Predigt

Predigtgottesdienst 28. April 2013, von Pr. Heyn

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Predigt üb. Jes 12,1-6
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Gemeinde: Amen. Gottes heiliges Wort, das unserer Predigt zugrunde liegt, steht im Buch des Propheten Jesaja im 12. Kapitel. Es ist die alttestamentliche Lesung für diesen Sonntag. Wer möchte, kann sie im Gesangbuch mitlesen: Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

Liebe Gemeinde,
„danke für das Gespräch“ sagen wir mit leicht ironischem Unterton, wenn jemand auf unsere Frage nicht reagiert oder mit einer ganz anderen Antwort kontert, als wir erwartet haben. Ein wirkliches Gespräch hat nicht stattgefunden. „Danke, dass Sie sich geärgert haben“ oder „danke, dass Sie wütend gewesen sind wegen mir“ – dass würde uns nicht im Traum einfallen jemandem zu sagen. Wenn so eine Situation eingetreten ist, dass der andere wütend oder ärgerlich auf mich ist und mir das peinlich ist, dann versuche ich das irgendwie wieder geradezubiegen. Aber ganz bestimmt nicht, indem ich mich dafür auch noch bedanke. Eine Entschuldigung ist da schon eher angebracht. Der Prophet Jesaja scheint auf ganz eigenartigen Wegen zu sein: „Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen über mich.“ Wie kommt der dazu, so etwas zu sagen? Ist das eine antike Untertänigkeitsgeste gegenüber einem Herrscher? Unterwürfigkeit bis zur Selbstverleugnung? Ich glaube nicht. Es ist etwas anderes. Und dem möchte ich mit euch zusammen ein wenig auf die Spur kommen. Der Prophet Jesaja musste dem Volk Israel den Zorn Gottes verkünden und die Strafe Gottes ankündigen. Zu seiner Zeit und dann später noch viel vernichtender hat die Strafe Gottes das Volk Israel getroffen. Jesaja hat das in prophetischer Schau vorausgesehen. Er hat aber auch gesehen, dass ein Rest von Israel übrigbleiben wird, weil Gottes Zorn im letzten Moment nachlassen wird und seine Gnade allen Zorn überdecken wird. Dieser übriggebliebene Rest des Volkes Israel wird Gott loben mit einem neuen Lied, mit einem Danklied. Und dieses Danklied haben wir heute vor uns. Die eingangs zitierte und von mir angefragte Zeile ist nur der Beginn des Liedes. Wir müssen weiterlesen. Das wollen wir tun und dabei in drei Abschnitten über den Liedinhalt nachdenken.

Der erste Abschnitt ist überschrieben: Gottes Zorn über mich.
Der zweite: Gottes Heil für mich.
Der dritte: Singet dem Herrn ein neues Lied!

1) Also unser erster Abschnitt: Gottes Zorn über mich. Der Prophet Jesaja musste den Zorn Gottes verkünden. Gott war zornig über die Untreue seines Volkes, er ärgerte sich über ihren Abfall zu irgendwelchen Götzen, er war traurig über ihre Sünden und ihren Kleinglauben. An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert. Gott gerät darüber in Zorn, dass du ihm untreu wirst, ihn verleugnest, lieber dein Mäntelchen nach dem Wind hängst, als dich zu ihm zu bekennen. Es ärgert ihn, dass du seine Gebote verletzt, ihn so und so oft einen guten Mann sein lässt und andere Dinge dir viel wichtiger sind: Geld, Liebe, Auto, Haus, Klamotten, Karriere, Erfolg, usw. usw. Gott ist traurig darüber, dass du ihm so wenig zutraust, dass du seine Worte immer wieder in Zweifel ziehst, dass du ihm so wenig ähnlich bist, obwohl er dich zu seinem Ebenbild geschaffen hat. Jeder einzelne von euch ist davon betroffen, davon angekränkelt und damit belastet, und ich natürlich auch. Mit unserem bisschen Frömmigkeit können wir vor Gott nicht bestehen. Der Zorn Gottes müsste uns hinwegfegen. Das Spannende an unserem Lied ist, dass wir weiterlesen müssen: „Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.“ Der Prophet Jesaja war kein Masochist, der sich in Unterwürfigkeit badete, sondern er singt das Lied der Erlösten, die Gott danken, dass sein Zorn vorüber ist! Sicher schwingt da der Gedanke mit, dass man im Rückblick erkennt: „Es war gut, dass mein himmlischer Vater streng mit mir umgegangen ist und dass ich aus meinen Fehlern lernen musste.“ Aber die wesentliche Aussage ist doch: „Danke, lieber Gott, dass du nicht mehr zornig bist, dass du mich trotzdem und immer noch und wieder liebhast und dass du mich tröstest!“ Gottes Zorn ist vorbei, seine Liebe zu uns hat ihn besiegt. Kinder und Eltern, die so etwas erlebt haben, wissen, wie schön es ist, wenn man sich wieder versöhnt, der Zorn verraucht ist und alles wieder gut ist! Jesaja konnte es noch nicht wissen. Er konnte nur ahnen, woher dieser Sinneswandel Gottes kommt. Wir wissen es und uns wird es als Zentrum unseres Glaubens eingeprägt: Jesus Christus hat den ganzen Zorn Gottes für uns abgefangen. Er ist so etwas wie ein Blitzableiter. Als wir mit den Konfirmanden auf der Wartburg waren, da haben wir auf dem Hauptturm oben das goldene Kreuz gesehen. Und daran war ein Blitzableiter angebracht. Das Kreuz ist der höchste Punkt der Burg, und er schützt sie vor Zerstörung.

