Predigt

Predigt zum Epiphaniasfest gehalten am 12. Januar 2014, von Pastor Gotfried Heyn

(Die Predigt zum Mithören nach Manuskript: )
(Der komplette Gottesdienst zum Hören: )

Predigt üb. 2. Korinther 4,3-6
Ist unser Evangelium verdeckt, so ist’s denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

Liebe Gemeinde,
ich sehe was, was du nicht siehst, und das sieht rot aus! Wahrscheinlich kennt ihr alle dieses Spiel, das nicht nur Kinder gern spielen. Es geht dabei um das Finden eines Gegenstandes, den sich der Fragesteller ausgesucht hat. Ein kleines Geheimnis also. Wer zuerst die richtige Antwort gibt, darf die nächste Frage stellen. Immer wieder werden kleine Geheimnisse gemacht, die es zu entdecken gilt. Genau darum geht es heute auch am Epiphaniasfest: um die Entdeckung eines Geheimnisses. Mag sein, dass wir bei Epiphanias zuerst an andere Dinge denken: die Weisen aus dem Morgenland und die Mission unter den Heiden. Dass es zu Epiphanias um die Entdeckung eines Geheimnisses geht, das ist uns fast nicht mehr bewusst. Deshalb weist uns der Apostel Paulus heute wieder darauf hin. Weihnachten sprach davon, wie der ewige Sohn Gottes, Jesus Christus, Mensch wurde. Und jetzt zu Epiphanias wird in den Blick genommen, wie wir in dem menschgewordenen Sohn Gottes, in dem Säugling in der Krippe, die Herrlichkeit Gottes erkennen und sehen können! Lasst uns in drei Abschnitten auf die Worte des Apostels Paulus hören, der davon redet, dass wir die Herrlichkeit Jesu sehen:

die Herrlichkeit
1) des verdeckten
2) des gepredigten und
3) des leuchtenden Christus.

1) Wir sehen die Herrlichkeit des Menschen Jesus, des verdeckten Christus. Es wird uns ja immer mal wieder vorgeworfen, wir seien Himmelskomiker, Leute, die an ein Hirngespinst glauben, etwas Unsichtbares, etwas, was es deshalb nicht geben kann, weil man es nicht sieht. Auch wenn wir solche Vorwürfe vielleicht schnell abstreifen und uns davon nicht weiter erschüttern lassen, so treffen sie doch genau den Kern dessen, was der Apostel Paulus hier sagt. Es gibt Menschen, die können im Evangelium nichts weiter sehen als ein Märchen oder eine schöne alte Geschichte. Sie können oder wollen nicht glauben, dass sich dahinter der lebendige Gott verbirgt. Und wir haben nichts in der Hand, womit wir den Inhalt unseres Glaubens beweisen könnten. Das ist ja gerade die Schwierigkeit, dass wir aufs Glauben angewiesen sind und noch nicht mit eigenen Augen unseren Herrn sehen können. Wir sehen nur mit den Augen des Herzens oder mit den Augen des Glaubens. Aber wenn wir davon reden, dann sind wir bei unseren Mitmenschen genauso weit wie vorher. Sie glauben uns nicht, dass man mit solchen unsichtbaren Augen den verborgenen, den verdeckten Christus sehen kann. Aber wir wissen, dass es so ist. Wir sehen mit unseren Augen des Glaubens, mit den Augen des Herzens, dass der kleine Junge im Stall von Bethlehem der Sohn Gottes ist, der Retter der Welt, der Heiland. Gott sei Dank, gehören wir zu denen, die den verdeckten Christus in dem kleinen Kind Jesus sehen und erkennen können. Denn es gibt auch die anderen. Der Apostel redet von denen, die verloren gehen, die ungläubig sind, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat. Und es ist nicht egal, auf welcher Seite wir stehen! Denn es gibt ein Entweder-Oder. Es gibt entweder die, die in dem Kind in der Krippe den Retter der Welt sehen. Oder es gibt die, die verloren gehen. Eine eindeutige und zugleich erschreckende Alternative! Der Gott dieser Welt – und damit ist der Satan, der Feind Gottes, gemeint – hat ihnen den Sinn verblendet. Er hat sie blind gemacht für das Evangelium und für den Glauben. Wer blind ist, sieht nicht. Wer geistlich blind ist, glaubt nicht, kann nicht glauben. Und wer nicht glaubt, der sieht auch nicht, kann nicht sehen. Das ist ein Teufelskreis! Das Evangelium ist natürlichem Erkennen verschlossen. Es ist nichts, was man allein mit seinem Verstand begreifen könnte. Deshalb brauchen wir uns nicht zu wundern, dass es vielen Menschen nicht einleuchtet und sie nicht überzeugt. Bei Luther haben wir im Kleinen Katechismus gelernt: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; ...“ Und weiter heißt es dort: „... sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten, einigen Glauben geheiligt und erhalten; ...“

