Predigt

Gottesdienst am Heiligen Christfest, 25.12.2012 in der ev.-luth. Bethlehemsgemeinde (SELK) in Hannover, 10.00 Uhr, gehalten von Prädikant Gottfried Heyn

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Predigt üb. Joh 3,31-36

Gottes heiliges Wort, das unserer Predigt zugrunde liegt, steht im Evangelium nach Johannes im 3. Kapitel. Der Predigttext ist auf den kleinen Zetteln zum Mitlesen abgedruckt:
Der von oben her kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über allen und bezeugt, was er gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an. Wer es aber annimmt, der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Maß. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.
Der Herr segne an uns sein Wort. Amen
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Liebe Gemeinde,
wer von euch war am vergangenen Donnerstag bei einer Weltuntergangsparty? Ich konnte leider nicht, denn an dem Abend war Kröpcke-Blasen. Nur am Rand habe ich wahrgenommen, dass da richtig gefeiert wurde. Die Menschen waren ausgelassen, haben getrunken und sich ein bisschen mulmig gefühlt, aber ernsthaft mit dem Weltuntergang gerechnet hatten, glaube ich, nur wenige. Anders war es damals bei der Jahreswende 1999/2000. Und anders haben das auch diesmal die Leute gesehen, die auf dem Pik Bergerac in Frankreich die Ankunft der grünen Männchen bzw. die Rettung von der untergehenden Erde erhofften. „Bedauernswerte Weltuntergangsspinner“ – mag vielleicht manch einer gedacht haben. Seit Jahren hatten sie sich auf dieses Datum vorbereitet, weil der Maya-Kalender am 21.12.2012 endete, aber nichts ist geschehen. Am Samstag hab ich in der U-Bahn-Station am Hauptbahnhof ein Plakat gelesen: „Europa? Noch da! Asien? Auch noch da! Nord- und Südamerika, Australien? Anwesend! Nichts passiert! Also weitermachen!“
Das Datum ist verstrichen und jetzt heißt es weitermachen. Weiter feiern, weiter zur nächsten Party, weiter im alten Trott.

Mir sind diese Weltuntergangsspinner ja irgendwie sympathisch, denn wir haben etwas gemeinsam: Wir rechnen damit, dass diese Welt irgendwann untergeht, dass sie zu Ende geht. Und dann heißt es nicht mehr: einfach weitermachen.

Was das mit Weihnachten zu tun hat, könntet ihr jetzt fragen! Johannes der Täufer gibt uns darauf eine Antwort. Er ist es nämlich, der in unserem Predigttext heute redet. Ein letztes Mal weist er auf den hin, der nach ihm kommt: Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Retter der Welt!
Drei Gedanken des Johannes will ich herausgreifen:
1) Die Rettung kommt von oben her, von Gott.
2) Gott legt das Schicksal der Welt in die Hände seines Sohnes.
3) Wer an den Sohn glaubt, wird gerettet.

1) Die Rettung kommt von oben her, von Gott.
Warum reden wir in der Kirche zu Weihnachten immer von Rettung? Von Hilfe? Das passt doch so gar nicht zum Fest der Liebe und der Familie und des Friedens! Hatte irgendwer einen Unfall? Ist was Schlimmes passiert?
Ja, es ist etwas Schlimmes passiert. Wir Menschen sind von unserem Gott getrennt. Weil wir unser Leben so gern selbst in die Hand nehmen. Weil wir die Dinge gern kontrollieren möchten. Es soll, bitteschön, nach unseren Vorstellungen gehen! Am Lebensanfang, am Lebensende, in der Lebensmitte. Es lebt sich ganz gut ohne Gott, denken viele. „Religion – das brauch ich zum Wohlfühlen und für die Stimmung! Ansonsten lasst mich damit bitte in Ruhe!“
Wer so denkt und lebt, der ist auf dem Holzweg. Spätestens wenn man mit dem eigenen Leben in eine Krise gerät, dann ist guter Rat teuer!
Als Kind, das aus der ehemaligen DDR stammt, fällt mir bis heute auf, dass bei allen möglichen Katastrophen plötzlich Seelsorger gerufen werden. Da gibt es dann Gottesdienste, persönliche Begegnung und Begleitung. Die Pastoren und die Kirche können helfen, die Sprachlosigkeit angesichts der Not zu lindern, der Trauer eine Form zu geben, all den trostlosen Menschen Trost zu spenden.
Die von ihrem Gott getrennten Menschen nehmen plötzlich seine Hinwendung und Hilfe in Anspruch.
Die Rettung kommt von oben her, von Gott.
Besonders zu Weihnachten wird die Friedlosigkeit und all das Schlimme in unserer Welt sichtbar. Je größer der Unfriede ist, desto größer wird der Wunsch nach Frieden, nach umfassendem Frieden des Leibes und der Seele des Einzelnen, nach Frieden in den Beziehungen der Menschen, nach Frieden zwischen Völkern und Staaten.
Die Rettung kommt von oben her, von Gott.

