bedachte und nicht nur geplapperte Wort Amen.

Jeder getaufte Christ siegelt doch gleichsam das vorgesprochene Gebet mit dem Gottesnamen und bekennt damit: Im Namen dessen, der treu und wahrhaftig ist: Ja, das bitte ich, ja, dafür danke ich, ja so preise ich dich und ja, im Vertrauen auf Jesus Christus, den Fürsprecher vor deinem Thron ist das mein Gebet.

Liebe Beichtgemeinde, wir sagen so oft unbedacht das schon sprichwörtliche Ja und Amen zu so vielen Dingen. Manchmal, indem wir aus Bequemlichkeit lieber schweigen und alle Augen zudrücken, manchmal, indem wir nicht lauthals dagegen reden und oft genug auch, indem wir aus Gewohnheit oder Gedankenlosigkeit zustimmen, ohne die Folgen, die Ursachen und die Gründe wirklich zu bedenken, ohne zu überlegen, ob wir im Angesicht Gottes und in Verantwortung vor ihm wirklich so reden oder schweigen dürfen. Wenn Jesus redet, ist es nicht von ungefähr, daß er vielfach seine Sätze beginnt mit dem „Amen, Amen, ich sage euch"; bzw., wie es Luther übersetzt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch".

Und er sagt auch uns: „Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein und was darüber ist, das ist von Übel." Das Amen, der Rückbezug auf den, der treu und wahrhaftig ist, in dessen Gegenwart wir leben, dieses Amen sollte eigentlich alles Reden eines Christen umklammern, nicht nur seine Gebete beschließen. Es ist das Bekenntnis zum lebendigen und im Heiligen Geist gegenwärtigen Gott.

Amen.