Predigt

Quasimodogeniti, 7. April 2013, von Gottfried Heyn

(Die Predigt zum Mithören nach Manuskript: )

(Der komplette Gottesdienst: )

Predigt üb. Mk 16,9-20
Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden. Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen. Der Herr segne an uns sein Wort.

Liebe Gemeinde,
was uns da von den Jüngern berichtet wird, kann ich gut verstehen. Nachdem sie die Hinrichtung ihres Herrn und Meisters am Kreuz erlebt hatten, nachdem sie gesehen hatten, wie er gestorben war, und nachdem sie ihn selbst in das Grab gelegt hatten, sollten sie jetzt plötzlich glauben, dass er lebt, dass er wieder lebt. So, als wäre das alles ein etwas makabrer Aprilscherz gewesen. Also, ehrlich mal Leute, wer von uns würde sich denn so einen Bären aufbinden lassen! Nach einer Beerdigung, an der wir selbst teilgenommen haben und bei der wir mit eigenen Augen gesehen haben, wie das Grab zugeschüttet wurde, da könnte man uns doch viel erzählen. Wir würden abwinken und denken: „Ja, ja, rede du nur. Ich habs schließlich selbst gesehen! Und so schlecht sind meine Augen noch nicht!“ Ich kann die Jünger jedenfalls gut verstehen, dass sie der Rede, dass Jesus lebe, nicht geglaubt haben. Maria Magdalena war vielleicht etwas sehr von ihren Gefühlen beherrscht, und die beiden Emmausjünger mögen schwärmerische Enthusiasten gewesen sein. Nachprüfen konnte man ja nicht, was die erzählten. Ganz ähnlich ist das bei uns heute, scheint mir: Auf der einen Seite gibt es alle möglichen wunderlichen Dinge, die wir sofort glauben, weil sie uns im Fernsehen und Internet glaubhaft versichert werden. Auf der anderen Seite sind wir äußerst misstrauisch gegenüber allem, was wir nicht selbst gesehen haben. Irgendwo verläuft da in unserem Kopf eine unsichtbare Grenze. Bei jedem von uns. Schließlich gehört das ja auch zu einer guten Erziehung, den Kindern beizubringen, einerseits Vertrauen zu haben und andererseits eine gesunde Skepsis zu entwickeln. Die Jünger damals hatten berechtigterweise Misstrauen gegenüber den Nachrichten von Maria Magdalena und den Emmausjüngern. Und dafür werden sie von Jesus auch noch gescholten. Irgendwie scheint das nicht fair zu sein. So verständlich die Geschichte bis hierhin ist, so unverständlich geht sie gleich weiter. Und genau deshalb wollen wir heute in der Predigt darüber nachdenken. Es geht um den Glauben im Gegenüber zum Unglauben. Lasst uns das an drei Stellen nochmal in den Blick nehmen:

1) Jesus schenkt Glauben.
2) Jesus schenkt Seligkeit.
3) Jesus bekräftigt die Predigt der Jünger durch Zeichen.

1) Also das Erste: Jesus schenkt Glauben. Der Unglaube der Jünger, der Zweifel an der Auferstehungsbotschaft ist mehr als verständlich und nachvollziehbar. Aber plötzlich ist alles anders, als Jesus selbst zu seinen Jüngern kommt. Da glauben sie! Die Gegenwart Jesu ist eben etwas Besonderes und sie bewirkt etwas. Es bleibt nicht alles beim Alten, wenn Jesus in dein Leben tritt. Es wird auch nicht nur ein bisschen anders, sondern es wird komplett anders. So wie bei den Jüngern: Sie wurden verwandelt von den felsenfest Ungläubigen zu den ersten Zeugen des Auferstandenen. Jesus schimpft nicht mit seinen Jüngern wie mit unartigen Schulkindern, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Es wird uns auch nicht einfach berichtet: „Als Jesus zu ihnen kam, da glaubten sie.“ Sondern es geht ganz anders weiter: Jesus geht selbstverständlich davon aus, dass sie jetzt glauben. Und er sendet sie in alle Welt, um die unglaubliche Geschichte des Lebens mitten im Tod, die Geschichte der Hoffnung angesichts der absoluten Hoffnungslosigkeit allen Geschöpfen zu predigen, weiterzuerzählen! Nur am Rande: Auch das ist ein wichtiges Detail: Das Evangelium soll aller Kreatur gepredigt werden. Wir sind aus guten Gründen da etwas zurückhaltend, Tiergottesdienste zu feiern und den lieben Gott im Wald zu suchen. Aber wir sollen das heute mal hören und ernstnehmen: Das Evangelium, die frohe Botschaft vom Leben gilt der ganzen Schöpfung! Jesus befähigt uns dazu, seine Zeugen zu sein. Er schenkt uns das dafür nötige Vertrauen. Er schenkt uns Hoffnung und Mut. Er gibt uns seinen Schutz, gegen den keine Macht der Welt etwas ausrichten kann. Das heißt Glauben!

