Adventsandacht 03.12.2014, von P. Heyn

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(Der komplette Gottesdienst zum Hören: )

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Predigt üb. 1. Buch Mose, Kapitel 49
Juda, du bist’s! Dich werden Deine Brüder preisen. Deine Hand wird deinen Feinden auf dem Nacken sein, vor dir werden deines Vaters Söhne sich verneigen. Juda ist ein junger Löwe. Du bist hochgekommen, mein Sohn, vom Raube. Wie ein Löwe hat er suich hingestreckt und wie eine Löwin sich gelagert. Wer will ihn aufstören? Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis dass der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen.

Liebe Gemeinde,
für gewöhnlich kennen wir einige alttestamentliche Weissagungen, die am Heiligabend von den Kindern aufgesagt werden aus den Büchern der Propheten Jesaja, Micha und Sacharja. Und irgendwie sind das jedes Jahr dieselben. Es gibt aber viel mehr Hinweise und Vorhersagen im Alten Testament auf den kommenden Messias. Sie sind nicht alle gleich deutlich und gleich gut verständlich. Und sie beschränken sich auch nicht auf die prophetischen Bücher. Eine solche Weissagung, die die christliche Kirche seit alter Zeit auf Jesus Christus hin gedeutet und ausgelegt hat, habe ich euch eben vorgelesen. Sie stammt aus dem Segen, den der sterbende Jakob über seine zwölf Söhne spricht. Und da wird jeder Sohn einzeln genannt und mit einem besonderen Segenswort bedacht. Diese Segensworte haben zum Teil prophetischen Charakter. Auf die zwölf Söhne des Erzvaters Jakob gehen die zwölf Stämme des Volkes Israel zurück, von denen eigentlich nur Juda und Reste des Stammes Benjamin noch bis in die Gegenwart Bestand haben. Die anderen zehn bzw. elf sind seit dem Untergang des Nordreichs im Jahr 722 vor Christus im Dunkel der Geschichte verschwunden Der Vergleich einzelner Söhne des Jakob mit bestimmten Tieren ist dabei nicht ungewöhnlich: Isaschar wird als knochiger Esel bezeichnet, Naftali als schneller Hirsch, Benjamin als reißender Wolf und Juda als junger Löwe. Wer schon mal eine große Raubkatze, einen Löwen gesehen hat, wie er sich herrschaftlich hinlegt, die Vorderpranken grazil vor sich gelagert, den Kopf erhoben, die Ohren lauschend und hellwach in die Luft gestreckt, der weiß, was für ein Bild hier gemeint ist. Das auffällige an dem Segenswort über Juda ist, dass ihm als einzigem Sohn königliche Attribute zugesprochen werden. Aus dem Stamm Juda ist Jesus Christus hervorgegangen, der Sohn Gottes, der im Stall von Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren wurde. Und das ist offenbar der Grund, warum die christliche Kirche dieses Segenswort, dass Jakob über seinen Sohn Juda spricht als Hinweis auf den angekündigten Messias gedeutet hat: „Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis dass der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen.“ Es bleibt alles undeutlich und unverständlich und rätselhaft, solange man nicht weiß, was oder wer damit gemeint ist. Aber aus dem Rückblick und dem biblischen Gesamtzusammenhang können wir sehr gut erkennen, dass Gott schon in dieser frühen Zeit der Menschheitsgeschichte und seiner besonderen Geschichte mit seinem Volk die Erlösung von uns Menschen im Blick hatte. Und das ist geradezu verblüffend und atemberaubend, wenn wir uns klarmachen, dass die ganze alttestamentliche Gesetzgebung des Mose erst danach entstanden ist. Es bleibt Gottes Geheimnis, warum er zunächst diesen Weg, den Weg des alttestamentlichen Gesetzes, gewählt hat, um den Menschen ein gottwohlgefälliges Leben zu ermöglichen. Hätte er in seiner Allmacht und Allwissenheit nicht vorher schon wissen können, dass das schiefgeht, ja, schiefgehen muss? Dass der Mensch von sich aus nicht in der Lage ist, ein gutes Verhältnis zu seinem Schöpfer herzustellen? Antwort: Ja, sicher hat Gott das wissen können, und er wird es auch gewusst haben. Aber gibt es irgendeinen Grund an seiner Allmacht zu zweifeln? Es gibt viele Gründe, könntet ihr sagen! Es gibt gar keinen Grund, müssten wir mit der heiligen Schrift antworten. Nur, weil wir an die Grenzen unserer Vorstellungskraft und unseres Glaubens kommen, deshalb muss das noch lange nicht heißen, dass Gott durcheinanderkommt oder ins Wanken gerät. Warum er diesen Weg gewählt hat, obwohl er schon „vor aller Zeit und Welt“ – wie wir es im nizänischen Glaubensbekenntnis aussprechen – den Plan hatte, seinen Messias zu senden, das bleibt sein Geheimnis. Aber vielleicht ist das auch das einzig Wichtige an dieser ganzen Weihnachtsgeschichte, dass wir begreifen, dass Gott aus freien Stücken entschieden hat, seinen Sohn zu uns und zu unserer Erlösung zu senden – über unser Bitten und Verstehn! Alle unsere adventlichen Schriftlesungen, die uns auf das Fest der Geburt unserers Herrn vorbereiten, haben den gleichen Grundton: Es ist Gottes Wille, sein Entschluss, seine Entscheidung. Unser Beitrag dazu ist keiner, null, nichts, gar nichts. Lass dich in dieser Adventszeit neu dazu einladen: Gott will dich mit seiner Ankunft beschenken. Sein Sohn Jesus Christus ist der Herrscher der Welt, der nicht nur das Zepter in der Hand hält, sondern er ist der Held, der dich und dein Leben rettet. Und es ist Gottes ganz besondere Art, dass es ihm gefallen hat, diesen Held aus dem Stamm Juda hervorgehen zu lassen, in ärmlichsten Verhältnissen, von kleinauf ein Flüchtling und am Ende hingerichtet wie ein Verbrecher. Aber sein Zepter wird nicht von ihm weichen und ihm werden am Ende die Völker anhangen. Amen. Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.