2) Der Weg, den Gott zu eurer Rettung beschreitet, ist ein ganz eigentümlicher. Gott, der Vater, schickt seinen Sohn Jesus Christus als Retter zu uns. Er legt das Schicksal der Welt in seine Hände. Unser zweiter Gedanke.
Was für ein Vertrauen muss da dahinterstehen! „Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben.“ Unglaublich! Im wahren Leben gibt’s doch so etwas nicht. Selbst wenn der Vater dem Sohn die Firma überschreibt, so bleibt er doch noch die graue Eminenz im Hintergrund. Am Vater vorbei oder gegen den Willen des Vaters etwas durchzuboxen, das schafft in der Regel nur böses Blut.
Johannes der Täufer redet hier von einem Vater und einem Sohn, die einzigartig sind, und deren Beziehung zueinander auch einzigartig ist. Der Vater hat dem Sohn alles übergeben, weil er weiß, dass der Sohn das Richtige tut! Dieses völlige Einssein gibt es nur bei dem lebendigen Gott. Es gehört zu den Geheimnissen Gottes, die uns jetzt noch verborgen sind, aber von denen wir schon profitieren. Denn der Sohn will uns und alle Menschen, die ganze Schöpfung aus ihrer Not herausholen. Wenn es irgendwo eine Hoffnung auf Veränderung in unserem Leben gibt, auf Heilung der kaputten Seelen und Körper, auf Schlichtung des Streits dann ist es der Sohn, dessen Name Jesus ist. Er heißt so, wie es sein Wille und Auftrag ist: Retter.
3) Das führt uns noch zu dem dritten Gedanken: Wer an den Sohn glaubt, wird gerettet.
Johannes der Täufer nennt das in einem Atemzug: Das Einssein von Vater und Sohn und unsere Rettung. Wer an den Sohn glaubt, der ist gerettet. Es reicht, auf das Kind in der Krippe zu schauen, ihm alles anzuvertrauen. Ganz einfach!
Aber gerade, weil es so einfach ist, geht es in unser Gehirn so schwer rein, dass ein winziges Neugeborenes uns helfen können sollte. Deshalb lässt Gott es euch immer wieder sagen. Deshalb feiern wir auch in diesem Jahr wieder die Ankunft dieses Kindes bei uns.
Gott hat seinen Zorn über unsere eigenmächtige Trennung von ihm, über unsere Sünde kanalisiert. Er trifft das kleine unschuldige Kind in der Krippe, den Mann am Kreuz.
Deshalb, schaut auf das Kind in der Krippe! Vertraut ihm im Leben und im Sterben, traut diesem Kleinkind alles zu. Dann wird euch geholfen.

Die Realität zur Zeit Johannes des Täufers war genau dieselbe wie heute: Die Mehrheit der Leute will von Gott nichts wissen. Und damals wie heute gilt: Wer nicht auf Jesus hört, der wird von Gottes Zorn getroffen und untergehen.

Liebe Gemeinde, apropos „untergehen“: Die Weltuntergangsspinner, die am Pik Bergerac vergeblich auf das Ende der Welt gewartet haben, sind mir irgendwie sympathisch. Sie und wir haben etwas gemeinsam: Wir erwarten, dass diese Welt irgendwann untergeht. Wir warten auf unsere Erlösung. Aber im Unterschied zu ihnen wissen wir, woher unsere Erlösung kommt. Sie hat angefangen als Jesus Christus im Stall von Bethlehem geboren wurde, sie ist weitergegangen, als dich deine Eltern zur Taufe gebracht haben, sie nimmt heute Gestalt an, weil Jesus heute in dein Herz einziehen will, und sie wird endlich vollendet werden, wenn wir vor Gottes Thron stehen.
Wir Christen haben – lasst es mich mal so salopp sagen – immer ein Stück Weltuntergangsparty – jeden Sonntag in der Kirche, denn da kommt Gott zu uns und bereitet uns auf das Ende dieser Welt und auf ein wunderbares Leben bei ihm vor.
Amen.