2) Das Zweite: Jesus schenkt Seligkeit. Jesus begnügt sich nicht damit, sich seinen Jüngern zu offenbaren und sie zum Glauben zu bringen. Es reicht ihm auch nicht, dass sie seine Auferstehungszeugen werden und in aller Welt das Evangelium predigen. Nein, er geht noch einen Schritt weiter. Die Zeugen seiner Auferstehung sollen es so weitersagen, dass auch andere zum Glauben kommen. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. Die wunderbare Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod die gilt allen Menschen, damit sie selig werden. Der Glaube hat also einen Auftrag und ein Ziel. Der Auftrag heißt, das Evangelium zu predigen. Und das Ziel ist das, was die Bibel Seligkeit nennt. Diesen Zustand kann ich nur unzureichend beschreiben. Manche Menschen haben das Glück, Momente der Seligkeit zu erleben. Es muss ein wunderbares Gefühl des Glücks und der Zufriedenheit sein, der Geborgenheit und Sorglosigkeit, des Friedens und der Liebe. Das verspricht Jesus seinen Jüngern als Ziel ihres Glaubens. In der Kirche hat man immer daran gedacht, dass wir in den paradiesischen Zustand am Anfang der Schöpfung zurückkehren werden. Ich glaube, es wird noch viel schöner und besser sein, wenn wir selig werden.

3) Noch schnell das Dritte: Jesus bekräftigt die Predigt der Jünger durch Zeichen. Am Schluss unseres Predigtabschnittes heißt es: „Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.“ Jesus wusste natürlich, dass der neue Glaube seiner Jünger in Gefahr war, sobald er nicht mehr da war. Er weiß, dass es auch uns oft so geht: Jetzt im Moment glauben wir die Nachricht von seiner Auferstehung. Unser Glaube ist stark und fest. Solange wir in der Gemeinschaft der anderen Christen sind, ist das auch nicht so schwer. Aber denkt nur mal an euren Alltag: Wenn ihr wieder allein in eurer Klasse seid, wenn ihr allein unter euren Kollegen seid, wenn ihr allein neben euren Nachbarn seid. Oder wenn die Lasten der täglichen Arbeit euch zu schwer werden, wenn euch der familiäre Kleinkrieg zermürbt, wenn eine Krankheit alle eure Pläne und Träume kaputt macht. Dann ist der Glaube in Gefahr. Dann wird aus dem furchtlosen Vertrauen auf den Herrn der Welt ruckzuck ein Häufchen Angst, Zweifel und Misstrauen. Aber weil Jesus das weiß, bekräftigt er sein Wort durch die mitfolgenden Zeichen. Das sind meist keine aufsehenerregenden Wunder. Sie vollziehen sich eher im Stillen und Verborgenen. Und genau darauf sollt ihr achten. Dann wird euer Glaube wieder stark. Denn die Zeichen sind da. Ihr müsst sie nur sehen lernen! „In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden.“

Übertragt diese Sätze mal in euer Leben: Der Heilige Geist ist der gute Geist, der in euch wirkt und euch hilft, Hass und Streit zu vermeiden, die bösen Worte nicht auszusprechen, den andern nicht zu verletzen und zu kränken. Oder was habt ihr schon angefasst und habt dabei in Lebensgefahr geschwebt. Wie viele Gebete hat Gott schon erhört! Nur dass wir das immer erst hinterher merken und glauben. Lernt die Zeichen zu sehen, mit denen Gott unseren Glauben stärkt! Liebe Gemeinde, der anfängliche Unglaube der Jünger ist mir nur allzu verständlich. Ich könnte selbst so ein Jünger sein. Das wunderbare an Ostern ist, dass es ganz anders weitergeht als erwartet. Und damit wir das glauben – gegen jedes vermeintlich bessere Wissen und gegen alle Widerstände – deshalb ist Jesus damals selbst zu seinen Jüngern gegangen und hat sie in alle Welt ausgesandt. Deshalb spricht er auch heute zu euch. Deshalb schenkt er euch euren Glauben und bekräftigt sein Wort durch die mitfolgenden Zeichen. Auch wenn eure Augen vielleicht nichts davon sehen. Dann macht die Augen des Glaubens auf und seht die Zeichen unseres Gottes! Er ist auferstanden und lebt. Halleluja! Amen.