2) Damit sind wir beim zweiten Gedanken: Wir sehen die Herrlichkeit des Menschen Jesus, des gepredigten Christus. Weil Christus und seine Herrlichkeit verdeckt ist, deshalb muss von ihm gepredigt werden. Es liegt eben nicht auf der Hand, dass er der Herr der Welt ist. Deshalb hat Gott seine Boten gesandt, die Propheten und Apostel. Es muss uns immer wieder gesagt werden, wer der Herr ist. Denn irgendwie leiden wir alle ja an einer schrecklichen Vergesslichkeit. Nein, nicht sonntags in der Kirche. Aber manchmal braucht es nur einen Schritt aus der Kirche, aus dem Gottesdienst hinaus, und wir haben schon wieder vergessen, wer unser Herr ist, wessen Kinder wir sind. Dann zählt allein unser Können, unser Vermögen, unser Recht. Aber auch in der Kirche gibt es eine seltsame Vergesslichkeit. Wir denken ja ganz oft und auch ganz menschlich, was Christus bewirkt, könne man an den Christen sehen oder müsse man wenigstens am Pastor ablesen und ihm ansehen können. Da wird dann genau hingesehen, ob und wie sich ein Mensch verändert hat, seit er Christus begegnet ist. Da wird dann aufgerechnet wie fromm einer ist oder nicht: „Die kommen immer zum Gottesdienst, aber die sparen sich die zweiten Feiertage!“ Oder wir hören erstaunt zu, wenn jemand „Zeugnis“ ablegt: „Als Christus in mein Leben getreten ist, hat sich das und das verändert. So hat Christus an mir gehandelt.“ Das alles zählt zu der Vergesslichkeit, unter der wir leiden. Wir schieben gern uns in den Vordergrund. Wir reden über die Frömmigkeit von uns und anderen. Merkt ihr den Unterschied zu dem, was der Apostel Paulus gesagt hat? „Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus.“ Das andere mag ganz schön sein zu beschreiben, was sich bei uns von Christus niedergeschlagen und abgelagert hat. Aber die Predigt weist vom frommen Menschen weg zu dem, von dem das Heil kommt! Genauso wie unser Glaube ja nicht auf uns selbst gerichtet ist, sondern auf den, der mich rettet.

3) Damit ist nun noch unser dritter Gedanke verbunden: Wir sehen die Herrlichkeit des Menschen Jesus, des leuchtenden Christus. Das Wunder, von dem wir zu Epiphanias reden müssen, ist die Entdeckung des Gottesgeheimnisses. Es bleibt eben nicht bei dem verdeckten Evangelium. Die Predigt bleibt nicht nur Schall und Rauch. Sondern in unsern Herzen scheint das Licht Christi. Luther hat da in Vers 6 ein bisschen in dichterischer Freiheit übersetzt. Wörtlich heißt es, dass Gott selbst in unseren Herzen aufleuchtet. Es scheint also nicht nur irgendein Licht in uns, sondern Gott selbst, der Schöpfer des Lichts. So wie er am Beginn der Schöpfung das Licht geschaffen hat, noch bevor Sonne, Mond und Sterne geschaffen waren, so ist er selbst das Licht in uns. Und wieder will uns der Apostel Paulus von uns selbst auf Christus hinlenken und hinweisen: So wie Gott am Anfang der Welt das Licht erschaffen hat, so fällt seine Herrlichkeit, sein Licht auf den Menschen Jesus, der in der Krippe liegt, damit wir in dem kleinen Kind Gott selbst erkennen.

Liebe Gemeinde, ich sehe was, was du nicht siehst. So sagen es die Kinder und irgendwann, nach manchen Versuchen entdecken wir dann den gesuchten Gegenstand. Zu Epiphanias können wir uns darüber freuen, dass wir Christus entdecken als den Heiland, den Retter der Welt. Denn wir sehen ihn verdeckt unter der Niedrigkeit eines Menschen, gepredigt gegen alle Vernunft seit zweitausend Jahren, leuchtend in unseren Herzen seit unserer Taufe – jetzt noch mit den Augen des Glaubens, dann aber in der Ewigkeit von Angesicht zu Angesicht. Amen.