2) Unser zweiter Abschnitt: Gottes Heil für mich. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist nicht nur der Blitzableiter für den Zorn Gottes, er ist nicht nur derjenige, der uns vor dem Zorn Gottes bewahrt, sondern er macht heil, was kaputt gegangen ist. Vielleicht macht er das anders, als wir so denken und erwarten. Aber wir nennen ihn unseren Heiland, weil wir wissen, dass er alles für uns getan hat, was nötig ist. Jesaja spricht es in seinem Lied aus: „Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.“ Gottes Zorn ist verraucht, nachdem er seinen Sohn Jesus Christus getroffen hat. Der musste für uns leiden und sterben und mit Welt, Sünde, Teufel, Tod und Hölle kämpfen. Aber er hat diesen Kampf gewonnen. Er hat im Grab gelegen und war tot. Aber er lebt wieder. Er ist auferstanden! Er hat die zerstörte Beziehung zwischen Gott und uns Menschen heil gemacht. Wir sind die Erlösten, die der Prophet Jesaja noch in einer Vision vorausahnen musste. Und von uns gilt: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen.“ An jedem Sonntag stehen in vielen Kirchen diese Heilsbrunnen. Es sind unsere Abendmahlskelche. Daraus schöpfen wir das Wasser des Lebens, das Gott uns schenkt. Auf geheimnisvolle Weise bekommen wir Anteil an seinem Leben und an seinem Sieg. Das ist es, was der Prophet Jesaja „Heil“ nennt. Gott ist unser Heil und nichts und niemand sonst. Die Alten unter uns erinnern sich noch an die Zeit, als unser Volk in schrecklicher Verblendung von einem anderen das Heil erwartete. Zu Ostern hat Christus den Zorn Gottes von uns abgelenkt. Er hat sich gewendet. Und nun ist Gott uns nahe mit seinem Heiligen Geist, dem Tröster. Zu Pfingsten werden wir diese Gegenwart Gottes feiern.

3) Nun noch schnell unser dritter Abschnitt: Singet dem Herrn ein neues Lied! So heißt unser heutiger Sonntag, weil wir in das Danklied der Erlösten einstimmen. Wir sind Teil der Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen! Das ist wunderbar! Eigentlich müsste die ganze österliche Freudenzeit Kantatezeit heißen. Der Prophet Jesaja hat es uns vorgesagt und seitdem sprechen es Menschen immer wieder neu nach: „Danket dem Herrn! Lobsinget dem Herrn! Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!“ Es ist eigentlich immer dasselbe Lied, aber es wird jedesmal neu, wenn wir erkennen und begreifen und anfangen zu verstehen, wer unser Leben und unser Heil ist! Und wem das so geht, der kann dann eigentlich nicht mehr den Mund halten. Das ist ein Automatismus. Zugegeben, das Lob Gottes kann man nicht befehlen. Und die Ermahnung „Du solltest aber dankbar sein“ kann ich ehrlich gesagt manchmal nicht mehr hören. Ich denke aber an Situationen, in denen ich innerlich gejubelt habe und es mir die Freudentränen in die Augen getrieben hat, weil ich Gottes Hilfe machtvoll erfahren habe. Und dann habe ich ein Dankgebet gestammelt, unfähig in Worte zu fassen, was mich bewegt. Ich bitte euch: Erinnert euch an solche Situationen, wenn ihr abends vor dem Schlafengehen betet. Erinnert euch an solche Situationen, wenn ihr am Sonntag in der Kirche sitzt, und wir gemeinsam singen. Gott hört unsere Dankgebete und Lobgesänge, und er weiß, dass sie ernst und ehrlich gemeint sind. Und er freut sich über jedes neue Lied, dass wir zu seiner Ehre anstimmen! Liebe Gemeinde, mit ironischem Unterton zu Gott „Danke für das Gespräch“ zu sagen, brauchen wir Christen nicht. Denn Gott redet mit uns und hört uns und nimmt uns ernst. Wir können – so seltsam es erscheinen mag – in das Danklied des Propheten Jesaja einstimmen: „Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest.“ Gottes Zorn ist vorbei, aber sein Trost bleibt. Das ist doch wunderbar. Deswegen lasst uns freuen und fröhlich sein und dem Herrn ein neues Lied singen. Amen.